In Geschäftsidee, Idee - Verlag

niiu wagt Comeback als App

Die Hype war groß, als pfiffige Gründer 2009 verlauten ließen, unter dem Namen „niiu“ die erste Tageszeitung anzubieten, die sich die Leser individuell zusammenstellen konnten. Trotzdem schien schon zum Start die Idee etwas veraltet, wie ich zum Schluss meines Artikels angemerkt habe: „Gibt es noch andere denkbare Konzepte? Ja, logisch. Jetzt, wo Kindle und Co. auf den Markt kommen, gibt es sicherlich auch bald die Kindle-Zeitung zum Nulltarif…. Und warum soll dieses Konzept nur für Zeitung gelten. Gerade für das Format der Zeitschriften scheint mit das On Demand Konzept gerade ideal geeignet zu sein. Auch hier gibt es viele “Wege nach Rom‹.“

Und tatsächlich kam niiu nie auf „einen grünen Zweig“. Man hätte es trotz Medienhypes nie geschafft, die „kritische“ Zahl von 5.000 Abonnenten zu überschreiten, um kostendeckend arbeiten zu können. Anfang 2011 wurde dann vorläufig der „Stecker gezogen“ und das Angebot eingestellt. Aus Statements konnte man entnehmen, dass es ein Fehler war, in der Markteintrittsphase hauptsächlich nur den Privatkunden adressiert zu haben. In einer Mail an die Kunden wurde die Situation kurz erklärt und versprochen, dass man wieder käme, wenn man am Geschäftsmodell „gefeilt“ und zudem einen finanzstarken Investor gefunden hätte.

Im Interview mit meedia wurde dann noch verraten: „Die Niiu-Macher teilten MEEDIA auf Anfrage nun mit, künftig vor allem auf das B2B-Geschäft setzen zu wollen: Individuelle Zeitungen für Hotels und die Gastronomie. Außerdem arbeite Niiu an Modellen, um individuelle Tageszeitung auf elektronische Endgeräte wie das iPad zu bringen. Gedrucktes für den Endverbraucher sei jedoch zunächst nicht mehr leistbar – des teuren Vertriebs wegen.“ Das klang vielversprechend, denn letztlich gab es schon viele Ideen, die erst im Restart erfolgreich wurden, nachdem die Gründer aus ihren Fehlern gelernt haben.

Und tatsächlich haben sich die Macher von niiu jetzt wieder zu Wort gemeldet, um den Restart zu verkünden. Laut neuem Geschäftskonzept soll jetzt eine App zu einem Abopreis von ca. 10 EUR pro Monat angeboten werden. Zum Neustart sollen Titel von Axel Springer, der Berliner Tagesspiegel und die Schweizer NZZ dabei sein. Mittelfristig sollen Leser aus ca. 40 Zeitungstiteln wählen können. Wie aktuell die Zeitungsinfos wären, ist noch fraglich. Und ob es genug Nutzer gibt, die 10 EUR oder mehr dafür zahlen, dass es in der niiu-App eine gute Filterfunktion gibt, es mehr als fraglich.

Klingt im ersten Moment alles wie Pianomedia, nur viel teurer. Hmmm, man soll ja nicht den Tag vor dem Abend beschimpfen (oder so ähnlich), aber das klingt jetzt nicht wirklich nach einem überzeugenden Restart. Auch nach Durchlesen eines Interviews und nach Ansicht des obigen Videointerviews bin ich noch nicht wirklich schlauer geworden. Ist das jetzt allein der „große Wurf“. Konnten nur damit Investoren in sechsstelliger Höhe gefunden werden? Aber das scheint nicht nur mir zu gehen.

Die Jungs von meedia, die schon immer skeptisch gegenüber dem Geschäftsmodell von niiu eingestellt waren, bringen es auch jetzt wieder auf den Punkt: „Allzu viele Abos werden Nutzer nicht abschließen. Bigpoint-Chef Heiko Hubertz, der sein Geld mit Browserspielen verdient, glaubt sogar, dass das Abo-Modell als solches tot ist, sagte er neulich beim Scoopcamp in Hamburg. Warum also zahlen?“ Das klingt nicht gut, aber vielleicht rappeln sich die Jungs von niiu noch. Und als „Lessons Learned“-Video taugt die Aktion auf jeden Fall.

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