In Finanzen

Wird die Prokon-Krise auch das Geschäft grüner Crowdfundingplattformen tangieren?

Und wieder einmal kommt der “Graue Kapitalmarkt” ins Gerede. Dieses Mal bangen die PROKON-Anleger um ihr Geld. Schon am 2. Februar 2013 gab es u.a. bei WiWo einen kritischen Bericht unter der Überschrift “Finger weg! Wo Sie besser nicht investieren sollten!”. Auf der Seite 8 des Artikels gab es folgenden Untertitel: “Windkraft: Prokon schüttet viel aus, verdient aber weniger”. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätten alle Alarmglocken angehen müssen. Als “Brandbeschleuniger” fungiert nun die Tatsache, dass wohl viele Anleger die Genussrechte vom Typ A gezeichnet haben, die ein Kündigungsrecht nach bereits sechs Monaten einräumen, siehe hier mehr zu Situation.

Eins scheint jetzt schon sicher zu sein. Verkäufer von geschlossenen Fonds im Segment “grünes Investment” werden es in Zukunft schwieriger haben, Investoren zu finden. Das liegt nicht nur an der aktuellen Berichterstattung zum Thema “Prokon”, sondern auch an den Planung des aktuellen Energieministers Gabriel, die Förderungen für Windkraft und Co. zu drosseln. Die Frage ist, ob auch die Betreiber von Crowdfundingplattformen für grünen Investments in Zukunft noch stärker als bisher um Kunden kämpfen müssen. Der Wettbewerb ist auch in diesem Segment mittlerweile sehr groß. Da gibt es z.B. Bettervest, GreenVest, Econeers, Crowdenergy oder GreenCrowding.

Schauen wir uns erst einmal die Vorteile der grünen Crowdfundingplattformen an. So kann der Anleger bei jedem Projekt individuell entscheiden, ob und wieviel Geld er in die einzelnen Projekte investiert. Zudem liegen zu jedem Projekt häufig sehr detaillierte Informationen zur Verfügung, allein schon, um die Anleger jedes Mal von Neuem zu überzeugen, wieder Geld zu investieren. Eine hohe Transparenz ist somit häufig gegeben. Und letztlich sind die Overheadkosten im Vergleich zu vielen Fondsmodellen häufig sehr überschaubar. Das spricht alles dafür, dass das Geschäftsmodell grüner Crowdfundingplattformen nachhaltig ist.

Schauen wir uns nun aber die Nachteile bzw. negativen Aspekte näher an. Zum einen ist die Konkurrenz in diesem Crowdinvesting-Segment sehr groß, so dass fraglich ist, ob alle Plattformen nachhaltig rentabel arbeiten können. Weiterhin gibt es keinen großen Schutz vor Kapitalverlusten. Im Gegensatz zu Fondsmodellen ist eine ausreichende Streuung in verschiedene Projekte nur gewährleistet, wenn der Anleger selbst darauf achtet. Zudem sind die Investitionen häufig gefährdet, wenn die Firmen dahinter insolvent gehen sollten. Weiterhin gibt es selten regelmäßige Bonitätsanalysen Dritter und es gibt auch keinen funktionierenden Zweitmarkt, um die Anteile wieder verkaufen zu können.

Fazit: Die Herausforderungen der grünen Crowdfundingplattformen liegen in Zukunft nicht mehr nur darin, genug lukrative Investmentchancen zu finden, sondern auch Risiko- und Liquiditätsaspekte in den Vordergrund zu stellen. Der Dreiklang aus Rendite, Risiko und Liquidität muss stimmen, damit die Anlagemöglichkeiten für die Anleger lukrativ sind. Darauf müssen die Crowdfundingplattformen in Zukunft mehr achten. Und dann gibt es noch das Risiko, dass aufgrund o.g. Vorkommnisse die Regeln für den Grauen Kapitalmarkt in Zukunft deutlich verschärft werden könnten. Oder es könnte auch die Pflicht kommen, eine BaFin-Lizenz zu beantragen. Die Zukunft bleibt ungewiss.

2 Responses to Wird die Prokon-Krise auch das Geschäft grüner Crowdfundingplattformen tangieren?

  1. Am Mittwoch, den 22.01.2014, meldete Prokon beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz an. “Das Amtsgericht Itzehoe eröffnete das Verfahren und setzte den Hamburger Anwalt Dietmar Penzlin als vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Ziel sei “die Sicherung und der Erhalt des Unternehmensvermögens”, erklärte Penzlin. ” Mehr Infos unter http://www.tagesschau.de/wirtschaft/prokon136.html

    Wie oben in meinem Artikel befürchtet, könnte diese Insolvenz drastische Folgen für die Anbieter des Grauen Kapitalmarktes haben. SpOn titelt heute: “Nach Prokon-Insolvenz: Regierung erwägt Verbot riskanter Finanzprodukte”. Mehr Infos unter http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/insolvenz-von-prokon-regierung-erwaegt-verbot-riskanter-finanzprodukte-a-945057.html

  2. Tom sagt:

    In den “Crowds” werden in der Regel je “Investor” [ eben kein Anleger] eher kleinere Summen
    investiert. 500 Euro Verlust können im Zweifel verschmerzt werden und als Lerneffekt für die Unterscheidung zwischen Ideologie und Wirtschaft bringt das auch was. Laufende Infos seitens den Crowds fördern den Lerneffekt. Würden die Crowds mit ihren Bewertungen bei “Exit” nach x Jahren ehrlich sein – dann hätten sie ev. ein Problem – aktuell eher nicht. Noch sind in den Crowds nicht die renidtegesteuerten Anleger – es sind die ideologischen Investoren – denen die Rendite nicht drückt. Allen das Wort “Investoren” – macht schon einen Unterschied.

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