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Crowdinvest Marktreport 2017: Markt wächst auf 200 Mio. Euro

Ab dem Jahr 2012 haben wir hier im Blog über den Crowdinvest-Hype hier in Deutschland berichtet. Zuletzt haben wir Anfang 2015 hier im Blog Bilanz gezogen und einen aktuellen Marktüberblick präsentiert. Drei Jahre später wird es wieder Zeit, sich den Markt näher anzuschauen. Dabei hilft uns der Crowdinvest Marktreport 2017 (Umfang: 23 Seiten mit vielen aussagekräftigen Grafiken), der in dieser Woche von Crowdfunding.de veröffentlicht wurde.

Auf den ersten Blick sieht alles sehr gut aus. Denn im Jahr 2017 wurde in Deutschland ein Crowdinvestment-Volumen von 200 Mio. Euro realisiert. Dies entspricht einem Wachstum von +171% gegenüber dem Vorjahr. Und zudem haben alle Investmentsegmente deutlich zugelegt. Immobilien-Crowdinvestments haben sich im dritten Jahr in Folge mehr als verdreifacht. Crowdfinanzierungen für Unternehmen legen um +114% zu und Energieprojekte verzeichnen ein Plus von +63%. Das klingt erst einmal gut.

Mehr als 65 % des Volumens entfallen mittlerweile auf Immobilien-Crowdinvestingprojekte. Damit „verkommt aus unserer Sicht“ der Crowdinvestingmarkt immer mehr zum grauen Kapitalmarkt. Insgesamt wurden 120 Immobilien-Crowdinvest-Projekte realisiert, davon fast alle über Nachrangdarlehen. Auch dadurch sind die Crowdinvestoren nicht „echte“ Miteigentümer der Immobilien, bei einem Scheitern des Projektes aber voll im Risiko. Für uns ein NoGo! Klarer Marktführer in diesem Segment ist Exporo. Einer der Pioniere, Bergfürst, ist mit 7 % Marktanteil schon stark abgeschlagen.

Der deutsche Crowdinvestment-Markt für Energieprojekte konnte im Jahr 2017 zwar um 63% zulegen, aber das nach einem Rückgang im letzten Jahr. Zudem liegt der Marktanteil am Gesamtmarkt nur bei 3 %, also fast zu vernachlässigen. Auch dieser Markt wird durch die Vergabe von Nachrangdarlehen bestimmt. Beachtenswert ist, dass mit GLS Crowd erstmals eine von einer Bank initiierten Crowdinvestment-Plattform gestartet ist und gleich den Platz 3 erklimmen konnte. Der First Mover bettervest ist mittlerweile auf Platz 4 abgesackt. bettervest hat sich mittlerweile auf Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern spezialisiert.

Schauen wir uns nun den Markt für Unternehmensfinanzierungen an. Hier fällt auf, dass das Crowdlending auf dem Vormarsch ist. Mittlerweile liegt das Finanzierungsvolumen bei knapp 30 Mio Euro, nach 10 Mio. Euro im Jahr 2016 und 22 Mio Euro im Jahr 2015. Den Markt dominiert Funding Circle. Allerdings konnten keine Daten von Crowdlending ermittelt werden und Auxmoney wurde als Crowdlendingplattform für Privatkredite nicht berücksichtigt.

Schauen wir uns nun den „eigentlichen“ Crowdinvestingmarkt für Unternehmen an, das Mezzanine/EK-Segment. Hier ist erfreulich, dass nach einem starken Rückgang im Jahr 2016 im Jahr 2017 ein Rekordjahr zu vermelden ist (Finanzierungsvolumen liegt bei 34 Mio Euro). Klarer Marktführer (mit 31 % Marktanteil) ist Companisto. Zurückgefallen auf Platz 3 (mit 11 % Marktanteil) ist der deutsche Crowdinvestingpionier Seedmatch. Der Lack ist ab.

