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Businesstrend-Watchlist: Virtuelle Währungen

Erstmals habe ich hier im Blog im Rahmen der Berichterstattung über virtuelle Welten wie Second Life von sog. „virtuellen Währungen“ wie z.B. dem Linden Dollar im Jahr 2006 berichtet. Seitdem stolpere ich immer wieder über Berichte solcher „Parallelwährungen“, die aus ganz unterschiedlichen Gründen emittiert werden. Dass es sich aber nicht nur um Betreiber von virtuellen Welten, Weltverbesserer und Anhänger des Tauschhandels handelt, die das Thema vorantreiben, sondern auch Weltkonzerne wie Google ernsthaft darüber nachdenken, zeigt das Potenzial, das hinter solchen Gedankenkonstrukten steckt. Man muss natürlich auch erwähnen, dass Google seine Pläne nicht weiter verfolgen will und Microsoft seine Microsoft Points Ende des Jahres aus dem Verkehr ziehen will.

Dabei können virtuelle Währungen sehr wohl in realen Welten entstehen. Ein gutes Beispiel dafür ist das sog. Regiogeld. Dabei handelt es sich um ein regionales Zahlungsmittel i.d.R. in Form von Gutscheinen, die die Kaufkraft an die Region binden will und die regionale Wirtschaft fördern soll. Durch sog. Negativzinsen soll der Geldumlauf des Regiogeldes gesteigert und damit der regionalen Wirtschaft positive Impulse verliehen werden. Eines der berühmtesten Erfolgsbeispiele für Regiogeld ist der Chiemgauer, der im Jahr 2003 in der Region Chiemgau eingeführt wurde. Entstanden ist die Idee dafür an der Waldorfschule Prien am Chiemsee im Rahmen eines Gründungsspiels. Die Idee selber ist noch viel älter. In der Weltwirtschaftskrise in den 30er Jahren wurde z.B. das Wörgler Freigeld emittiert, um die Regionalwirtschaft anzukurbeln.

Wikipedia fasst die Bewertung der rechtlichen Zulässigkeit solch eines Regiogeldes prägnant zusammen: „In Deutschland ist die rechtliche Zulässigkeit von Regiogeld nicht abschließend geklärt. Einerseits verfügen Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank laut EG-Vertrag über ein Geldmonopol, genau genommen über ein Monopol zur Ausgabe von Banknoten. Andererseits gestattet die rechtlich geschützte Vertragsfreiheit, dass Vertragspartner die Charakteristika ihrer Vereinbarung frei bestimmen können. Somit kann, beispielsweise durch Gründung eines entsprechenden Vereins, die Ausgabe des Regiogeldes auf eine privatrechtliche Basis gestellt werden. Zudem werden im Euro-Raum über den Euro hinaus so gut wie alle Währungen toleriert, so beispielsweise der US-Dollar, das britische Pfund, die schwedische Krone, die tschechische Krone usw.“

Die Entstehungsgründe für Regionalwährungen sind sehr unterschiedlich. So kann man seit der starken Wirtschaftskrise in Griechenland seit einigen Jahren sehr gut verfolgen, dass immer mehr „Ersatzwährungen“ emittiert werden, wie z.B. der Ovolos oder der TEM. Ähnliche Phänomene hat man auch nach dem Staatsbankrott Argentieniens beobachten können. Das zeigt sehr schön, dass virtuelle Währungen sehr wohl einen realen Bezug oder sogar einen realen Auslöser mit sich bringen können und z.T. auch nur für wenige Jahre existieren, nämlich bis die „normale Wirtschaft“ wieder reibungslos funktioniert und die Staatswährung wieder überall anerkannt wird.

Virtuelle Währungen können aber auch eingeführt werden, um die Idee des Tauschgeschäftes (sog. Barter-Geschäfte) auf breitere Basis zu stellen. Ein sehr berühmtes Beispiel dafür ist die Bartercard. Idee dieser Währung war es, mehr Barter-Geschäfte zu ermöglichen. Denn 1:1 Tauschgeschäfte sind häufig nicht realisierbar. BrandEins hat das vor vielen Jahren am Beispiel eines Restaurants, das Drucksachen für 10.000 AUD in Auftrag geben will, eindrucksvoll erläutert. Idee ist auch hier, das Geld in einem überschaubaren Kreislauf zirkulieren zu lassen und mehr Geschäfte auf Gegenseitigkeit zu initiieren. Zeitweise war Bartercard sogar an der Börse mit seinen eigenen Aktien gelistet, ist aber 2007 im Rahmen eines MBOs wieder gedelistet worden. Heute funktioniert Bartercard als Frachisekonzept und wird in Australien, Neu Seeland, England, Thailand, Vereinigten Arabischen Emiraten und Zypern „gehandelt“. Mehr Infos gibt es hier.

