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Neue Geschäftsideen finden (11): Probieren geht über Studieren

Nicht immer ist die erste Geschäftsidee auch die Beste. Wenn man viele erfolgreiche Unternehmer befragt, geben Sie im Interview schnell zu, dass erst die dritte, vierte oder fünfte Geschäftsidee „zündete“. Doch wer nicht anfängt und ausprobiert, wird häufig nie die eine geniale Geschäftsidee finden, die ihn glücklich und (erfolg)reich macht. Probieren geht eben über Studieren. Davon konnte der Erfinder Thomas Alva Edison ein „Lied singen“. Über 1200 Versuche mit den unterschiedlichsten Materialien wie Platin oder Iridium soll er gebraucht haben, bis der Glühfaden aus verkohlten Bambusfasern gefunden war, mit dem Edisons Lampen mehrere Stunden leuchteten.

Mehrere Jahre forschte Edison, bis er am 1. November 1879 sein Basispatent Nr. 223.898 „Electrical Lamp“ anmelden konnte. Aber nicht nur Erfinder können von solchen entbehrungsreichen Erfahrungen berichten. Auch viele Unternehmer müssen Ihre Angebote und Geschäftsmodelle vielfach auf den Prüfstand stellen, bevor sie das „Ei des Kolumbus gefunden“. Nicht umsonst merkt Prof. Faltin an: „„Heute sind gute Ideenkonzepte der Engpass. Nicht bloße Einfälle und Anfangsideen, sondern gut durchdachte und systematisch bearbeitete, ausgefeilte Konzepte.“ Es braucht i.d.R. zahlreiche Markttests, um den richtigen Weg gefunden zu haben.

koawach – Kakao für Erwachsene
Der Kolumbianer Daniel Duarte und der Deutsche Heiko Butz haben sich 2012 in Köln durch ehrenamtliches Engagement im Bereich des nachhaltigen Wirtschaftens kennen gelernt und beschäftigten sich seitdem mit fairen Geschäftsmodellen, um Bauerngenossenschaften in Lateinamerika zu unterstützen. Schnell kam ihnen die Idee, ein neues Getränk zu “designen” und sich damit selbständig zu machen. Der Wachmacher “Guarana” war Bestandteil aller Getränkemischungen, mit denen die Jungunternehmer in spe damals in der WG-Küche 2013 herumexperimentiert haben. Durch den starken Eigengeschmack von Guarana fielen beim Test viele Mischungen durch. Letztlich konnten die Mischungen mit Guarana und Kakao am besten “punkten”.

mienfro Natur – von der Frozen Yogurt Eisdiele zum Produkthersteller
Nach einem längeren USA-Aufenthalt stand für Kaja Ringert und Stella Peters der Entschluss fest, im im Jahr 2012 im Hamburger Grindelviertel ein Frozen Yogurt-Ladenlokal zu eröffnen. Das Geschäft lief zu Beginn sehr gut. Doch es gab ein Problem: Das Geschäft lief nur im Sommer gut. Also überlegten sich die Gründerinnen, wie sie weitere Absatzquellen erschließen könnten, um über den Winter zu kommen. Die Lösung: Frozen Yogurt im Becher in Supermärkten unter der Marke “mienfro`Natur” verkaufen. Dank des großen Verkaufserfolges entschlossen sich die Gründerinnen dazu, ihr Geschäft im Grindelviertel Ende 2013 zu schließen. Ihnen erschien es nachhaltig erfolgreicher, ganzjährig Frozen Yogurt im Becher in Supermärkten zu verkaufen. Und dank der Umstellung ihres Geschäftsmodells gelang es ihnen auch, fünf Business Angels als Investoren zu gewinnen, schließlich handelte es sich jetzt um ein skalierbares Geschäftsmodell.

mienfronatur

Krautreporter: Von der Crowdfundingplattform zum Abo-Magazin
Sebastian Esser ließ sich vom Erfolg von Spot.us, der amerikanischen Crowdfundingplattform für journalistische Projekte, inspirieren und startete vor einigen Jahren das deutsche Copy Cat „Krautreporter“. Allerdings lief dieses Projekt hier in Deutschland nur sehr schleppend an. Deshalb haben die Krautreporter Ausschau nach anderen Vorbildern gehalten und sind in den Niederlanden fündig geworden: Im Frühjahr 2013 sorgten die Gründer der Onlinezeitschrift “De Correspondent” mit Ihrem Bezahlabo für eine Onlinezeitschfirt für viel Wirbel. Auch aufgrund des Erfolges änderte Krautreporter sein Geschäftsmodell und bot im Jahr 2014 ebenfalls ein Abobezahlmodell für die gleichnamige Onlinezeitschrift an. Das funktionierte. Die Moral von der Geschichte: Auch mit Copy Cats kann man mehrere Anläufe versuchen.

Wie zwei Kuhbauern Scheiße in Gold verwandelt haben
Seit 1997 betrieben die Brüder Matt und Ben Freund einen Methanfermenter, der den Rohdünger der Kühe aufnahm, erhitzte und dann das Methangas verbrannte. Am Ende dieses Vorgangs wurden die Feststoffe von der Flüssigkeit getrennt. Die Flüssigkeit kehrte zum Feld zurück, um für das Folgejahr die Feldfrüchte kultivieren zu können, die die Kühe ernähren. Die Feststoffe wurden kompostiert. Bis die innovativen Bauern auf die Idee kamen, diesen Kompost als Grundmaterial für die CowPots zu verwenden. Dabei handelt es sich um abbaubare Blumentöpfe, die sich rasch abbauen, sobald sie eingepflanzt sind. Der Stickstoff im kompostierten Kuhdünger fördert einen natürlichen und schnellen biologischen Abbau der CowPots. Innerhalb von 3 bis 4 Wochen ist die Zersetzung voll im Gang, wodurch der „Umpflanzungsschock“ nahezu verhindert wird und sich die Pflanzen umgehend etablieren.

cowpots

Wichtiger Lesetipp: Die ganze Serie „Neue Geschäftsideen finden“ können Sie hier lesen.

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