Warum konnte das klassische Crowdinvesting für Unternehmen wieder eine klares Wachstum verzeichnen? Weil die Crowdfinanzierung für „Wachstumsunternehmen“ im Jahr 2017 deutlich zugelegt hat. Dagegen liegen Crowdfinanzierungen für deutsche Startups seit fünf Jahren auf einem konstanten Niveau von rund 15 Mio. € pro Jahr. Das finden wir enttäuschend, denn gerade hier kann aus unserer Sicht das Crowdinvesting seine Vorzüge voll ausspielen und bietet der Szene einen echten Mehrwert.

Weiterhin fällt auf, dass Companisto, Seedmatch und Kapilendo mittlerweile Unternehmensfinanzierungen anbieten, bei denen Investoren einen festen Zins erhalten (teilweise zzgl. variablen Zinsbonus). Das kann bei Finanzierungen von Wachstumsunternehmen Sinn machen, entspricht aus unserer Sicht nicht dem eigentlichen Wesen des Crowdinvestings. Erfreulich ist, dass ausländischen Plattformen deutsche Startups finanzieren. Die UK-Plattform SEEDRS hat 2017 erstmals vier deutsche Startups finanziert. Auch über die österreichischen Plattformen Green Rocket und Finnest wurden deutsche Unternehmen finanziert.

Sehr interessant ist das Erfolsmonitoring am Ende des Crowdinvest Marktberichtes 2017. Demnach liegt die Ausfallquote bei Startup-Crowdinvestings bei ca. 10 %. Es ist nicht auszuschließen, dass diese Quote noch ansteigt, auch weil 17 % des Investmentsummen als unklar gekennzeichnet sind. Wer das weiter verfolgen will, dem empfehle ich die Rubrik „Erfolgsmonitoring Startups“ bei Crowdinvest.de.

Was uns weiterhin fehlt, sind die wirklichen Innovationen im Markt. Zudem ist es sehr enttäuschend, das sich das Crowdfinanzierungsvolumen für deutsche Startups seit fünf Jahren auf einem konstanten Niveau von rund 15 Mio. € pro Jahr bewegt. Hier ist keine Weiterentwicklung zu erkennen, die für die deutsche Startup-Szene sehr zu wünschen wäre. Fazit: Der Lack ist ab!

2 Responses to Crowdinvest Marktreport 2017: Markt wächst auf 200 Mio. Euro

  1. Thomas sagt:

    Sehr interessanter Beitrag.
    Du schreibst „Was uns weiterhin fehlt, sind die wirklichen Innovationen im Markt.“.
    Wie sieht das in anderen Ländern, z.B. den USA aus? Ist da ebenfalls der Lack ab? Ich bin regelmäßig geschäftlich vor allem in Florida unterwegs und habe im Gespräch mit den Menschen dort das Gefühl, dass junge Unternehmer, die etwas „reisen“ wollen, in ihrem Vorhaben bestärkt/unterstützt werden. In DE werden Gründer häufig als Träumer abgestempelt.

  2. Hallo Thomas,

    mein Kommentar „Der Lack ist ab“ bezieht sich auf das Crowdinvesting von Startups. Hier waren wir 2012 in Deutschland Vorreiter. Aber leider entwickelt sich hier seit fünf Jahren nichts weiter, auch keine Innovationen. Die Berichterstattung lahmt und der zuständige Verband scheint mir diesbezüglich auch nicht die passenden Impulse zu setzen.

    Besser sieht es aus meiner Sicht in der Gründerszene in Deutschland insgesamt aus. Im Best-Practice-Special „Startup Booster“ unter http://www.best-practice-business.de/startup-booster/ gehen wir näher darauf ein, warum das so ist. Darüber sind wir sehr froh, weil wir seit 12 Jahren mit der AUFSCHWUNG-Messe in Frankfurt einen wichtigen Beitrag dazu leisten (außerhalb Berlins).

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