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Erfolgsbeispiel Crowdfunding: US-Sängerin Jill Sobule sammelt in 53 Tagen 75.000 USD ein

Im Februar 2006 habe ich erstmals hier im Blog über eine Musikerin berichtet, die Geld bei ihren Fans einsammeln wollte, um ihr erstes Musikalbum produzieren zu können. Konkret handelt es sich um die südafrikanische Künstlerin Verity. Jetzt nach mehr als zwei Jahren hat Verity genug Geld eingesammelt, um ihr erstes Album produzieren zu lassen. Das war eine „schwere Geburt“. Dies lag u.a. daran, dass Verity zum Startzeitpunktes ihres Crowdfundingprojektes eine unbekannte Sängerin war und sie zudem nur eine Möglichkeit anbot, sie finanziell zu untersützen: Die Fans konnten 23 USD anzahlen, um nach erfolgter Produktion die CD zugeschickt zu bekommen.

Da hat die US-Sängerin Jill Sobule, die Mitte der Neunziger mit „I kissed a girl“ einen großen Hit landete, einen ganz anderen Track-Record hingelegt, nachdem zwei ihrer Plattenfirmen hintereinander Pleite gingen. Sie hat schon in 53 Tagen ihr Ziel erreicht, 75.000 USD einzusammeln, um ihr eigenes Musikalbum zu produzieren und damit ein Come-Back zu feiern. Mittlerweile sind es sogar schon mehr als 83.000 USD. Ein Erfolgsgeheimnis dieses FanFunding-Erfolges liegt sicherlich darin, dass Jill schon einen Namen in der Branche hatte. Damit fiel die PR-Arbeit schon deutlich leichter, wie der faszinierende Pressespiegel beweist. Denn die Presse will schon etwas mehr, als nur eine ungewöhnliche Story.

Das wichtigste Erfolgsgeheimnis lag aus meiner Sicht darin, dass Jill ihren Unterstützern eine breite Bandbreite an Möglichkeiten anbot, sie finanziell zu unterstützen (in Klammern steht die Zahl der Personen, die das Angebot gebucht haben):

  • $5 – Friend Level (8): : Spende ohne Gegenleistung.
  • $10 – Unpolished Rock (but with potential) Level (65): Musikalbum kann kostenlos downgeloadet werden.
  • $25 – Polished Rock Level (144): Musik-CD wird mehrere Woche vor Erscheinen verschickt.
  • $50 – Pewter Level (175): Musik-CD mit Dankeswidmung wird mehrere Woche vor Erscheinen verschickt
  • $100 – Copper Level (90): Musik-CD mit Dankeswidmung und eine Supporter-T-Shirt werden mehrere Woche vor Erscheinen verschickt
  • $200 – Bronze Level (17): Kostenfreier Eintritt aller Shows im Jahr 2008
  • $250 – Silver Level (23): Alle Leistungen des Bronze-Levels plus Zugang zum virtuellen “ Secret Society Producer’s Club“ (Zugang zur Extranetseite, auf der nicht veröffentlich Musik-‚Tracks etc. eingestellt werden)
  • $500 – Gold Level (24): Musikalische Danksagung auf der neuen CD
    $1,000 – Platinum Level (9):: Ein kleiner Musiksong, der nur für den Käufer geschrieben wird und den er z.B. auf seinem Anrufbeantworter abspielen lassen kann.
  • $2,500 – Emerald Level (2): Man wird als Executive Producer auf dem Album genannt.
  • $5,000 — Diamond Level (3): Jill spielt auf dem Hauskonzert des Spenders, der die Möglichkeit hat, sich über Eintrittsgelder wieder zu refinanzieren.
  • $10,000 – Weapons-Grade Plutonium Level (1): Der Spender darf auf der CD mitsingen, notfalls am Ende oder im Vocal-Chor.

