In Crowdsourcing

Warum wird beim Rettungspaket für Opel so wenig über die Kunden gesprochen?

Noch hängt Opel am Tropf von GM und ist noch nicht einmal ein eigenständiges Unternehmen. Das soll sich bald ändern, wenn man die Rettungspläne in der Presse aufmerksam verfolgt. Doch was braucht es noch, damit die Mitarbeiter von Opel bald wieder lächeln können? Es braucht wie immer in Krisen eine konzertierte Aktion. Konkret bedeutet das, dass alle Betroffenen an einen Tisch müssen und gemeinsam “in die Tasche greifen”, um genug Kapital für einen Neustart einzusammeln:

  • GM soll auch in Zukunft noch an Opel beteiligt sein, allerdings nur noch als Minderheitsgesellschafter und soll dafür dem neuen Unternehmen alle wichtigen Patente und Markenrechte überschreiben.
  • Die Opel-Händler wollen Innerhalb von drei Jahren aus den Erlösen aus dem Verkauf von Neuwagen insgesamt 400 Millionen Euro zusammen bringen und sich damit an dem Autohersteller beteiligen.
  • Die Mitarbeiter sollen ebenfalls an der neuen “Opel-Gesellschaft” beteiligt werden. Das wird wahrscheinlich nur funktionieren, indem ein Teil des Lohnes in Form von Aktienanteilen ausgezahlt wird.
  • Der Staat soll auch dabei sein, mindestens als Bürgschaftsgeber, möglichst sogar auch als Investor.
  • Und letztlich werden auch private Investoren gesucht, die frisches Geld reinschießen. Derzeit scheint kein privater Geldgeber in Sicht zu sein, aber genau dieser private Investor spielt wohl derzeit das Zünglein an der Waage.

Ein wichtiger Partner fehlt mir allerdings bei den meisten aktuellen Presseberichten und das ist der Kunde. Wie wir im Rahmen der Berichterstattung über die Aktion “rescue-saab.com” berichtet haben, ist das finanzielle Unterstützungspotential hier enorm groß: “Es gibt auf der Welt angenommen 1.500.000 laufende Fahrzeuge von Saab – jeder liebt sein Fahrzeug wie wir. Eine Tankfüllung kostet im Schnitt 60,00 €. Allein wenn jeder Saab-Fahrer die Kosten für zweimal tanken investiert kommen 180.000.000 € zusammen”.

Aber nicht nur Geld könnten die Kunden beisteuern. Sie könnten auch viele guten Ideen schenken, wenn z.B. eine Ideen-Crowdsourcing-Plattform gestartet werden würde. So entstünde die einmalige Möglichkeit, dass mit Opel der erste große “Crowdsourcing-Autohersteller” entstehen würde. Dann würden aus allen Stakeholdern Shareholder werden. Es wird Zeit, dass die Kunden endlich auch als Investoren und gleichwertige Partner eines Unternehmens entdeckt werden.

2 Responses to Warum wird beim Rettungspaket für Opel so wenig über die Kunden gesprochen?

  1. Markus sagt:

    Auch die Opel-Fans haben sich mobilisiert und sind mit ihrem Opel-Konvoi, an dem immerhin 1400 Fahrzeuge teilnahmen, auch ein wenig in den Medien präsent gewesen: http://www.welt.de/wirtschaft/article3464428/Fans-demonstrieren-fuer-die-Rettung-von-Opel.html

    Ein Crowdsourcing-Autobauer wäre schon eine klasse Sache, besonders wenn er sich an den vielen positiven Beispielen auch hier im Blog orientieren würde, aber man muss wirklich aufpassen, dass man das auch richtig macht. In einer Diskussion beim Barcamp Ruhr wurde Opel heute auch als Negativbeispiel genannt, ein Unternehmen, das es allen Kunden recht machen möchte, zu sehr auf seine Marktforschungsabteilung gehört hat und dadurch nur Durchschnittautos produziert, die dann doch keiner kaufen möchte.

  2. Ja, so blöd wäre das gar nicht. Ich würde mich glatt an dem Laden beteiligen. Nicht mit riesen Summen aber zwei Tankfüllungen wäre mir der Spaß schon wert.

    Ich würde sogar meine Dienste als Strategieberater anbieten, das könnten die momentan vermutlich noch besser brauchen …

    Dann müsste Opel aber mehr tun als nur weiterhin irgenwelche Autos zu bauen. Konsequente Weiterentwicklung neuer und sparsamerer Motorentechnik und Nutzung des Potentials des Elektroantriebes – speziell für Kleintransporter (davon hat Opel ja auch welche).

    Gerhardo

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