In V - AUFSCHWUNG-Messe, V - Erfolgsfaktoren

Klaus Kobjoll: Unternehmer sein heißt frei sein

Ab heute fasse ich jeden Dienstag hier im Blog die Quintessenz ausgewählter Vorträge zusammen, die auf der AUFSCHWUNG 2011 gehalten wurden. Beginnen will ich mit dem Vortrag “Unternehmer sein heißt frei sein” von Klaus Kobjoll. Der Hotelier, Unternehmer und Top-Trainer hat sich mit 22 Jahren selbständig gemacht, zwischenzeitlich zehn Firmengründungen gemeistert. Sein Credo: Erfolg kommt, wenn man sich selber folgt. Mit seinem Schindlerhof hat er viele Auszeichnungen eingeheimst, einschließlich des European Quality Award. Diese Erfolge zeigen, was mit Planung, einer klaren Vision und im Team machbar ist.

  1. Eigentum macht frei – wenn man nicht selbstschuldnerisch dafür bürgt
    Klaus Kobjoll macht vieles anders als seine Branchenkollegen. Das beginnt damit, dass er im Rahmen seiner ersten Jahre als selbständiger Gastronom erkannt hat, dass man nur nachhaltig erfolgreich sein kann, wenn einem der Grund und Boden gehört, auf dem man den Betrieb führt. Nur dann ist man frei in seinen Entscheidungen und wird auch für den Erfolg nachhaltig belohnt. Dazu braucht es auch Partnerbanken, die an den Unternehmer und sein Konzept glauben und nicht bei jedem neuen Kredit verlangen, wieder selbstschuldnerisch zu bürgen. Ansonsten tauscht man die eine Unfreiheit nur durch die nächste. Das gelingt nicht sofort, sollte aber so früh wie möglich erfolgen.

  2. Transparenz baut Vertrauen und damit Nachhaltigkeit auf
    Klaus Kobjoll “bedankt” sich für dieses partnerschaftliche Verhalten auf seine Art. Auf jeder Rechnung steht neben den Bankdaten folgender Hinweis: “Wir arbeiten nur noch mit Deutschlands mittelstandsfreundlichsten Banken zusammen.” Bei jeder Kreditverhandlung hilft dieser Hinweis, die Kreditkonditionen um ein bis zwei Prozentpunkte hinter dem Komma zu senken. Das nennt man eine Win-Win-Situation. Noch wichtiger ist, dass Klaus Kobjoll am 1. Januar jeden Jahres seinen Jahresbericht mit Rückblick inklusive Zielplanung für die Zukunft an die Banken zuschickt. Diese Transparenz ist die Basis für eine nachhaltige Partnerschaft mit Banken.

  3. Unternehmer (müssen) die Treppe gehen, statt den Lift zu benutzen
    Wenn man kein Unternehmen oder großes Vermögen erbt, muss man nicht nur klein anfangen, sondern auch Schritt für Schritt vorangehen. Dafür muss man leider das “Treppenhaus” benutzen, anstatt den Lift benutzen zu können. Das hat aber auch den Vorteil, dass man nicht so tief fallen kann, wenn man Fehler macht. Man sollte auch immer beachten, dass man nach Erreichen eines Stockwerkes jeweils eine kurze Pause macht. Jeder muss öfters durchschnaufen, ansonsten kommt er schnell aus der Puste.

  4. Unternehmer (Leader) sind meist keine guten Manager
    Manager sind kurzfristig orientiert, Unternehmer denken langfristig und haben viele Visionen. Manager sind vernünftig, Unternehmer haben den Mut, Fehler zu machen nach dem Motto: Try and Error. Im Schindlerhof wird z.B. der Fehler des Monats gekürt, damit sind aber nicht Leichtsinnfehler gemeint. Manager sind eindimensional, Unternehmer können durch mehrere Brillen gleichzeitig schauen, um das Problem von mehreren Seiten zu betrachten. Manager sind konsequent, Leader sind ab und zu unberechenbar, hat dafür immer ein Ass im Ärmel. Manager müssen sich alles erarbeiten, Leader kreieren. Kobjoll hat nie das Gefühl gehabt, zu arbeiten, sondern nur zu spielen.