Für Sponsoringprofis ist es nichts Neues, verschiedene Pakete zu schnüren und anzubieten. Trotzdem wurde dieses Prinzip bisher bei Crowdfunding-Projekten noch nicht häufig und längst nicht so konsquent angewendet. Auch Pricing-Experten wissen, dass es meist falsch ist, nur ein Angebot zu einem Preis anzubieten. Denn die Kaufbereitschaft der einzelnen Kunden und Unterstützer ist zum Teil sehr unterschiedlich. Und der Erfolg zeigt, dass dieses Vorgehen richtig war. Denn weniger als 600 Personen brauchte es, um mehr als 80.000 USD einzusammeln. Verity konnte bisher schon fast 2.000 Supporter finden und hat trotzdem nur ungefähr die Hälfte an Geld für ihre Produktion zur Verfügung wie Jill Sobule. Mit folgenden fünf Sponsoringpaketen konnte Jíll am meisten Geld eingesammeln (55.000 USD) und hat damit das Pareto-Prinzip eindrucksvoll bestätigt:

  1. 15.000 USD: Diamond Level (Hauskonzerte) – 3 Personen
  2. 12.000 USD: Gold-Level (Musikalische Danksagung auf der CD) – 24 Personen
  3. 10.000 USD: Weapons-Grade Plutonium Level (Mitsingen auf der CD) – 1 Person
  4. 9.000 USD: Platinum-Level (Mass-Customized-Musiksong) – 9 Personen
  5. 9.000 USD: Copper-Level (Musik CD mit Danksagung und Supporter-T-Shirt) – 90 Personen

Die Ergebnisse zeigen, dass es sich hier nicht nur um ein erfolgreiches Crowdfunding, sondern auch um ein erfolgreiches Crowdsales-Projekt handelt. Die drei Sponsoren des Diamond Level haben die Möglichkeit, durch den Verkauf von Eintrittskarten, Getränken und Merchandising-Artikeln ihre Kosten wieder zu refinanzieren. Vielleicht hätte Jill noch mehr Geld einsammeln können, wenn Sie 10 Musikalben zum Paketpreis angeboten hätte, die die Erwerber als Geschenke hätten verwenden können. Und auch Mass-Customization-Elemente wurden in obiges Projekt erfolgreich integriert, wie z.B. das Platinum-Level-Paket zeigt. Ich bin mir sicher, dass sich in Zukunft auch andere Crowdfunding-Projekte von diesem Erfolgsbeispiel inspirieren lassen, vielleicht sogar auch Sellaband, die ja im Akkord Crowdfunding-Musikprojekte initiieren.

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10 Responses to Erfolgsbeispiel Crowdfunding: US-Sängerin Jill Sobule sammelt in 53 Tagen 75.000 USD ein

  1. […] In den letzten Tagen stolpere ich immer wieder über das Crowdfunding-Portal “Sellaband” oder erwähne es, wie z.B. hier, hier und hier. Die Funktionsweise dieser Plattform habe ich im August 2006 hier im Blog schon ausführlich beschrieben, weshalb ich mich hier eine lange Einleitung sparen kann. Vielmehr will ich mit diesem Updaten, was längst überfällig ist, die Erfolgsbilanz von Sellaband präsentieren: […]

  2. […] Erfolgsbeispiel Crowdfunding: US-Sängerin Jill Sobule sammelt in 53 Tagen 75.000 USD ein Über Sellaband finanzieren die Fans die Musikproduktion Update Sellaband I am Verity – 5.000 Fans sollen die Musikproduktion durch Vorkasse finanzieren Pfiffige Fundsraising-Aktion: Es werden Taktspender gesucht vipbandmanager: Werden Sie Co-Manager einer Musikband Musikverlage bekommen neue Konkurrenz Sandy Thom: von virtuellen Konzerten zum Plattenvertrag Popcuts: Bei diesem Preismodell werden die ersten Käufer langfristig belohnt justaloud – innovatives Pricingmodell für die Musikindustrie Amiestreet: Musikdownloads zu Marktpreisen Die Folksängerin Jane Siberry lässt Ihre Kunden entscheiden, wieviel sie für ein Musicdownload bezahlen Vermarktungsideen aus der Musikindustrie « Kleine Steuerlehre   […]

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  7. […] begeisterter war ich von der Crowdfundingaktion von Musikerin Jill Sobule. Sie brauchte im Gegensatz von Verity nicht Jahre, sondern nur zwei Monate, um insgesamt 75.000 USD […]

  8. […] eingesammelt werden. Das finde ich noch relativ bescheiden. Aus meiner Sicht sollte man sich vom Erfolg von Jill Sobule insprieren lassen und ähnlich wie bei Kickstarter für verschieden hohe Beiträge verschieden hohe […]

  9. […] Euch das bekannt vor? Die Sängerin Jill Sobule sammelte dank Ihrer Treppenstufenangebote mehr als 75.000 USD in ca. 50 Tagen ein. Solch ein Erfolg […]

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