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Beginnt mit friendsurance ein neues Innovationszeitalter in der Versicherungsbranche?

In der Bankenbranche wurden in den letzten Jahren von neuen Marktteilnehmern viele neue innovative Konzepte eingeführt: Flatratekonzept der Quirin-Bank, das Vorort-Konzept der Degussa-Bank, das Mitmachkonzept der Fidor-Bank oder das Direktprinzip von SMAVA. Wirklich spannende Innovationen in der Versicherungsbranche in Deutschland vermissen ich allerdings. Wenn ich von etwas Neuem erfahre, kommen die Innovationen eher aus dem Ausland. Doch das soll jetzt anders werden.

Entrepreneure aus Berlin wollen jetzt die Versicherungsbranche mit einem Social-Media-Freundesmodell auf den Kopf stellen. Nach dem Launch Ende März 2011 wurden die StartUpler von Medien nahezu umarmt, so sehr hat man nach neuen Konzepten gedürstet. Auch die Fachwelt zeigt sich begeistert. Schon zwei Monate nach dem Launch wurde das Berliner Start-up am 20.5.2011 mit dem Service-Innovationspreis Assekuranz in der Kategorie „Vernetzung“ ausgezeichnet. Damit schuf die Jury extra für Friendsurance eine neue Kategorie, da sich das Konzept der „Facebook-Versicherung“ nicht ohne weiteres in die bestehende Systematik einfügen ließ.

Wie funktioniert eigentlich friendsurance? Das Basisgeschäftsmodell besteht darin, Versicherungen zu günstigen Konditionen über das Internet zu vermitteln, a la Check 24. Es gibt allerdings ein USP: Du baust mit Deinen Freunden ein sog. Sicherheitsnetz auf, indem Du dich verpflichtest, einen kleinen, vorher festgelegten Betrag (z.B. 20 EUR) zu zahlen, wenn Dein Freund, der ebenfalls über friendsurance eine Versicherung abgeschlossen hat, einen Schaden hat. Ist der Schadensfall höher als das Sicherheitsnetz, zahlt die Differenz die Versicherung. Bis jetzt können bis zu 16 Personen Mitglied Deines Sicherheitsnetzes werden. Was bringt das?

Damit sollst Du keine Bagatellschäden mehr melden bzw. betrügen, weil Du ja damit nicht nur die Versicherung schädigst, sondern auch Deine Freunde. Zudem entfallen hohe Versicherungsvermittlungsprovisionen, weil die Idee ist, dass Freunde Freunde akquirieren. Zusätzliche Motivation zur Akquisition von Freunden soll darin bestehen, dass man im Schadensfall pro akquirierten Freund 10 EUR weniger zahlen soll. Dieses Incentivemodell finde ich noch einmal überprüfungswürdig, weil es aus meiner Sicht kontraproduktiv ist.

Insgesamt sollen durch dieses Modell die Versicherungskosten für die Versicherungsnehmer um bis zu 70 % senken. Denn nach der Logik der friendsurance-Gründer verursachen die Großschäden nur 30 % der Gesamtkosten einer Versicherung. Den Rest könnte man sich über o.g. Modell sparen. Bis jetzt funktioniert das Modell nur für wenige Versicherungsarten, wie z.B. Haftpflicht, Rechtsschutz und Hausrat. Und bisher machen auch nur 4 Versicherungsgesellschaften mit. Damit die Auswahl beim Konditonenvergleich groß genug ist, werden dort die Konditionen von mehr als 50 Versicherungen verglichen. Denn nicht immer sind die friendsurance-Konditionen die besten.

Auch wenn es im Detail noch Unschärfen gibt und die Anzahl der Versicherungsgesellschaften, die bisher mitmachen, überschaubar ist, gefällt mir der Geschäftsansatz von friendsurance extrem gut. Ich hoffe, dass alle rechtlichen Risiken (Stichwort: Rechtliche Regeln für einen Versicherungsverein) von den Gründern beachtet wurden und das Modell nicht an juristischen Hürden scheitert. Denn es wird Zeit, dass es in der Versicherungsbranche neue Innovationen im Interesse der Kunden gibt. Vielleicht hat friendsurance mit seiner Idee eine Welle ins Rollen gebracht. Ich hoffe das.

4 Responses to Beginnt mit friendsurance ein neues Innovationszeitalter in der Versicherungsbranche?

  1. Vielen Dank für den netten Beitrag! Das ganze Team freut sich sehr über das positive Feedback. Wir arbeiten eifrig daran unsere Plattform jeden Tag ein Stück besser zu machen!

    Das Team von friendsurance wünscht ein schönes Wochenende!

  2. Ronny sagt:

    Sorry, aber ich finde dass komplett blödsinnig. Hier wird doch nichts weiter betrieben, als die Selbstbeteiligung auf mehrere Personen umzuverteilen. Schließlich zahlt die Versicherung nur die Differenz, wenn die SB nicht reichen sollte.

    Ich kann mir auch schlecht vorstellen, wenn ich 10 Euro im Jahr spare, dafür aber für andere Personen mithaften muss, dass sich dadurch mein persönliches Verhalten bei der Meldung von Schäden verändern wird. Warum auch? Sobald einer in der Gruppe anfängt einen Schaden innerhalb der SB, zum Beispiel aus finanziellen Gründen, zu melden, werden die Anderen in der Gruppe diesem Beispiel folgen.

    Ich denke hier versucht man nur über einen weiteren Weg neue Versicherungskunden zu werben, da schließlich nahezu jeder weiß, bei den Versicherungen im Sachbereich findet derzeit ein starker Verdrängungswettbewerb statt.

  3. Ronald sagt:

    Wieso soll denn so ein Incentivemodell (10-Euro Gutschein pro akquiriertem Freund) „kontraproduktiv“ sein? Ich finde, dass ist doch ein nettes Danke-schön für die „Arbeit“, die jemand leistet, wenn er einen Freund anwirbt. Das ist doch auch in anderen Branchen üblich (Abo, Zeitungen, etc.)
    Ich glaube auch nicht, dass das dazu führt, das ein Schaden eher „gemeldet“ (bzw. „erfunden“ wird), wenn es das ist, was Du meinst.

  4. Jacken sagt:

    Ich versuche zur Zeit meinen Feed Reader zu mit Feeds zu bestuecken, wo finde ich den hier den RSS Feed ?

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