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Raumunternehmen – Wenn aus StartUps Wirtschaftsförderer werden



Bildquellenangabe: berwis / pixelio.de

Meine Stammleser wissen, das ich hier im Blog immer wieder gerne die “ausgetretenen Pfade” verlasse und auf Unternehmen bzw. Projekte hinweise, die nicht unbedingt im Rampenlicht der Unternehmer- und StartUp-Szene stehen. Insofern passt der Artikel heute zu den sog. “Raumunternehmen” perfekt zu dieser Philosophie (und schließt perfekt an meinen letzten Artikel an). Auslöser für meinen Bericht ist die jüngste Veröffentlichung einer aktuellen 40 seitigen Kurzstudie, die das Institut Arbeit und Technik (IAT / Westfälischen Hochschule) für die Montag Stiftung Urbane Räume erstellt hat. Unter Raumunternehmen verstehen die beiden Autoren und IAT-Forscher „auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtete Organisationen, die ihre Geschäftsidee auf Basis von unzureichend in Wert gesetzten räumlichen Ressourcen entwickeln und deren Erfolg sich an dem sozialen Nutzen für diesen Raum messen lässt.“

Ich gebe zu, das klingt alles sehr trocken. Viel anschaulicher sind dann schon die drei Best-Practice-Beispiele, die auführlich in dieser Studie vorgestellt werden. Am meisten hat mich natürlich das Beispiel aus dem Frankfurter Gallusviertel “in den Bann gezogen”, das auf den Seiten 22 – 28 beschrieben wird. Denn letztlich bezeichnen nicht wenige Frankfurter diesen Stadtteil als “Frankfurter Bronx”. Das wird diesem Stadtteil natürlich nicht im Ansatz gerecht, weil es zum einen sehr stadtnah liegt, viele Bürogebäude mit namhaften Firmen wie der FAZ etc. angesiedelt sind und sich in den letzten Jahren immer mehr innovative und kreative Menschen ansiedeln, die daraus wieder einen hippen Stadtteil machen wollen.

Am ehesten sind die Raumunternehmen dem Social Entrepreneurship zuzuorden, weil sie einen gesellschaftlichen Mehrnutzen (Vermeidung der Verödung eines Gebäudes oder Stadtteils oder Region) bieten. Allerdings ist es nicht zwingend erforderlich, dass die Inhaber der Raumunternehmen keine Gewinne machen, die sie an sich selber ausschütten, um davon ihren Lebensunterhalt oder mehr bestreiten zu können. Vielmehr sind Raumunternehmen “lokale Wirtschaftsförderer auf eigene Rechnung” bzw. Immoblien- und Stadtteilentwickler. Wenn ein brachliegendes Gebäude neu genutzt wird, profitiert davon i.d.R. das ganze Umfeld.

Der letzte Teil der Studie beleuchtet die Problematik bei der Finanzierung solcher Projekte, da die Betreiber solcher Projekte nicht immer als kreditwürdig gelten bzw. nicht immer das Know How haben, im Rahmen eines Business Planes die wirtschaftliche Trag- und Kapitaldienstfähigkeit zu erläutern. Etwas einseitig erscheint mir der starke Fokus in diesem Kapital auf Mikrokredite. Das ist aus meiner Sicht zu kurz gesprungen und wird häufig dem Volumen solcher Projekte zumindestens mittelfristig nicht gerecht. Dass allerdings Player der Mikrofinanzbranche, wie die gemeinnützige GLS Bank, ins Spiel gebracht werden, macht mehr als Sinn.

Aus meiner Sicht sind drei andere Finanzierungssäulen besonders tragfähig für solche Projekte. Erstens sollte der Gründungszuschuss grundsätzlich bei allen gegebenen Voraussetzung ausbezahlt werden, auch wenn der Gründer “vermittlungsfähig” ist. Denn das soziale Gemeinwohl sollte eine stärkere Gewichtung bei der Entscheidung der Gewährung des Gründungszuschusses bekommen. Zweitens sollten Stiftungen und Wirtschaftsförderer aktiv eingebunden werden. Und drittens wären Crowdfunding-Plattformen perfekt geeignet, um solchen Projekten eine Finanzierungsquelle zu erschliessen.

One Response to Raumunternehmen – Wenn aus StartUps Wirtschaftsförderer werden

  1. Stefan Gärtner sagt:

    Guter Beitrag und die Idee mit dem Crowdfunding halte ich auch für erwähnenswert. Die Autoren (ich bin einer davon)hatten dies auch diskutiert, unsere Erfahrung ist aber, dass Crowdfunding für sehr lokale Projekte, da lokale Crowd-Communities zu klein sind, sehr schwierig ist. Zumal aufgrund des räumlichen Kontextes nicht mit hohen Geldbeiträgen zu rechnen ist. Die Crowdfunding-Projekte, die ich kenne, beziehen sich meist auf Fan- oder Herzblut-Projekte, bei denen es beispielsweise darum geht, ein Software-Game zu entwickeln oder die neue Platte der Lieblingsband zu finanzieren. Mengenmäßig ist bei solchen Vorhaben die Crowd größer als bei lokalen Vorhaben mit Gewinnabsicht. Aber vielleicht sollte man es auf ein Experiment ankommen lassen. Wäre ja toll, wenn es klappen würde. Und auf jeden Fall ist es richtig, dass viele Vorhaben mit Mikrokrediten nicht finanziert werden können. Es gibt übrigens noch eine Langfassung der Studie.
    Viele Grüße, Stefan

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