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Mit dayli-meinShop soll bald auch ehemaligen Schlecker-Filialen in Deutschland “neues Leben eingehaucht werden”

Im Sommer 2012 schlossen die Schlecker-Filialen in Deutschland endgültig ihre Türen und das letzte Kapitel einer großen Erfolgsstory war zu Ende geschrieben. Noch heute beschäftigen sich zahlreiche Experten mit den Gründen für dieses fast einmalige Scheitern. Der frühere Siemens Manager und jetzige BWL-Professor erläutert im jüngt erschienen Buch Schlecker oder: Geiz ist dumm: Aufstieg und Absturz eines Milliardärs, warum Schlecker aus seiner Sicht nicht zu retten war (mehr Infos dazu im Handelsblatt-Artikel):

  1. Die Wertekultur stimmte nicht. Den Mitarbeitern wurde konsequent Misstrauen entgegengebracht.
  2. Externe Meinungen waren nicht erwünscht, z.B. im Rahmen eines Beirats
  3. Es wurden nicht die Strukturen geschaffen, um Arbeit und Vertrauen sinnvoll zu delegieren (Prinzip der Alleinherrschaft funktioniert ab einer bestimmten Betriebsgröße nicht mehr)
  4. Es gab keine zukunftsweisende Strategie, sondern nur ein Reagieren auf Ereignisse. Dafür hätte es ein professionelles, ausgewogenes Managementteam (auch mit Köpfen von außen) gebraucht
  5. Es wurde zu späte versucht, das Ruder “umzureißen”
  6. Es fehlten finanzielle und personelle Ressourcen, um den Turnaround zu schaffen
  7. Eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit war auch in der Krise nicht zu verzeichnen
  8. Ein neues Managementteam hätte früher vom Partiarch Schlecker übernehmen müssen

Nicht in allen Ländern wurden die Schlecker-Filialen dicht gemacht. So wurde z.B. im Juli 2012 Schlecker Österreich von einer österreichischen Investorengruppe rund um den Unternehmenssanierer Rudolf Haberleitner mit dessen Private-Equity-Fonds TAP 09 erworben. Mit der Restruktierung und der Umfirmierung zu dayli-meinShop bleiben die insgesamt rund 900 Filialen in Österreich, sowie 450 Filialen in Belgien, Luxemburg und Polen, sowie einem Teilgebiet in Italien erhalten.

Um nach der Restrukturierung auf über 3.000 Filialen anzuwachsen, wurde der frühere dm-Topmanager Peter Krammer verpflichtet. Die erste große Meldung war, dass vielleicht schon kurzfristig 600 Filialen des alten Schlecker-Imperiums in Deutschland übernommen werden sollen. Da keimt wieder Hoffnung für viele ehemalige Schlecker-Mitarbeiterinnen auf, die seit der Insolvenz arbeitslos sind. Einige reiben sich aber auch die Augen, weil die Schlecker-Konkurrenten schnell Abstand davon nahmen, alte Schlecker-Filialen aufgrund der zu geringen Ladengröße zu übernehmen.

Neben der Modernisierung der Märkte soll auch das Angebotsspektrum verändert werden, wie bizforward berichtet: “Angeboten werden neben Drogerie-Artikeln auch Lebensmittel, Zeitschriften und frische Brötchen. Bis zu 45 verschiedene Dienstleistungen wie die Tätigkeit als Postpartner, eine Textilreinigung, Kopiermöglichkeiten, ein Stehcafé, Reiseangebote oder ein Autoverleih erweitern das Angebotsspektrum.” Weiterhin sollen Kunden ohne Internetanschluss und Kreditkarte im dayli online shoppen können.

Das klingt stark nach dem “Lädchen für alles- Konzept von tegut, um die Onlineshopping-Variante erweitert und damit um die Wiederbelebung des “Tante-Emma-Laden”-Konzeptes, um ein Dienstleistungszentrum erweitert. Während tegut langsam und organisch expandiert, will dayli alle mit einem Streich überholen. Viele sind skeptisch, bedenken aber nicht, dass Schlecker bis 2010 in Österreich schwarze Zahlen schrieb. Viele Menschen auf dem Land werden aufatmen, weil die Schlecker-Märkte häufig einziger Ortsmittelpunkt waren. Ob sich auch für die TAP-Investoren das Engagement rechnet, wir die Zukunft zeigen.

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