Gehen wir wieder zurück in die virtuelle Welt. Der Bitcoin ist eine der bekanntesten, plattformübergreifenden virtuellen Währungen in der Welt. Dabei ist der Bitcoin noch gar nicht alt. Er hat 2009 das Licht der Welt erblickt. Die einzelnen Bitcoins bestehen, wie der Namen schon verrät, aus computergenerierten Zahlenkolonnen. Bitcoins können via Börse oder von privat erworben werden. Der Besitz von Geldeinheiten kann durch den Besitz von kryptographischen Schlüsseln nachgewiesen werden. Jede Transaktion von Geldeinheiten zwischen Teilnehmern des Netzwerks wird in einer öffentlichen, vom gesamten Netzwerk unterstützten Datenbank aufgezeichnet und mit digitalen Signaturen versehen. Dies stellt sicher, dass Geldbeträge nur einmal ausgegeben werden. Die Geldmenge ist auf 21.000.000 Bitcoins beschränkt, wobei bisher weniger als die Hälfte bisher emittiert wurde. Mehr Infos findet Ihr bei Wikipedia, wo sonst 🙂

Viele virtuelle Währungen entstammen Social Networks oder Communities. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der VEN, die virtuelle Währung der Online Community Hub Culture. FR-Online schreibt dazu:“ Über die Hub Culture Community können mit Ven Kleidungsstücke, Dienstleistungen oder – nach Angaben von Hub Culture – sogar Autos gekauft werden. Mitglieder von Hub Culture können sich Ven verdienen, indem sie Freunde ihr Wissen mit der Community teilen oder Freunde in die Community einladen. Zudem können Mitglieder Ven gegen jede Währung eintauschen.“ Damit habe ich den Bogen wieder zum Ursprung des Artikels, zum LindenLab Dollar gespannt. Eins ist jetzt schon klar: Bisher sind die Konzepte zu virtuellen Währungen noch nicht den Kinderschuhen entwachsen, aber das kann sich ändern, wenn ein Player wie Facebook ernst macht.

So sind wir nun am Ende des Artikels bei Facebook Credit angelangt. Diese virtuelle Währung wurde im Mai 2009 im Rahmen eines Alpha-Tests von Facebook eingeführt, im Rahmen eines Beta-Tests ab Februar 2010 umfänglich verbreitet und ist seit Januar 2011 die „offizielle“ Währung für den Kauf von virtuellen Gütern in virtuellen Spielen und darüber hinaus, die auf Facebook angeboten werden. Facebook kassiert als Bank satte 30 % der Erlöse, die via Facebook Credits erzielt werden. Warum glauben alle daran, dass Facebook Credit DIE virtuelle Währung schlechthin werden könnte? Zum einen ist die Facebook-Community riesig. Zum anderen müssen alle, die dieser Community z.B. in Spielen virtuelle Güter anbieten wollen, in Facebook Credits abrechnen. Und letztlich hat Facebook auch die Power und die Notwendigkeit, mit Facebook Credits bedeutende Erlöse zu erzielen. Alle erwarten zeitnah eine mobile Zahlfunktion, damit auch via Handy Facebook Credits schnell erworben werden können. In vielen Geschäften kann man schon Facebook-Credits erwerben. Die Krake hat ihre Fühler ausgestreckt! Jetzt wird es ernst!

5 Responses to Businesstrend-Watchlist: Virtuelle Währungen

  1. […] wenn ich den Bitcoin im Rahmen meiner Business-Trend-Watchlist-Serie schon vorgestellt habe, hier noch einmal die Kurzvorstellung dank Wikipedia: “Bitcoin ist eine neuartige Form von […]

  2. […] Rahmen meines Business Trend Specials “Virtuelle Währungen” habe ich auch über den Bitcoin berichtet (mehr Infos bei Wikipedia.de und bitcoin.org). Bekam der […]

  3. […] Burkhard Schneider berichtet über virtuelle Währungen Businesstrend-Watchlist: Virtuelle Währungen […]

  4. […] einigen Jahren beobachte ich hier im Blog den Trend zu virtuellen Währungen. Der Highflyer unter diesen Währungen ist zweifellos der Bitcoin, der im November letzten Jahres […]

  5. […] im engeren Sinn gar nicht um Währungen handelt. Die bekannteste Kryptowährung ist zweifelsohne Bitcoin. Allerdings produziert der Bitcoin in letzter Zeit immer mehr Negativschlagzeilen. Der Tiefpunkt […]

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