In Geschäftsidee, Idee - Verlag, Idee - Web

Onlinemagazin “The Verge” stellt Benchmarks auf

Das Zeitungssterben nimmt mittlerweile dramatische Ausmaße an. Nachdem die Frankfurter Rundschau Insolvenz angemeldet hat (und nun an einem Rettungskonzept gearbeitet wird), wird nun auch die FTD (Financial Times Deutschland) eingestellt. Beide Zeitungen haben gemeinsam, dass sie seit vielen Jahren nur noch Verluste einfahren (FTD hat sogar noch nie Gewinne einfahren können). Langsam müsste sich rumgesprochen haben, dass auch im Zeitungs-Business die Zukunft im Web liegt. Allerdings sind die traditionellen Verlage bis auf wenige Ausnahmen (Spiegel-Online) nicht in der Lage, erfolgreiche Online-Ableger aufzubauen, die profitabel arbeiten. Ähnlich wie im ECommerce reicht es nicht, einfach einen Veröffentlichungskanal zusätzlich anzubieten. Es muss ein neues Konzept her, ganz andere Mitarbeiter, ein ganz anderes Arbeitsumfeld, alles muss viel schneller gehen u.s.w.

Hier im Blog stelle ich immer wieder Online-Magazine vor, die als StartUps schnell und erfolgreich durchstarten. Dazu gehört z.B. UpWorthy, über die ich vor wenigen Tagen hier im Blog ausführlich berichtet habe. Ein anderes Magazin, das für viel Furore sorgt, ist “The Verge”. Dieses Online-Gadget-Magazin hat vor kurzem einjähriges Bestehen mit einem Rückblick auf spektakuläre Artikel gefeiert. Wie auch in anderen Fällen handelt es sich dabei um ein “unfriendly Spin-Off”. Ein ganzes Journalistenteam rund um den damaligen Chefredakteur des Gadget-Kultblogs “Engaged” ist damals ausgestiegen, um “The Verge” neu aufzubauen. Zunächst hieß das Projekt “Thisismynext.com”, wurde aber ein halbes Jahr später in “The Verge” umgewandelt. Insofern ist “The Verge” also effektiv 1,5 Jahre alt. Jürgen Vielmeier “singt” wie folgt ein Loblied auf dieses neue Gadget-Magazin:

“The Verge war die Qualität praktisch vom ersten Tag an anzumerken. Kluge Texte mit einer Bandbreite von kurzen News bis hin zu ausführlichsten, gut strukturierten Ratgebern. Das Portal setzt auf aufwändige Videos, die mit Profi-Equipment gedreht werden, und schnellere Hands-on-Videos, die sich eher an Normalsterbliche als an Techies richten. Besonders charakteristisch: das lesefreundliche, mit Bildern, Tabellen und Inhaltsverzeichnis garnierte und für alle Plattformen optimierte Webdesign. Inhaltlich auffällig: der freundliche Ton, die Offenheit gegenüber anderen Medien, und sei es die Konkurrenz. Die monatliche Videoshow “On The Verge‹ ist im Stile eines Late-Night-Talks produziert und könnte mit seinen Einspielern, prominenten Gästen und seinem Sinn für Humor ebenso gut im Fernsehen ausgestrahlt werden.”

Klare Erkenntnis: Ein modernes Magazin muss heute multimedial überzeugen, egal ob im Web, mobil auf Tablet oder Smartphone oder in Form von bewegten Bildern als “Video-Magazin”. Ich finde es schon beeindruckend, dass der YouTube-Kanal von “The Verge” nach einem Jahr mehr als 100.000 Abonnenten und knapp 30 Mio. Aufrufe verzeichnen kann. Etwas gewöhnungsbedürftig ist dafür die Web-Startseite, die aus Sicht vieler zu unübersichtlich daherkommt. Und dann muss man natürlich auch kritisch anmerken, dass das Projekt noch nicht profitabel ist. Obwohl es mittlerweile mehr als 50 Angestellte gibt, wird noch sehr sparsam Werbung platziert, am Anfang der Markteinführungsphase hat man sogar ganz auf Werbung verzichtet. Insofern fehlt noch die Bestätigung, ob “The Verge” auch Gewinne erzielen kann. Aber es zeigt auf jeden Fall schon einmal die Richtung auf, in die man gehen muss, um heute als Verlag noch erfolgreich sein zu können.

2 Responses to Onlinemagazin “The Verge” stellt Benchmarks auf

  1. […] kurzem haben ich mich hier im Blog gefragt, warum so wenige Zeitungsverlage nachhaltige Konzepte entwickelt haben, um dem Wandel der […]

  2. […] von Verge empfehle. Knapp 200.000 Follower können nicht irren. Im November 2012 habe ich hier im Blog ausführlicher über diese hippe Onlinemagazin berichtet, das fast alle “Wachstumsrekorde in […]

Schreibe einen Kommentar