  5. Jeder Unternehmer hat die Kunden, die er verdient bzw. anzieht
    Das Bauchgefühlt hilft Klaus Kobjoll immer, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört auch, welche Kunden er will und welche nicht. Zum Beispiel fühlt er sich nicht wohl, wenn ein Bus auf seinem Hotelparkplatz steht. Er mag keine Reisegruppen, deren Mitglieder sich morgens ihr Frühstücksbrot für den Tag schmieren, sondern Individualreisende. Firmenkunden schätzt er dann, wenn die Leistung auch anerkannt wird. So hat Kobjoll z.B. alle Reservierungen einer Firma storniert, als die Buchhalterin des Firmenkunden nicht bereit war, die Rechnung innerhalb von 8 Tagen ohne Skonto zu bezahlen.

  6. Der Zweck eines Unternehmens ist es nicht, Gewinne zu machen
    Der Zweck eines Unternehmens ist es nicht, Gewinne zu machen, das ist die Folge. Der eigentliche Zweck ist es, Nutzen zu bieten. Überlegen Sie deshalb, in welchen Bereichen Sie die Welt ein Stück verbessern wollen. Prüfen Sie, ob das mit Ihren Kernleidenschaften übereinstimmt. Und prüfen Sie auch, ob ihre Mitarbeiter die Kernleidenschaft mit ihnen teilen. Nur dann werden Sie im Team Berge versetzen und in eine Richtung gehen.

  7. Strategische Planung ist entscheidend
    Als Unternehmer ist man Marathonläufer, kein Sprinter. Deshalb sind langfristige Ziele ganz wichtig. Klaus Kobjoll misst der Zahl 7 genauso viel Bedeutung bei wie berühmte Philosophen. Deshalb plant er für sieben Jahre in die Zukunft aufgehängt an seinem Geburtstag und bricht die Ziele in Jahresziele runter. Das ist die Basis der strategischen Planung. Das machen nur 3 % der KMU´s, die allerdings 46 % mehr Gewinn machen als die Anderen. Es gibt keine Zufälle, nur Möglichkeiten. Der Zufall bevorzugt den vorbereitenden Geist, der seine Ziele im Kopf hat. Visualisierung hilft dabei enorm.

  8. Bei Marketing gibt es kein richtig und kein falsch
    Der Markt entscheidet, was richtig oder falsch ist. Kobjoll hat seit 40 Jahren keine Werbung gemacht und trotzdem 110.000 Gäste im Jahr. Nach 30 Jahren sind Empfehlungen natürlich das größte Gut. In seinem ersten Restaurant in den Gründerjahren hat Kobjoll bewusst auf ein Telefon verzichtet. Auf allen seinen Tischen standen Reserviert-Schilder. So konnte er bei den Gästen, die reinschneiten, entscheiden, wer reinpasste und wer nicht. Außerdem ist Verknappung aus Sicht von Kobjoll das beste Marketing. Aber den richtigen Marketingweg muss jeder für sich finden.

  9. Gute Unternehmer sind gute Fanbetreuer
    Nehmen Sie Ihre 10 bzw. 20 größte Fans und interviewen Sie diese. Das müssen nicht die größten Kunden sein, sondern die, die von ihrem Unternehmen am meisten begeistert sind. Stellen Sie diesen Fans die Frage, ob diese sie weiterempfehlen würden, wenn ein Bekannter eine Leistung sucht, die Sie anbieten (= Fanchceck). Dann stellen Sie Ihnen die Frage, was sie antworten würden, wenn ihr Bekannter fragen würden, was bei Ihnen anders ist. Damit bekommen Sie die Hauptberührungspunkte heraus, die ihre Kunden haben. Bei Kobjoll ist es die Herzlichkeit der Mitarbeiter. Softskills, die nichts kosten, sind meist viel entscheidender als Hardfacts.

  10. Erfolgreiche Unternehmer orientieren sich nie am Durchschnitt
    Durchschnitt ist das Ätzendste, was es gibt. Top-Unternehmer schauen immer, wo gibt BestPracticeBeispiele, egal ob in der Branche (Benchmarking) oder außerhalb. Top-Unternehmer beherrschen den Rundum-Blick. Sie geben sich nie mit Mittelmaß zufrieden, sondern umgeben sich immer mit den besten Unternehmern, Mentoren und Beratern. Nur dadurch ist man der Konkurrenz immer einen Schritt voraus.

  11. Nur mit den besten Mitarbeitern kann man Bestleistungen erzielen
    Um langfristig als Unternehmer am und nicht mehr im Unternehmen zu arbeiten, braucht es hochmotivierte Mitarbeiter mit klaren Zielen. Diese findet er, indem er Vorträge an Hotelfachschulen hält und die Schulklassen auch zu sich ins Hotel zu einer Betriebsbesichtigung einlädt. Dadurch erhält er nicht nur sehr viele Initialbewerbungen, sondern “schreckt” auch diejenigen ab, die sich nicht vorstellen können, im Schindlerhof zu arbeiten. Denn nicht jeder arbeitet gerne mehr als 50 Stunden in der Woche mit einem hohen Grad an Selbständigkeit und im “Mehrschichtbetrieb”. Das Leitbild des Hotels ist eine gute Orientierung für die Nachwuchskräfte, ob sie im Schindlerhof richtig sind oder nicht.

