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Es gibt nur einen Paul Potts, aber mehr Helden des Alltags, als wir glauben

Spätestens seit dem Posting von Robert Basic kann auch jeder deutschsprachige Blogleser mit dem Namen Paul Potts etwas anfangen. Faszinierend ist weniger die Tatsache, dass er am 17.7.2007 Sieger der Talentshow „Britain’s Got Talent“ geworden ist, sondern wie er es geworden ist. Schaut Euch einfach nur das Video seiner Bewerbung an und ihr wisst, was ich meine. Robbie bringt es mal wieder prägnant auf den Punkt:

„Der erste Eindruck, wenn man Paul Potts im Video sieht? “Oh my, was ein Loser, komisches Aussehen, schiefe Zähne, null Ausstrahlung, kleiner Hänfling, null Selbstbewußtsein. Mobilfunkverkäufer, auch noch. Der singt bestimmt schrecklich dazu… auch noch ein klassisches Stück, Nessun Dorma, das kann nur ein Pavarotti singen…“. Und es ist wunderbar, dass Gott einem die eigene Arroganz direkt zurück in die Fresse haut:)) Schaut Euch mal die Reaktion der Jury vorher und nachher an;)“

Ja, der Potti, wie ihn alle seit diesem Auftritt nennen, hat es allen gezeigt. Kritische Journalisten haben gleich das Wunder aus Süd Wales (die Heimat von Paul Potts) zu entzaubern versucht und knallhart recherchiert, dass Paule ja tatsächlich eine Ausbildung als Opernsänger durchlaufen hatte und auch schon mehrere Auftritte hatte. Leider ist den Journalisten entgangen, worum es in dieser Story wirklich geht:

Da gibt es einen Jungen, der träumt Opernstar zu werden. Er lässt sich, nachdem er sein erstes Geld als Sieger eines Talentwettbewerbes erhält, als Opernsänger u.a. bei Pavarotti ausbilden. Dann nimmt er mehrere unentgeltliche Engagements an, um auf der Opernbühne seinen Traum zu verwirklichen. Dann allerdings wirft ihn eine schwere Krankheit und anschliessend auch noch ein schwerer Unfall um Jahre zurück. Er verdient sein Geld als Handyverkäufer (ja, ja, es gibt von denen mehr als man denkt). Dann nimmt er seinen Mut zusammen und bewirbt sich bei der Show „Britain’s Got Talent“ und gewinnt das Ding.

Wer hätte denn in den Wettbüros auf so jemanden, der dann auch noch ein Stück aus einer Oper singt, auch nur einen Penny gesetzt. Und dann macht Paule nicht nur den Durchmarsch in dieser Sendung, sondern macht die Oper in England wieder salonfähig und landet mit seiner CD von 0 auf 1 in den Musikcharts. Liebe Journalisten, wir wollen auch mal träumen dürfen. Natürlich ist uns klar, dass solch eine Stimme nicht ohne Ausbildung möglich ist. Und wenn auch Paule schon als semiprofessioneller Opernsänger aufgetreten ist. Die wirkliche Message ist doch: Paule hat trotz aller Rückschläge an seine Chance geglaubt und es allen gezeigt. Wer sonst außer Paule und seine Story hätte solch einen Opern-Boom auslösen können? Kritischer Journalismus ist wichtig, begeisternder Journalismus kann manchmal aber auch nicht schaden 🙂

Ich persönlich wünsche mir mehr solcher Story´s, die echt und authentisch sind und einen einfach motivieren. So berichtet z.B. vorgestern Spiegel-Online über Marko Topic. Der 18jährige Passauer Gymnasiast wurde wegen seines Übergewichtes von seinen Mitschülern gehänselt und als „Pummelchen“ und „Mondgesicht“ bezeichnet. Nach einem Fernsehbericht über den „Iron Man“ stand sein Entschluss fest, nach nur 9 Monaten Vorbereitung und 25 Stunden Sport pro Woche am 11 Züricher Ironman teilzunehmen. Obwohl ihn alle, auch seine Eltern aus schulischen und gesundheitlichen Gründen davon abgeraten haben, hat er es gepackt. Nach 14 Stunden und 56 Minuten hat er als jüngster von 1820 Teilnehmern das Ziel erreicht. Seine Mitschüler nennen ihn jetzt nicht mehr Mondgesicht, sondern „Ironman“.

