In Crowdfunding, Featured

Warum VC-Gesellschaften nach dem Bergfürst-Erfolg (noch) nicht zittern müssen

Früher war die Welt einfach für Internet-StartUps. Man entwickelte ein Geschäftskonzept und sammelte das erste Geld bei den 3F (Family, Friends, Fools) ein. Parallel bemühte man sich um weitere Unterstützung durch Inkubatoren, was man i.d.R. teuer bezahlen musste. Frisches Kapital erhielt man noch durch die Siegprämien von StartUp-Wettbewerben und Business Angels, die an einen glaubten. Dann konnte man das erste Fremkapital und evtl. ein paar Fördermittel einkassieren, bevor der Ganz zur VC-Gesellschaft anstand, um genug Wachstumskapital zu erhalten. Und dann hoffte man, an die Börse gehen zu können, damit alle Kasse machen konnten.

Mittlerweile leben wir jedoch im Crowdinvestingzeitalter. Somit ergibt sich sowohl in der Nachgründungsphase als auch (dank Bergfürst) in der Wachstumsphase die Möglichkeit, zusätzlich oder alternativ Geld von den Crowds einzusammeln. Bis jetzt wurde das von vielen Finanzexperten belächelt, schliesslich gebe es nur „Peanuts“. Das Finanzvolumen, das bisher via Crowdinvesting in Deutschland im Halbjahr eingesammelt werden konnte, liegt im einstelligen Millionenbereich.

Die klare Erkenntnis der Finanzexperten war: Noch immer bräuchte man finanzstarke Lead-Investoren, um den Erfolg zu „garantieren“. Doch jetzt hat Bergfürst eine echte Marke gesetzt. Innerhalb weniger Wochen konnte Urbanara 3 Mio EUR Beteiligungskapital einsammeln. Und Investoren konnten erstmals via Crowdinvesting in Deutschland Aktien als Gegenwert erhalten. Damit kann in diesem Jahr die Schwelle von 10 Mio. EUR, das via Crowdinvesting eingesammelt wurde, locker übersprungen werden. Das macht hellhörig.

Ca 1.000 Investoren haben Aktien im Rahmen des ersten Fundings gezeichnet, was ca. 3.000 EUR pro Investor entspricht. Hellhörig macht, dass sich laut Bergfürst auch zahlreiche Family Offices und Business Angels an Urbanara beteiligt haben. Zudem wird es einen Zweitmarkt geben, so dass die Investoren auch wieder die Aktien verkaufen können, ohne abwarten zu müssen, wann die Aktien an einer Börse gehandelt werden. Weiterhin ist zu bemerken, dass mit der Berliner Volksbank ein etablierter Player bei Bergfürst eingestiegen ist, der einen Zugang zu vielen lukrativen Kunden ermöglicht.

Müssen VC-Gesellschaften jetzt zittern, weil die Unternehmer andere Alternativen haben, um Wachstumsbeteiligungskapital einzusammeln. Noch nicht! Denn laut Aussagen der Verantwortlichen von Bergfürst werden nur ca. 4 – 6 Beteiligungen in den nächsten Monaten den Weg gehen, via Bergfürst Beteiligungskapital einzusammeln. Da davon Berfürst allein wohl nicht leben kann, ist geplant, auch Immobilienbeteiligungen über diese Plattform anzubieten.

Und es gibt noch einen anderen wichtigen Grund, warum VC Gesellschaften noch nicht zittern müssen. Denn Unternehmen, die via Bergfürst Crowdkapital einsammeln, müssen sich den Aktionären öffnen und als Mitmachgesellschaft fungieren. Das erwarten die meisten Crowdvestoren. Doch die wenigsten Unternehmen habe bisher die Voraussetzungen geschaffen, um offen und transparent zu kommunizieren und die Aktionäre in Entscheidungen einzubinden. Letztlich hört auch der Konkurrent mit.

Und dann schätzen es längst nicht alle VC-Gesellschaften, wenn am zu beteiligenden Unternehmen schon zig Personen beteiligt sind. Das kann vor allem beim Wiederverkauf der Anteile zum Verkaufshemmnis werden. Auf der anderen Seite wird der Trend zum Crowdinvesting nicht aufzuhalten sein. Darauf müssen sich auch VC-Gesellschaften einrichten und sich frühzeitig darauf einstellen oder sogar Kooperationen schliessen.