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Occupy-Bewegung will Banken Konkurrenz machen

„Es ist einfach gegen etwas zu sein, es ist schwer etwas anders und gleichzeitig besser zu machen.“ Oder anders formuliert: „Es gibt nichts gutes, außer man tut es.“ Das war ungefähr die Quintessenz meiner Botschaft im Rahmen einer Diskussion im letzten Sommer mit einem Anhänger der damaligen Occupy-Bewegung in Frankfurt. Als Beispiel brachte ich in dieser Diskussion die Crowdfunding-Plattformen und Bank-Genossenschaftsmodellen mit dem Aufruf, es einfach besser als die bisherigen Banken zu machen und nicht einfach nur zu demonstrieren. Damals erntete ich nur Unverständnis.

Doch die Zeit ändert sich, insbesondere nachdem nicht mehr jeden Tag über die Occupy-Bewegung in Rundfunk und Presse berichtet wird. Und deshalb zünden einige ehemalige Aktivisten die „nächste Stufe der Rakete“. Das Projekt lautet „Occupy Money Cooperative“. Im ersten Moment könnte man denken, dass die Aktivisten nun eine Genossenschaftsbank gründen wollen. Da dies aber mehrere Schritte zu viel wären, fangen die Aktivisten eine Nummer kleiner an: Am 19.7.2013 wurde auf YouTube ein Video hochgeladen, auf dem verkündet wird, dass in naher Zukunft von der Occupy Money Cooperative eine Kreditkarte auf Guthabenbasis herausgegeben werden soll.

Der Hintergrund ist einfach: Laut Angaben von Occupy haben über 30 Mio. Amerikaner kein Bankkonto und seien damit gesellschaftlich ausgegrenzt. Das will man ändern, in die Occupy Money Cooperative in Kooperation mit einer staatlichen zugelassenen Bank und der Kreditkartengesellschaft VISA eine Kreditkarte auf Guthabenbasis herausgeben will. Durch die Kooperation mit VISA soll gewährleistet sein, dass die Kreditkarte gleich zu Beginn in den meisten Geschäften in den USA akzeptiert werden soll. Mit der Kooperation mit einer Bank soll sichergestellt werden, dass die Einlagen durch einen Einlagensicherungsfonds abgesichert sind und die Occupy Money Cooperative nicht Jahre verliert, bis sie selbst eine Bankzulassung erhält.

Damit sich auch fast jeder diese Kreditkarte auf Guthabenbasis leisten kann, soll keine Aufnahmegebühr verlangt werden und nur eine monatliche Grundgebühr von 99 US-Cent erhoben werden. Die Occupy Money Cooperative soll ihr Geld damit verdienen, dass sie an den Transaktionsgebühren, die von den teilnehmenden Geschäften und Partnern erhoben werden, beteiligt werden. Da allerdings auch Startkosten anfallen, soll zeitnah um Spenden gebeten werden, damit möglichst eine Startsumme von einer Million USD zusammenkommt. Zudem werden Voluntäre gesucht, damit zumindestens die Personalkosten zu Beginn auf ein Minimum reduziert werden können.

Mut macht, dass im Gründungs-Board namhafte Macher vertreten sind, wie z.B. Carne Ross, der früher britischer Diplomat war und heute als Journalist, Buchautor und Blogger sein Geld verdient. Ein weiterer Mitstreiter im Board ist der Finanzprofessor Robert Hocket, der an der Cornell University Law School lehrt und nicht nur die Occupy-Bewegung von Beginn an unterstützt hat, sondern auch die Federal Reserve Bank und das amerikanische Finanzministerium schon beraten hat. Auch der Ex-Deusch-Banker Christian Brammer ist im Board vertreten. Wie sich der Board in den nächsten Jahren zusammensetzt, können die Mitglieder Der Occupy Money Cooperative bestimmen. Jeder Inhaber einer Occupy Card ist auch automatisch Mitglied der Genossenschaft.

Ich bin mir sicher, dass die Occupy Card nur der erste Schritt in Richtung einer eigenständigen Bank der Occupy Bewegung sein wird. Schon im Januar 2012 wurde auf einem eigens dafür eingerichteten Blog angekündigt, dass eines Tages die Occupy Bank gegründete werden würde. Seitdem ist es still auf diesem Blog geworden, aber jetzt wissen wir, was der nächste Schritt zumindestens einiger Anhänger der Occupy Bewegung sein wird. Und das klingt so, als ob der erste Schritt zeitnah erfolgreich gegangen werden könnte. Und wann kommt die Occupy Card nach Deutschland? Vielleicht können das ja Anhänger hier im Kommentarfeld beantworten. Auf jeden Fall ist die gesetzliche Regelung in Deutschland so, dass keinem Bankkunden die Eröffnung eines Bankkontos auf Guthabenbasis verwehrt werden darf. Das beinhaltet aber nicht zwingend die Ausgabe einer Kreditkarte auf Guthabebasis sowie die Teilnahme am Online-Banking. Insofern gäbe es auch hier in Detuschland einen Markt für die Occupy Card.

3 Responses to Occupy-Bewegung will Banken Konkurrenz machen

  1. Tom sagt:

    Gut wenn das eingezahlte Kapital über einen Einlagensicherungsfond abgesichert ist. Das ist gegenüber so manchen existierenden Debitkarten schon mal ein PLUS 🙂

    Wenn Occupy mit solchen „Konstruktionen“ mit Banken „mitbewerben“ will, sprint das zu kurz.

    Wenn Occupy anfängt, die Finanzierung von Unternehmen mittels „Crowds“ zu finanzieren, steigt die Occupy in das Banking ein, dass Occupy eigentlich will – Geld für die reale Wirtschaft – Keine Unterstützung, der sich verselbständigten „Finanzindustrie“.

    Mit vielen „kleinen“ Summen – 100 000 Euronen sind für eine „normale“ Bank aktuell keine Kreditsumme. Ohne dingliche Sicherheiten von mindestens 200 000 Euronen ist ein Kredit nicht zu bekommen – kann und darf die Bank auch nicht ausreichen!

    Noch sind „Crowds“ nicht das was sie sein wollen – noch werden „Crowd“ Beteiligungen, an zum Teil abenteuerlichen Bewertungen, festgemacht.

    Occupy könnte da „noch“ was bewegen.

  2. Hallo Tom,

    tatsächlich kooperiert die Occupy Money Cooperative mit etablierten Finanzdienstleistern der „alten Welt“, um durch die Provisionen genug Geld zu verdienen, damit anschliessend ganz neue Formen von Finanzierungsangeboten realisiert werden können. Das ist ein pragmatischer Weg, der funktionieren könnte. Denn letztlich lautet eine Lebensweisheit: Dass Bessere ist der Feind des Guten und des Schlechten 🙂

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