  12. Unternehmerisch denkende Mitarbeiter werden meist irgendwann Unternehmer
    Die guten Mitarbeiter sollten für ihre guten Leistungen immer wieder belohnt werden. Berühmt wurde Klaus Kobjoll vor vielen Jahren, als selbst in der Bildzeitung berichtet wurde, dass selbst Azubis im Schindlerhof einen Firmenwagen, damals einen Fiat Panda, erhielten. Diese Investition zahlte sich vielfach wieder aus. Bindung baut er auch auf, indem er für seine jungen Führungskräfte mit einem Teilbetrag bürgt, wenn sie sich ihr erstes Haus kaufen. Langfristig verliert er allerdings seine leistungsbereiten Führungskräfte fast komplett, weil diese sich irgendwann selbständig machen oder in den elterlichen Betrieb zurückkehren. Das ist aus seiner Sicht das Schicksal eines kleinen mittelständischen Betriebs, wenn man sich die besten Mitarbeiter ins Haus holt.

  13. Ohne Familie ist alles nichts
    Lust but not least ist es ganz wichtig, auf sich selber zu achten. Klaus Kobjoll gibt gerne zu, dass er ohne seine Frau nicht dieses erfolgreiche Leben als Unternehmer führen könnte. Er wünscht allen, solch eine Partnerin oder Partner zu finden, um sich nicht alleine durchs Leben kämpfen zu müssen. Denn als Unternehmer erleidet man meist mehr als ein Jahrzehnt Existenzängste und muss seinen eigenen Weg gehen, um erfolgreich zu werden. Dabei findet man nicht all zu viele Unterstützer. Dann sollte wenigstens die Familie zu einem halten und unterstützen. Die größten Heroes für ihn sind inhabergeführte Unternehmen in der 10. Generation und mehr. Deshalb freut er sich auch, dass seine Tochter mittlerweile ins operative Geschäft eingestiegen ist, um die Tradition fortzuführen, auch wenn sie vieles anders macht.

Aufgrund o.g. Erfolgsfaktoren liegt die Produktivität der Mitarbeiter im Schindlerhof (Umsatz / Mitarbeiter) doppelt so hoch wie der Branchendurchschnitt. Diese Kennzahl sagt mehr über den Erfolg von Klaus Kobjoll als 1.000 Worte. Selbst wenn ich noch mehr über die Erfolgsgeheimnisse von Klaus Kobjoll schreiben würde, würde ich einen wichtigen Aspekt außer acht lassen. Klaus Kobjoll lebt das, worüber er spricht. Er ist kein Trainer, der Leitsätze von anderen Experten vorleiert, sondern von seinen 30 Jahren als erfahrener Unternehmer lebt. Das spürt man jede Minute. Wer sich von dem Spirit anstecken lassen will, muss selber Vorträge und Workshops von Klaus Kobjoll besuchen. Das ist besser als jeder Jungbrunnen oder Motivations-CD´s. Als Einstiegsdroge empfehle ich den Youtube-Channel von Klaus Kobjoll.

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3 Responses to Klaus Kobjoll: Unternehmer sein heißt frei sein

  1. Tanja Handl sagt:

    Tolle Idee! So können viele Leser von den Vorträgen profitieren. Der erste war schon sehr interessant – ich freue mich schon auf die nächsten! LG Tanja

  2. Hallo Tanja,

    die nächsten Tage werde ich auf Halde produzieren, damit ich mein Versprechen einhalten kann, jeden Dienstag ein kleines Feuerwerk abbrennen zu können.

    Wer bis dahin nicht warten kann, sollte unter http://www.aufschwung-messe.de/40.html vorbeischauen. Hier sind bereits die Folien von 10 Vorträgen auf der AUFSCHWUNG als PDF hinterlegt bzw. der Link dazu. Vielleicht werden es auch bald noch mehr.

  3. […] der Key Note Speach von Klaus Kobjoll auf der AUFSCHWUNG 2011 viele seiner Erfolgsgeheimnisse hier im Blog zusammengefasst. Leider haben noch viel zu wenige seinen Youtube-Kanal entdeckt. Gerne stelle ich […]

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