In Crowdfunding, Featured, Geschäftsidee, Idee - Verlag

De Correspondet ist ein Paradebeispiel für Crowdfunding-Journalismus

Kann man heute noch eine Zeitschrift gründen, die nur online erscheint (mit einer Paywall) und nur durch die Abogebühren der Leser finanziert werden kann? Es geht, wie das Erfolgsbeispiel der holländischen Online-Zeitschrift „De Correspondent“ in diesem Jahr eindrücklich beweist. Alles fing im März 2013 mit einer breit angelegten Crowdfundingkampagne auf der Webseite der Zeitschrift an. Es wurden Abonnenten gesucht, die vorab 60 EUR Jahresbeitrag zahlen würden. Nach einem Auftritt des Chefredakteurs Rob Wijnberg in einer niederländischen Talkshow konnten fast 5.000 Abonnenten gezählt werden. Am Ende der vierwöchigen Crowdfundingkampagne konnten 19.000 Abonnenten vermeldet werden. Nach fünfmonatiger Vorbereitungszeit erfolgt der Launch am 30. September 2013. Zwei Monate später konnten schon mehr als 24.000 Abonnenten gezählt werden, was beweist, dass auch das fertige Produkt neue Leser überzeugt.

In einem ausführlichen Artikel hat jetzt Ernst-Jan Pfauth von „De Correspondent“ zahlreiche Erfolgsgeheimnisse hinter diesem Medien-StartUp verraten, das für Furore sorgt. Das Erfolgsgeheimnis Nr. 1 ist so simpel wie einleuchtend zugleich. De Correspondent veröffentlicht keine „News“, die schon hundert andere Zeitungen fast im gleichen Wortlaut veröffentlicht haben, sondern wirklich Neues. Diese Stories sollen aktuell sein, aber nicht über das „was“, sondern über das „warum“ berichten. Ziel ist es, tagesaktuelle Stories zu bringen, aber mit dem Ziel, tiefliegende Strukturen und langfristige Entwicklungen, die unsere Welt bestimmen und gestalten, aufzudecken, zu erklären und hervorzuheben.“

Ein weiteres zentrales Erfolgsrezept ist die Kommunikation mit den Lesern. Jeder Journalist vom „De Correspondent“ legt im geschützten Bereich einen sog. „Themengarten“ an. Hier veröffentlicht er vorab, über welchen Themen er in naher Zukunft in der Zeitschrift berichten will. Nun haben die Leser die Möglichkeit, Input zu geben und bisherige Rechercheergebnisse zu ergänzen oder zu korrigieren. Nehmen wir z.B. an, es soll über ein medizinisches Thema berichtet werden und „De Correspondent“ hat 100 Mediziner als Abonnenten. Dann wäre es doch fahrlässig, deren Know-how nicht abzuzapfen. Das erhöht nicht nur die Qualität des Artikels, sondern stellt auch eine enge Bindung zwischen Journalisten und Leser her. Mehr Infos dazu gibt es im Manifesto.

Wenn der Artikel zusammen mit den Lesern fertig erstellt wurde, wird er auf der Startseite für alle Abonnenten zur Verfügung gestellt. So werden auch die Abonnenten auf den Artikel aufmerksam, die sich nicht explizit für das Thema interessieren und nicht regelmäßig den entsprechenden „Themengarten“ des betreffenden Journalisten besuchen. Bei „De Corresponent“ steht der einzelne Journalist im Vordergrund, der seine Leser frühzeitig einbindet. So sieht eine moderne Mitmachzeitung aus, ohne dass alles auf die Leser ausgelagert wird. Qualitätsjournalismus sei nur möglich, wenn auch hauptamtliche Journalisten eingebunden seien und eine faire Bezahlung erhielten. Geld wird nur durch Abo-Gebühren und Spenden eingenommen. Werbung wird nicht geschaltet, um die Unabhängigkeit der Journalisten zu schützen. Kosten werden gespart, indem die Zeitschrift nur online erscheint.

Weiterhin faszinierend finde ich, dass der „De Corrspondent“ keine Werbung schaltet, um sich bekannt zu machen. Vielmehr übernehmen auch das die Leser. Sie können via Facebook und Twitter auf spannende Stories verlinken. Diese Stories sind durch die Verlinkung auch für Nichtabonnenten sichtbar. Allein nach Weiterempfehlung eines Artikels konnten fast 150 neue Abonnenten gewonnen werden. Wie bereits berichtet, konnten so nach dem Launch schon 4.000 neue Abonnenten gewonnen werden, die 60 EUR Jahresgebühr bezahlen. Das erinnert mich alles an die Erfolgsstory von „brand eins“, nur eben als Zeitschrift 2.0. Ich bin mir sicher, dass die Medienagentur Momkai, die das CMS und Layout entwickelt hat, in Zukunft noch viele weitere Aufträge für vergleichbare Zeitschriftkonzepte bekommt.

Mehr Infos bei pubiz und medium

One Response to De Correspondet ist ein Paradebeispiel für Crowdfunding-Journalismus

  1. […] Frühjahr 2013 sorgen die Gründer der Onlinezeitschrift “De Correspondent” (über die wir im letzten Jahr schon berichtet haben) für viel Wirbel. Nur Abonnenten, die 60 EUR […]

Schreibe einen Kommentar