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Kiva: Währungsrisiken sollen verteilt werden können

In meinem letzten Bericht über Kiva habe ich den Film “A Fistful of Dollars. The Story of a Kiva.org Loan” (siehe weiter unten) gezeigt. Der Film gefällt mir so gut, dass ich in Zukunft bei jedem Kiva-Update nicht nur die aktuelle Statistik, sondern auch diesen Film einbinden werde. Zudem stellte Amei Poensgen im Kommentarfeld zum letzten Artikel die Frage, wer eigentlich das Währungsrisiko trägt, denn die Kreditgeber verleihen das Geld in USD, die Kreditnehmer erhalten den Kredit in Landeswährung ausgezahlt. Jetzt kann ich die Antwort darauf geben:

Bis jetzt übernahm das Mikrofinanzinstitut vor Ort als Intermediär das Währungsrisiko allein. Durch die relativ hohe Zinsmarge, die das MFI erhält, können die Währungsrisiken bis zu einem gewissen Punkt auch ausbalanciert werden. Zudem gibt es die Möglichkeit, Währungsabsicherungen z.B. durch Termingeschäfte vorzunehmen. Auch hier ist das MFI der ideale Partner, der solche Absicherungsgeschäfte vornehmen kann. Allerdings funktioniert dies längst nicht in allen Ländern, weil es z.T. keine funktionierienden Währungsterminmärkte gibt.

Kiva hat sich dem Problem vor kurzem angenommen, wie Ihr der obigen Präsentation entnehmen könnt. Die Lösung beschreibt Claus Lehmann im p2p-kredite-Blog wie folgt: “Zukünftig können MFIs für neue Kredite die Einstellung “Shared currency risk‹ vornehmen. Diese führt dazu, dass bei einer Abwertung von über x% der über x liegende Verlust von den Kiva Anlegern getragen werden muss, die dann eine geringere Rückzhalung erhalten.”

Ich persönlich finde die Lösung gut, dass das Risiko ab einem gewissen Punkt von dem Kreditgeber übernommen wird, weil das MFI nicht das unbegrenzte Risiko tragen kann. Für mich ist kiva keine Kapitalanlageplattform, sondern eine Unterstützungsplattform für Entrepreneure in Entwicklungsländern. Deshalb sollten die Lösungen nicht zu Lasten der Partner und Kreditnehmer vor Ort gehen, wenn sie nicht dort einfach und kostengünstig gelöst werden kann.

Der Kreditnehmer sollte auf jeden Fall vom Währungsrisiko geschützt werden. Aber was ist eigentlich, wenn der Kreditnehmer hauptsächlich Umsätze in USD realisiert. Dann könnte ein Kredit in USD evtl. besser sein. Das kann aber aus meiner Sicht nur das MFI vor Ort beurteilen und entscheiden, weshalb die Idee gut ist, dass das MFI vor Ort entscheidet, ob das Währungsrisiko zwischen MFI und Kreditgeber geteilt werden soll oder nicht.


A Fistful Of Dollars: The Story of a Kiva.org Loan from Kieran Ball on Vimeo.

Hier ist die aktuelle Statistik dieser wahnsinnigen Erfolgsstory:

  • Kreditvolumen: $64.752.510
  • Anzahl Kreditgeber: 465.533
  • Anzahl Kredite: 92.503
  • Anzahl weibliche Kreditnehmer: 77,87%
  • Anzahl von Partnern vor Ort: 95
  • Anzahl Länder: 44
  • Rückzahlungsquote: 97,92%
  • Ausfallrate: 2,08 %
  • Durchschnittlicher Kreditbetrag: $424,54
  • Kreditengagement (insgesamt) pro Kreditgeber: $139,11
  • Anzahl der Kredite pro Kreditgeber: 3,84

Mehr deutschsprachige News über kiva könnt Ihr bei www.kiva-germany.de finden. Mehr über kiva hier im Blog könnt Ihr in folgenden Artikeln nachlesen:

3 Responses to Kiva: Währungsrisiken sollen verteilt werden können

  1. Super, dass Du daran geblieben bist und Danke für das Update! Ich denke die Lösung, die Kiva da gefunden hat ist gut, wenn sie auch ein paar Haken und Ösen hat. Ich denke, die einzige Alternative wäre eine Art Sicherungsfonds bei Kiva selbst, dass würde aber die Kosten bei Kiva ordentlich aufblähen und erforderte eine unglaubliches Knowhow in Termingeschäften (die ja auch schiefgehen können, wie wir alle wissen). Also ist Kiva gut beraten, nicht auf diese Weise zu einer Superbank zu werden.
    Daher haben sie wohl die beste Lösung gewählt. Dass ein Teil des Währungsrisikos beim Kreditgeber liegt ist aus meiner Sicht noch aus einem anderen als den von Dir genannten Gründen gut. Aus Sicht des Mikrofinanzinstituts ist die Tatsache, dass alle Kredite in Dollars ausgezahlt werden ein Klumpenrisiko. Allein die Bewegung ihrer eigenen Währung gegen den Dollar kann für sie theoretisch über Sein oder Nichtsein entscheiden.
    Anders ist es für mich als Kreditgeber. Ich verteile ja in der Regel meine Kredite auf verschiedene Länder und Kontinente und kann damit das Risiko ganz anders streuen. Für mich bleibt höchstens das Risiko, dass der Dollar gegen meine eigene Währung abschmiert, aber es ist schon richtig, so viel Geld werde ich ohnehin nicht auf Kiva lassen und auch dagegen könnte ich mich ja mit Termingeschäften absichern.

    Aber noch eine Frage: Habe ich es nicht entdeckt oder gibt es tatsächlich kein update, was aus dem Vorhaben, was man finanziert hat geworden ist? Schade, denn das wüsste man ja gerne…

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