In V - Existenzgründung

Warum sich Robert im Rahmen des StartUp-Weekends nicht an edelbild (in Form von Anteilscheinen) beteiligt hat

Nach vielen Veranstaltungen lese ich fast immer ähnliche Kommentare: “Tolle Veranstaltung, danke an die Organisatoren und Sponsoren, habe viele tolle Leuten kennengelernt, es gab leckeres Essen und das noch umsonst,…” Quintessenz: Friede, Freude, Eierkuchen. Und wie sieht es jetzt nach dem ersten StartUp Weeekend aus, das am letzten Wochenende in Hamburg stattgefunden hat? Der Organisator Cem Basman hat hier eine Linkliste der ersten Berichte zusammengestellt. Demnach waren fast alle happy, dabei gewesen zu sein. Nur einer packt mal wieder aus. Es ist Robert Basic. Schon in seinem ersten Artikel nach dem ersten Tag hat er seine kritische Stimme erhoben. Noch deutlicher wird er in seinem 2. Artikel nach Abschluss des StartUp-Weekends.

Warum sieht jetzt Robert noch konkret viel Verbesserungsbedarf? Am meisten kritisiert er, dass zu schnell alle in kleine Gruppen aufgeteilt wurden und es keine Gesamtmeetings mehr gab, um immer mal wieder allen Teilnehmern den Gesamtüberblick zu ermöglichen. Robert bringt es wie folgt auf den Punkt: “Summa summarum: aufgrund einer mir rätselhaften Eigendynamik hat sich eine ziemlich hierarchische und sehr zielfokussierte (‹wir müssen was am Sonntag vorweisen‹) Vorgehensweise herauskristallisiert, die viele, aber nicht wenige, Teilnehmer nicht (mehr?) mitgenommen hatte. Man könnte nun meinen, dass ist nun mal eben kein Barcamp, sondern ein Startupweekend. Das Ergebnis zählt, nur das, das Startup muss gegründet werden und produktionsbereit sein. Das ist Bullshit, meine ganz persönliche Meinung.”

Robert war dann auch sehr konsequent. Er hat sich am Ende keine Anteilsscheine an dem neuen StartUp, Edelbild (globaler Online Marktplatz für Fotobearbeitungen), abgeholt. In dieser Hinsicht ist Robbie halt sehr konsequent 🙂 Doch er lässt uns nicht mit seiner Kritik allein. Er macht am Ende seines Artikels konkrete Verbesserungsvorschläge: Keine Businesskasper als Moderatoren/Koordinatoren einsetzen, Rotationsprinzip einführen, Central Desk für Querdenkideen einführen, Ideenauswahl erst am zweiten Tag. Und zum Schluß zieht Robert ein versönliches Fazit: “Startupweekend erneut? 1000% ja, rockt, wer da nicht einmal mitmacht, ist selber schuld!” Das hätte Robbie gar nicht erwähnen müssen. Auch wenn ich diesmal nicht teilnehmen konnte, so bin ich viel zu neugierig, um nicht beim nächsten Mal teilzunehmen. Und vielleicht lernen ja die Organisatoren aus der Kritik. Zudem hat keiner wirklich die Erwartung gehabt, es bei diesem StartUp Weekend jedem Recht zu machen. Das geht nicht wirklich.

Für mich persönlich sind noch einige Fragen offen:

  • Nach welchem Prinzip wurde die Geschäftsführung gewählt?
  • Erhielt jeder Beteiligte genauso viel Anteile oder wurde differenziert und wenn ja nach welchen Kriterien?
  • Wie werden die Beteiligten nach dem Wochenende weiter eingebunden?
  • Ist Unterstützung auch noch von Personen erbeten, die nicht am Wochenende teilgenommen haben?
  • Wie sieht jetzt eigentlich der konkrete Zeitplan aus?

Mal schau´n, ob meine Fragen noch von anderen berichtenden Bloggern beantwortet werden und wie es jetzt auch mit Edelbild weiter geht. Wenn ich es richtig verstanden habe, war für Robert der Weg das Ziel. Und diesebezüglich würde er gerne mal einen anderen Weg ausprobieren. Ach, ja. Wer noch weitere Anregungen für “andere Wege” sucht, den lade ich zu meinem Gedanken Coming-Out hier ein.

Update: Der werbeblogger Roland Kühl-v.Puttkamer hat soeben seinen Eindruck vom Wochenende veröffentlicht. Hier klingt die Kritik zum Teil noch viel unverhohlener: “Zu diesem Zeitpunkt wurde auch eine Gruppe von Price Waterhouse Coopers Mitarbeitern vorgestellt, die innerhalb ihrer Sponsorentätigkeit für das Weekend als “eingebettete‹ Berater während des Wochenendes zur Verfügung stehen wollten und sollten. Etwas irritiert nahm ich zur Kenntnis, dass man also von Veranstalterseite offensichtlich im Bereich Finance-und Business Development nicht so sehr an die Weisheit der Massen glauben wollte…… Interessanterweise saßen am Sonntag nachmittag zunehmend Teile der “Stabsstelle‹, des Veranstaltungsteams und der PWCler in konspirativen und geschlossenen Kleingruppen zusammen, um zu “beraten‹.”

