In Geschäftsidee, Idee - Gastro

Mit „holyfields“ ist ein neuer Stern am Himmel der Systemgastronomie erschienen

Am Montag, den 1. November eröffnete in der City von Frankfurt am Main der „Systemgastronomietempel“ holyfields in den ehemaligen Verkaufshallen von Mercedes Benz seine Pforten, in der schon die Nitribitt ihr Auto kaufte. Nicht nur die Lage zwischen dem Frankfurter Hof und der Commerzbank ist sehr gut gewählt, sondern die große Fensterfront des Eckgebäudes ermöglicht es auch, dass sich Neugierige schon an der Fensterscheibe die Nase platt drücken können. Somit kann das Gastronomiekonzept kein Banker, Einheimischer oder Tourist übersehen. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es schon in den ersten Tagen trotz 150 Sitzplätze innen und 60 – 70 Plätze im Außenbereich zum Teil sehr voll im holyfields-Restaurant war. Ich hatte das Glück, als ich am letzten Samstag zur Mittagszeit erstmals Gast im holyfields war, dass es nur halbvoll war und ich deshalb bequem einen sehr schönen Sitzplatz mit meinen Begleitern gefunden habe. Vor dem Vergnügen kam allerdings die Arbeit. Direkt nach dem Eintritt in das Restaurant erhält man von dem netten Bedienungspersonal einen elektronischen PUK, mit dem man zu einem der 32 Zoll-Touchscreen-Bestellterminals geschickt wird (siehe Bild 1). Bevor ich allerdings lang grübeln musste, wie man dieses Terminal bedient, kam mir gleich ein Mitarbeiter zu Hilfe, der mir beim gesamten Bestellvorgang half. Das erinnerte mich gleich an meinen letzten Restaurantbesuch vor wenigen Wochen in den USA, wo man genauso zuvorkommend betreut wird. In der Servicewüste Deutschland fällt solch eine persönliche Betreuung natürlich besonders positiv auf.

Nachdem ich den PUK auf die dafür vorgesehene Ablage gestellt habe und vom Terminal auch erkannt wurde, konnte ich sofort mit der Bestellung beginnen und musste nicht warten, bis eine Bedienung am Platz meine Bestellung aufnimmt. Da ich unter Zeitdruck war, fand ich das sehr angenehm. Ideal wäre natürlich gewesen, wenn mir schon vor der Bestellung am besten vor der Tür angezeigt worden wäre, nach wie viel Minuten der letzte Gast nach seiner Bestellung das Essen bekommen hat. Aber das kann ja vielleicht noch kommen. Sehr positiv finde ich dagegen den Service, dass wenn man als Gruppe gemeinsam bestellt auch zur gleichen Zeit das Essen an der Essensausgabe abgeholt werden kann. Hier wurde richtig mitgedacht. Die zweite positive Überraschung kam, als ich mir die Hauptspeisenauswahl am Terminal angeschaut habe, denn hier ist für jeden Geschmack etwas dabei, egal ob ich italienisch, asiatisch, amerikanisch oder europäisch essen will. Die Auswahl reicht von Salaten, über Nudel- und Wokgerichte bis hin zu Fisch und Fleisch. Kein Hauptgericht kostet 10 EUR oder mehr, was ich für diese Lage als günstig einstufe. Und wer wirklich sparsam ist, der bestellt sich keine Bionade für 2,80 EUR, sondern bedient sich am Holywater-Brunnen kostenlos mit Tafelwasser (siehe Bild 2 im Vordergrund).

Nach der Bestellung bin ich als nächstes zur Bar gegangen und habe mein Getränk abgeholt, da ich diesmal lieber auf ein Getränk mit Geschmack Lust hatte. Anschließend hat sich unsere Gruppe ein nettes Plätzchen gesucht und wir konnten schon einmal entspannt etwas trinken. Nach ca. 10 Minuten begann dann mein PUK zu vibrieren und gab mir damit unmissverständlich das Zeichen, dass mein Essen fertig war. Dieses Schauspiel wiederholte sich wenige Sekunden später auch bei meinen Sitznachbarn und deshalb gingen wir zur Essensausgabe mit dem sinnigen Namen „Peter“, weil diese als einzige geöffnet war. Wären mehrere Essensausgaben geöffnet gewesen, hätte ich die Nachricht auf dem PUK lesen können, in der angegeben wird, wo man hinzugehen hat. Schade fand ich, dass wir fast fünf Minuten an der Essensausgabe warten mussten, weil die Bedienungen lange brauchte, um den drei Gästen vor mir Parmesan über das Essen zu streuen und Brot zu schneiden. Insgesamt verbrachten wir als Gruppe eine halbe Stunde im holyfields und genossen dabei das Essen, Ambiente und das Gefühl, nicht unnötig auf irgendetwas warten zu müssen. Natürlich gab es im Service noch einige „unrunde Ecken“, aber das ist bei einem Restaurant, das erst wenige Tage geöffnet hat, nicht verwunderlich.

Mich hat der Service, das Essen, das Ambiente und der Preis überzeugt, weshalb mich holyfields in Zukunft öfters sehen wird. Denn ich habe keine Lust, wie mir es vor zwei Wochen ebenfalls Samstag mittags beim Vapiano in Frankfurt passiert ist, eine halbe Stunde in der Schlange zu stehen, um meine Nudelbestellung aufzugeben. Zudem finde ich die Essensauswahl im holyfields deutlich ausgewogener und breiter. Genial finde ich, dass man im holfyfields nicht nur mittags und abends sehr gut essen kann, sondern auch exzellent frühstücken und Kaffee trinken kann. Man merkt schnell, dass hinter diesem genialen Konzept ein Profi aus der Systemgastronomie steckt. Es handelt sich um Gerhard Schöps, der bis Mitte 2009 Chief Marketing Officer der Western Division Europe bei McDonald’s war. Und Gerhard Schöps will keine Zeit verlieren. Nachdem seine Betreibergesellschaft in das Frankfurter Vorzeigehaus 1,5 Mio. EUR und in das Bestellsystem 1 Mio. EUR investiert hat, sollen im nächsten bereits weitere vier Niederlassungen in Berlin, Stuttgart, Hamburg und Leipzig eröffnet werden. Dann soll es nach Österreich, in die Schweiz, nach England und Frankreich gehen. Bis 2013 will der holyfields-Standortentwickler Leonhard Lagos circa 20 weitere holyfields-Restaurants in Toplagen von attraktiven Großstädten eröffnet haben. In wenigen Tagen wird Gerhard Schöps im Rahmen eines Textinterviews hier im Blog mehr über sein Konzept und seine Ziele verraten. Bleibt dran.

Update 9.8.2011: Laut Meldung von cafe-future.net Mitte Juni musste Unternehmer Gerhard Schöps für die holyfields Restaurant GmbH & Co. KG beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter, die Kanzlei Görg, hat jüngst folgendes beschlossen: Schließung des Pilot-Restaurants in Frankfurt am Main sowie Weiterführung und mit Glück Auffanglösung für den Berliner Betrieb. Mehr Infos unter cafe-future.net.

One Response to Mit „holyfields“ ist ein neuer Stern am Himmel der Systemgastronomie erschienen

  1. […] eröffnete der “Systemgastronomietempel” holyfields in Frankfurt am Main, wie ich schon hier im Blog berichtet habe. Heute präsentiere ich Euch ein Mailinterview zwischen mir und Gerhard Schöps, dem […]

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