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Das Gegengift-Prinzip: Clarityray bietet einen AdBlock-Blocker an

Alle rätseln derzeit, ob und wie Jeff Bezos die Washington Post wieder auf Vordermann bringt. Wird er über die Zeitungsausausträger zusätzliche Produkte ausliefern lassen? Wird er den Content der Zeitung z.B. in EBooks formatieren, um dadurch tausende neue EBooks via Amazon vertreiben zu können? Wird er ganz neue Einnahmemodelle erfinden? Wird er ganz neue Geschäftsbereiche aufbauen, um Zusatzeinanhmen zu generieren? Noch wissen wir das nicht. Und vielleicht weiß es Jeff Bezos auch noch nicht. Spannend ist auf jeden Fall, dass aus einem mehr als 100 Jahre altem Unternehmen ein StartUp wird, in dem wahrscheinlich viel neu experimentiert wird. Die ganze Branche schaut derzeit gespannt hin.

Aber nicht nur neue Ideen suchen die Zeitungsverlage. Sie suchen auch ein Gegengift gegen eine sog. „Plage“. die sog. AdBlocker. Mittlerweile nutzten in Deutschland ca. 10 – 30 % der Besucher viele Webseiten solche Adblocker. Das führt natürlich dazu, dass die Werbeeinnahmen der Onlinemagazine deutlich einbrechen. Ob es nutzt, die Leser aufzurufen, solche AdBlocker nicht zu verwenden, ist fraglich. Auch das Angebot von freitag.de, Werbung manuell abschalten zu können, wird die meisten AdBlock-Nutzer nicht überzeugen. Was tun?

Eine Möglichkeit ist z.B., sich bei AdPlus auf die Whitelist setzen zu lassen. Der Mobile Geeks Blogger hat ausführlich darüber berichtet, welche Interessenkonflikte dadurch entstehen und die Akzeptanz des AdBlockers in Frage stellen können. Einen anderen Weg geht der Israeli Yablonka, der zusammen mit zweit Partnern das Startup Clarityray gegründet hat. Sie bieten einen AdBlock-Blocker-Plugin an, so dass der AdBlocker nicht oder nur teilweise funktioniert.

Laut Aussagen von Yablonka können die Kunden von ihm steuern, welche Formen von Werbeanzeigen vom AdBlocker geblockt werden können und welche nicht. Um den Wert und Nutzen seiner Technologie zu veranschaulichen, kann man auf der Webseite von Clarityray kostenlos überprüfen lassen, wie viel Prozent der Leser des Kunden AdBlocker verwenden und wie hoch der wirtschaftliche Schaden ist. Dann erscheint der Preis für die Lösung von Yablonka schon deutlich niedrig. Einfach und clever zugleich. Allerdings ist die Frage offen, wie viele Nutzer bestimmte Webseiten meiden, wenn der AdBlocker nicht funktioniert. Mehr Infos im folgenden WiWo-Artikel.

Auf jeden Fall ist die hier beschriebene Geschäftsidee ein schönes Beispiel für das Geschäftsideenkonzept „Gegengift“. In diesem Fällen muss man nur prüfen, welches „Gift“ welchen Unternehmen wie viel Schaden verursacht, um dann zu prüfen, mit welchem Aufwand und Nutzen man ein Gegengift herstellen kann. So haben wir z.B. am Anfang des Jahres darüber berichtet, dass US-Buchverleger derzeit ein „Gegengift“ gegen Amazon testen.

Meine Empfehlung. Man sollte sich nicht allein auf eine Gegengift verlassen, sondern einfach neue Geschäftsmodelle, Geschäftsbereiche etc. aufbauen, wenn sich die Welt grundlegend verändert. Deshalb sollten News-Magazin z.B. prüfen, ihren Content in anderen Form zu präsentieren, z.B. in Form von EBooks, Erklärvideos etc. Weiterhin kann geprüft werden, ob durch die Einführung von intelligenten Bezahlschranken neben den Werbe- auch andere Zusatzeinnahmen generiert werden. Wahrscheinlich wird es auch mehr Advetorials auf Webseiten geben. Oder den Nicht-AdBlock-Nutzern wird zusätzlicher Content angeboten. Viele „Wege führen nach Rom“.

