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kartenmachen.de schreibt mit personalisierten Einladungskarten und pfiffigen Motiven eine Erfolgsstory

Als Grafiker war es Ehrensache, dass Andreas Ritter Ende 2010 anlässlich seiner Hochzeit die Einladungskarten selbst gestaltete. Ärgerlich für ihn war, dass die Mindestbestellmenge seiner Druckerei bei 250 Stück lag, obwohl er nur 40 Gäste erwartete. Und genau die übrig gebliebenen Hochzeitskarten auf dem Dachboden boten ihm eine gute Chance, endlich als Selbständiger (er startete ursprünglich mit einer Webagentur) mit einer skalierbaren Geschäftsidee durchzustarten. Andreas holte die Karten vom Dachboden und eröffnete zunächst einen Shop bei eBay; kurz danach folgten Amazon, DaWanda und Co.

Nach gelungenem Markttest Ende 2013 ging er im Frühjahr 2014 mit seinem eigenen Onlineshop Kartenmachen.de an den Start. Er bot seinen Kunden genau das an, was er so erfolgreich für die eigene Hochzeit gemacht hatte: Er bedruckte hochwertige Kartenrohlinge mit den persönlichen Texten seiner Kunden, zuerst mit dem Bürodrucker, später mit einem Profidrucker. Es gab zwar schon genug Konkurrenz am Markt, im Gegensatz zu den meisten Mitbewerbern muss der Kunde bei kartenmachen.de den Text nicht selbst in das Motiv einpassen; das übernimmt ein Grafiker. Dafür entwickelte Andreas Ritten einen speziellen Prozess:

Der Kunde wählt das Motiv und die gewünschte Kartenmenge aus und geht zur Kasse. Hier hinterlegt er alle notwendigen Informationen und schickt die Bestellung ab. Maximal eine Stunde später erhält der Kunde von kartenmachen.de eine E-Mail mit den Zugangsdaten zu seinem persönlichen Designstudio. Im Designstudio hinterlegt der Kunde seinen Kartentext. Maximal einen Werktag später stellt der Grafiker die fertig gestaltete Karte im Designstudio ein. Wenn der Kunde keine Änderungswünsche mehr hat, erteilt der Kunde die Druckfreigabe. Spätestens zwei Tage danach liegen die personalisierten Einladungskarten in seinem Briefkasten.

Beeindruckend ist, dass das Start-Up nach Aussagen des Gründers bereits im ersten Monat den Break-Even erreichte. Das lag daran, dass sie schon zu Beginn eine relativ hohe Gewinnmarge von etwa 40 % hatten (die Gewinnmarge liegt aktuell bei 60 %) und die aufwendigen Entwicklungs- und Programmierarbeiten intern gemacht wurden. Zudem hat der Gründer von Anfang an die riesige Reichweite großer Online-Marktplätze (Amazon, eBay, Dawanda) genutzt und einen Teil der Gewinne aus dem Verkauf auf diesen Marktplätzen in das Marketing oder neue Investitionen investiert. So konnten Sie im Rahmen des Bootstrapping wachsen und in 2015 bereits einen Umsatz von 553.000 Euro erwirtschaften. Im Jahr 2016 werden sie voraussichtlich locker die Umsatz-Millionen-Grenze überschreiten und im Jahr 2010 sollen sogar 10 Mio. EUR Umsatz erreicht werden.

Um schneller und auch international zu wachsen, sammelt Kartenmachen.de aktuell Crowdmoney bei Seedmatch ein. Kartenmachen.de ist der zweite Venture-Debt-Case bei Seedmatch. Bei diesem Modell gewähren Investoren jungen Wachstumsunternehmen ein Darlehen. Neben einer Festverzinsung (8 % p.a.) erhalten die Kunden am Ende der Laufzeit einen einmaligen Bonuszins auf die Anlagesumme (Seedmatch nennt das den „Venture-Kicker“), wenn das Unternehmen in dieser Zeit besonders erfolgreich war. Und die ersten Investoren erhielten sogar noch einen zusätzlichen Bonuszins in Höhe von 1 % p.a. geschenkt. So lässt sich u.a. erklären, dass nach nur knapp zwei Tagen die Funding-Schwelle von 100.000 Euro erreicht wurde.

Jetzt gilt, das Wachstum zu forcieren, um die Umsatziele auch zu erreichen. Neben neuen Kategorien und neuen Motiven (aktuell gibt es ca. 250 Motive) wird es auch neue Produkte geben: Zu jedem Motiv werden passende Umschläge und Danksagungskarten angeboten. Im nächsten Schritt sollen zu allen Motiven auch noch Tischkarten und Menükarten dazu kommen, damit sich die Kunden aus einer kompletten Motivfamilie bedienen können. Die ersten Markttests dazu haben gezeigt, dass dabei Gesamtwert der Bestellung und Marge steigen. Dieses Beispiel zeigt, dass man auch mit einer vermeintlich simplen Idee, die man allerdings optimiert, nachhaltig sehr erfolgreich werden kann.

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