In Crowdsourcing

Lessons learned: Crowdsourcingwettbewerb “i-prize” von Cisco Systems

Im November 2007 habe ich hier im Blog vom Crowdsourcingwettbewerb “i-prize” berichtet, der von Cisco Systems ausgerichtet wurde. Gesucht wurde eine Geschäftsidee, innerhalb derer ein IP-Netzwerk als Lösungsplattform verwendet werden sollte und die in 5 – 7 Jahren eine Umsatzschwelle von 1 Mrd. USD erreichen können sollte. Dafür wäre Cisco bereit, bis zu 10 Mio. USD zu investieren. Mittlerweile ist der Wettbewerb erfolgreich durchgeführt worden und der Sieger steht längst fest: Ein mit Sensoren versehenes intelligentes Stromnetz.

In einem aktuellen Artikel im Harvard Business Manager zieht der Projektverantwortliche und Cisco-Vorstand Guido Joure Bilanz. Demnach reichten mehr als 2.500 Innovatoren aus mehr als 100 Ländern rund 1.200 unterschiedliche Ideen ein. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Noch beeindruckender war die Lernkurve während des Wettbewerbes. Folgende Erfahrungen hat Joure gesammelt und gibt sie an andere Crowdsourcing-Projektverantwortliche weiter:

  1. Man bekommt viele neue Ideen, muss dafür aber viel Zeit für Auswahl und Bewertung investieren. Deshalb ist ein Ideenwettbewerb keine billige Lösung, um an viele neue Ideen zu gelangen. Bei Cisco waren 6 Mitarbeiter mehr als drei Monate damit beschäftigt, die Ideen auszuwerten.
  2. Man benötigt eine professionelle, erprobte und serverbasierte Ideenmanagement-Plattform, um viele Ideen effektiv erfassen und bearbeiten zu können.
  3. Eine der größten Herausforderungen besteht darin, geeignete rechtliche Rahmenbedingungen in Bezug auf geistiges Eigentum Externer zu schaffen. Alle außer der Gewinneridee sollte an die Innovatoren zurückfallen, damit Sie über die weitere Verwendung selber entscheiden können.
  4. Es muss klar kommuniziert werden, dass man nicht billig Ideen anderer erschleichen will und bei Umsetzung der Ideen eine faire Entlohnung anbietet.
  5. Man muss wissen, dass die Mehrheit der Beteiligten keine eigenen Ideen einreichen, sondern nur bewerten und kommentieren.
  6. Man sollte einen mehrstufigen Auswahlprozess anwenden, z.B. Vorrunde, Halbfinale und Finale.
  7. Kommentare sind für die Auswahl der besten Ideen hilfreicher als Bewertungen der Teilnehmer, weil Bewertungen leichter manipulierbar und meist sehr subjektiv sind.
  8. Für die Auswahl der besten Ideen eignet sich auch eine interne Jury, die nach vorgegeben Kriterien bewertet (Echte Problemlösung, Nachfragepotential, Timing, Kernkompetenz, nachhaltige Profitabilität), aber nicht ausschliesslich.
  9. Die beste Trefferquote erhält man, wenn man die Ideen auswählt, die gut bewertet, viel diskutiert und von der internen Jury gut bewertet wurden.
  10. Ein Großteil der besten Ideen (70 %) wurde von Teams entwickelt, die sich erst auf der Plattform gefunden haben. Deshalb ist es ganz wichtig, dass sich Teams während des Ideenentwicklungsprozesses auf der Ideenplattform finden können.
  11. Im Ideenverfeinerungsprozess sollte den Teams ein Mentor aus dem Unternehmen, das den Wettbewerb initiiert hat, zur Seite gestellt werden, um zielführend weiterentwickeln zu können.
  12. Man erhält im Rahmen solch eines Ideenwettbewerbes nicht nur viele gute Ideen out of the box, sondern auch ganz wichtige Marktforschungsergebnisse, weil man sehen kann, welche User sich aus welchen Ländern mit welchen Problemen beschäftigen.

Nicht jede Empfehlung bzw. Erkenntnis kommt für meine Stammleser überraschend. Trotzdem lohnt es sich, obige Auflistung und den Artikel im Harvard Business Manager intensiv durchzuarbeiten. Denn sellten lässt ein Projektverantworlicher eines Großprojektes wie bei “i-Prize” die “Hosen so runter”. Die Jungs haben auch viel Lehrgeld bezahlt, dass man sich selber sparen kann.

Für mich ist das eine Bestätigung, dass die Initiatoren der Ideenplattform Atizo schon sehr viel richtig machen. Deshalb würde ich jedem empfehlen, ein kleiners Projekt erst einmal mit solchen Profis durchzuführen, bevor man selber nach dem “Jugend-forscht”-Prinzip vorgeht. Und wenn man diesbezüglich gute Erfahrungen gesammelt hat, wird man auf professionelle Unterstützung von externen Experten wohl nie wieder verzichten wollen.

Update 30.01.2010: Der Cisco i-prize Wettbewerb geht ab sofort in die zweite Runde. Hier könnt Ihr Euch anmelden.

3 Responses to Lessons learned: Crowdsourcingwettbewerb “i-prize” von Cisco Systems

  1. Ein sehr guter Beitrag, denn tatsächlich ist es eher ungewöhnlich, dass ein
    Projektverantwortlicher sich öffentlich so sehr in die Karten schauen lässt. Und
    ja, die meisten Empfehlungen sind weder überraschend, noch revolutionär. Aber
    oftmals scheitert man eben gerade an den vermeintlich einfachen Dingen.

    Cisco macht das übrigens auch in anderer Hinsicht unglaublich clever. In unserem
    Space Center haben wir vor einiger Zeit die Cisco Emerging Technologies
    Group vorgestellt: Eine andere Brutstätte für Innovationen im Hause Cisco.

    Bevor man so etwas aber im eigenen Unternehmen angeht, sollte man sich zumindest
    für die ersten Projekte professioneller Unterstützung bedienen. Da gebe ich
    Ihnen vollkommen Recht. Firmen wie Atizo oder
    Hyve etc. sind echte Profis auf
    dem Gebiet.

  2. Danke für diesen ausgezeichneten Artikel.

    Die professionelle Service in der Abwicklung solcher Projekte. Rund 300 moderierte Ideenworkshops und 10 Jahre Erfahrung haben uns zu den Profis im Bereich Ideenentwicklung und Innovationscoaching gemacht. Seit 2008 betreiben wir eines der führenden und erfolgreichsten Open Innovation Portale betreffend die Entwicklung von Dienstleistungen und Produkten. http://www.brainfloor.com ist die Adresse, die Sie kontaktieren sollten, wenn um Open Innovation und Ideenentwicklung im Internet geht.

    Beste Grüße
    Reinhard Karner

  3. […] Crowdsourcingagentur, erstellt hat. Im Januar 2010 habe ich über 12 wichtige Erkenntnisse berichtet, die Cisco-Vorstand Guido Joure nach dem Crowdsourcingwettbewerb i-prize gesammelt hat. Und jetzt […]

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