4 Responses to Das Gegengift-Prinzip: Clarityray bietet einen AdBlock-Blocker an

  1. Ronny sagt:

    Dies sehe ich auch so. Die Zeitungen sollten sich nicht auf nur eine Einnahmequelle oder ein Medium einschießen. Die Masse machts und manchmal auch ein paar dezente Hinweise, wie vor Kurzem auf golem. de – http://www.golem.de/news/in-eigener-sache-was-auf-unseren-adblocker-aufruf-folgte-1306-99680.html Denn viele Nutzer wissen gar nicht, dass sie einen AdBlocker installiert haben, weil dieser automatisch von Freunden, Bekannten oder Admins eingerichtet wurde.

  2. Thomas sagt:

    Eventuell muss sich der Nutzer des Adblockers auch die Frage gefallen lassen, ob er sich auf Kosten des Journalisten/Bloggers/etc. durchnassauern will und den Inhalt/Content ganz ohne Gegenwert konsumieren will.

    Ja, in den meisten Fällen ist der Hinweis auf kaufbare Produkte und Leistungen für die der Webseitenbetreiber einen Gegenwert erhält, schlecht und aufdringlich. Aber rechtfertigt dies ein Nehmen ohne Geben ?

    Neue Produkte und Modelle nützen wohl wenig, wenn der Konsument (der Informationen, Rezepte, Bilder, Tutorials etc.) nicht bereit ist, etwas von sich zu geben.

  3. Hallo Ronny,

    dank für den spannenden Lesetipp auf Golem.

    Hallo Thomas,

    ich glaube, hier haben beide Seiten ihren Teil dazu beigetragen. Jetzt geht es darum Lösungen zu finden, die allen Seiten gerecht wird. Ansonsten befürchte ich, dass die ersten Webseiten zu einer harten Lösung greifen und Lesern, die einen AdBlocker nutzen, keinen Content mehr anzeigen, nach dem Motto: Keine Leistung ohne Gegenleistung.

    Auf der anderen Seite habe ich oben schon erläutert, dass man sich nicht alleine auf Werbekunden hinsichtlich seiner Einnahmequelle verlassen sollte. Sehr wohl sind auch Leser bereit, für bestimmten Content zu bezahlen.

    Gruss

    Burkhard

  4. Tom sagt:

    Prognose:
    Neuer Versuch 🙂 [Erster Beitrag wurde nicht genommen] Das Thema interessiert mich. Jeff Bezos hat mit der „WP“ die Jounalisten und deren Netzwerk festgehalten. Die „WP“ Print wird in den nächsten 10 Jahren vermutlich verschwinden.

    Die „WP“ Digital wird gekauft werden wie die „WP“ Print. Per „click“ via Smartphone – täglich, im Abo oder sogar nur per Artikel. Die einfachen Micropaymentsystem kommen noch.

    Warum „WP“ kaufen? Weil jeder der ehrliche und freie Informationen haben will Journalisten bezahlen muss. Nicht in Form von Werbung…via was auch immer…. Mit echter Währung – das garantiert den Journalisten ihr Einkommen und der „WP“ die Unabhägigkeit.
    „WP“ ist komplett Werbefrei. Markenzeichen ist „VALIDE FAKTEN“

    Wenn Print sich auf einen „digitalen“ Deal mit Werbung einlässt, ist das nach meiner Meinung kein neues Geschäftsmodell, sondern die Kapitulationserklärung einer freien „Presse“.

    Bezos kann eine lange „Durstrecke“ duchhalten,- mal schaun ob meine Prognose stimmt 🙂 Amazon Aktien bleiben eine Empfehlung.

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