Vor kurzem habe ich in einer Sendung den Bericht über einen mittelmäßigen und demotivierten Realschüler aus Ostdeutschland gesehen, dessen Chancen auf eine Ausbildungsstelle mehr als gering waren. Er hatte nur sein „Hip-Hop“ im Kopf und auf Schule und spießiges Arbeitsleben so gar kein Bock. Da mussten schon die Eltern nachhalfen und seine Mutter hat ihn sogar für ein Vorstellungsgespräch angemeldet, nach dem der Sohn nicht selber aktiv wurde. Natürlich war dieses erste Vorstellungsgespräch ein Fiasko. Aber das konnte und wollte der Schüler nicht auf sich sitzen lassen. Er drehte einfach ein Bewerbungsvideo im „Hip-Hop-Stil“ und bewarb sich bei einer Firma als Mediengestalter. So was hatte diese Medienagentur noch nie erlebt, ihn deshalb zum Vorstellungsgespräch eingeladen und obwohl er zu spät kam, bekam er nach einem Probetag die Ausbildungsstelle.

Und die Moral von der Geschicht: Überlegt in jeder Lebenssituation, was ihr am liebsten macht und am besten könnt und bringt überall Euren „Style“ mit rein. Und wenn Ihr damit nicht ankommt, dann hat man Euch damit einen Gefallen getan, weil ihr dort dann sowieso nicht glücklich geworden wäret. Zu diesem Thema empfehle ich Euch auf jeden Fall den Gastartikel „Muss man sich verbiegen, um Aufträge zu bekommen?“, den Monika Birkner vor einigen Tagen hier im Blog veröffentlicht hat. Und hier könnt Ihr Geschichten über Menschen nachlesen, die einen ungewöhnlichen Weg beschritten haben, um ihr Ziel zu erreichen.

Der neukundenmagnet-Blogger Thomas Kilian bläst übrigens in ein ähnliches Horn, nachdem er auf die Story von Paul Potts aufmerksam geworden ist: „Ich glaube, beim Thema Neukunden-Gewinnung ist es ähnlich. Bei vielen Unternehmen wissen wir als Verbraucher gar nicht, was sich dahinter verbirgt – was “in ihnen steckt‹. Wieso lassen wir nicht einfach mal alles raus, sondern verstecken uns ständig vor anderen?… Überlegen Sie, was Ihre Stärken sind und wie Sie diese optimal mit Ihrem Business verbinden können. Lassen Sie es raus und gewinnen Sie damit nicht nur neue Kunden!“ Genau, manchmal kann es nämlich genauso befreiend sein, manche Kunden zu verlieren!

3 Responses to Es gibt nur einen Paul Potts, aber mehr Helden des Alltags, als wir glauben

  1. […] Könnt Ihr Euch noch an Paul Potts erinnern? Ja, er ist der Sieger 2007 der Show “Britain’s Got Talent” geworden. Und wie er es geworden ist. Robert Basic hat seinen ersten Aufritt in der Show wie folgt beschrieben: “Der erste Eindruck, wenn man Paul Potts im Video sieht? “Oh my, was ein Loser, komisches Aussehen, schiefe Zähne, null Ausstrahlung, kleiner Hänfling, null Selbstbewußtsein. Mobilfunkverkäufer, auch noch. Der singt bestimmt schrecklich dazu… auch noch ein klassisches Stück, Nessun Dorma, das kann nur ein Pavarotti singen…“. Und es ist wunderbar, dass Gott einem die eigene Arroganz direkt zurück in die Fresse haut:)) Schaut Euch mal die Reaktion der Jury vorher und nachher an;)” […]

  2. […] haben wir die Engländer um ihren Paul Potts beneidet. Vom Märchen rund um den Handyverkäufer Paull Potts haben spätestens alle Deutsche erfahren, seitdem die Telekom den Auftritt von Paule in der […]

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