Update: Jetzt hat sich auch der Organisator Cem Basman mit seinem persönlichen Rückblick zu Wort gemeldet. Er geht relativ ausführlich auf die Kritik einzelnen Blogger ein, die in den letzten Tagen auch kritische Töne angeschlagen haben (siehe oben). Stolz ist er insbesondere auf zwei Tatsachen: Die Teilnahme inkl. Essen war kostenfrei und das Start Up wurde wirklich gegründet und kann jetzt loslegen. Dass der Rückblick sehr persönlich und auch emotional ist, zeigt sich am Schluss: “Ich liefere diesen Rückblick erst jetzt, da ich mich von den Strapazen erholen und das Erlebte sich erst setzen musste, ich nicht wie einige wenige Besserwisser ohne Kenntnis aller Hintergründe spontan aus der Hüfte schiessen und urteilen wollte.”

5 Responses to Warum sich Robert im Rahmen des StartUp-Weekends nicht an edelbild (in Form von Anteilscheinen) beteiligt hat

  1. Burkhard,
    danke für die Zusammenfassung Deiner Gedanken zum Startup-Weekend. Ich selbst war nicht dabei, habe aber mit Interesse die Blogbeiträge dazu verfolgt.
    Nach Roberts und Deinem Fazit von diesem Wochenende kam mir das Semco-Management in den Kopf. Du selber hast vor ein paar Wochen über Ricardo Semler berichtet. Ich hatte mir daraufhin noch einmal sein Buch aus dem Regal geholt – hatte es bereits 1993 gelesen.
    Was mich (einmal wieder) fasziniert hat, ist sein demokratischer Ansatz, wirklich alle ! Mitarbeiter einzubeziehen, die Interesse an einer Sache haben. Dafür läßt er dann auch wieder und wieder diskutieren. Und genau dieser Punkt scheint beim startup weekend zu kurz gekommen zu sein. Auch wenn es den einen oder anderen nerven kann – am Ende kommt oft viel mehr dabei heraus. Dass muß natürlich auch ein Moderator aushalten können 😉

  2. Hallo Jörg,

    da ich auch nicht dabei war, habe ich umso aufmerksamer die Kommentare zum StartUp Weekend gelesen. Mich fasziniert dieses Format. Schon im Vorfeld habe ich von vielen erfahren, dass ihnen es wichtiger war, am Wochenende viel zu lernen und weniger das Ergebnis. Diese Vertreter scheinen dann etwas enttäuscht zu sein, weil sie zu schnell in ein Format gepresst wurden und zu wenig von den anderen Arbeitsgruppen erfahren und gelernt haben. Aber genau aus solchen Erfahrungen kann man dank der offenen Feedbacks lernen und daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen.

    Gruss

    Burkhard

  3. Burkhard,
    zu Deinen Fragen, soweit ich sie beantworten kann:
    – Nach welchem Prinzip wurde die Geschäftsführung gewählt?
    Zunächst wurde darüber abgestimmt, ob das Unternehmen überhaupt gegründet wird bzw. in die von Cem und Jason gegründete Vorratsgesellschaft übergeht. Dann wurde gefragt, ob es überhaupt jemanden gibt, der sich in den “drivers seat” begeben will. Lutz hat sich gemeldet, der auch die Ursprungsidee vorgestellt hatte. Dann wurde noch jemand gesucht, der sich mit Finanzen gut auskennt. Vorgeschlagen wurde Anja, die schon in der Gruppe Finanzen war. Nach einem Zögern nahm sie den Vorschlag an. Es gab keine weiteren Kandidaten.

    – Erhielt jeder Beteiligte genauso viel Anteile oder wurde differenziert und wenn ja nach welchen Kriterien?
    Jeder, der wollte, erhielt die gleiche Anzahl Shares.

    – Wie werden die Beteiligten nach dem Wochenende weiter eingebunden?
    Im Idealfall kommunizieren die einzelnen Teamleiter mit Lutz und Anja, stimmen sich online ab, verteilen die Arbeit und arbeiten die to-do-list ab. Im Entwicklerteam besteht das Problem darin, dass jeder eigene Projekte / Jobs / Diplomarbeiten hat, die eigentlich eine Weiterarbeit unmöglich machen.

    – Ist Unterstützung auch noch von Personen erbeten, die nicht am Wochenende teilgenommen haben?
    Das hat Lutz auf dem Zettel, wird geprüft.

    – Wie sieht jetzt eigentlich der konkrete Zeitplan aus?
    Einen konkreten Zeitplan gibt es nicht, das ist ja auch nicht mehr Sache des StartupWeekends, sondern Sache des neuen Unternehmens. Offiziell heißt es: “Gemeinsam mit der Online-Community soll der Dienst in den nächsten Wochen bis zur Marktreife weiterentwickelt werden.” http://startupweekend.wordpress.com/presse/

  4. Hallo Peter,

    danke für die ausführliche Beantwortung meiner Frage. Ich habe befürchtet, dass die geschäftsführenden Gesellschafter nicht 51 % der Anteile halten und damit auch nicht enorm motiviert sind, das Unternehmen zum fliegen zu bringen. Ich bin auf die weitere Entwicklung von edelbild sehr gespannt.

    Gruss

    Burkhard

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