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Welche Geschäftschancen bietet das Bundeskartellamt-Verbot der HRS-Best-Preis-Klausel?

Aufgrund des Timings (kurz vor Weihnachten) ist folgende Pressemeldung vom Bundeskartellamt am 20.12.2013 etwas untergegangen: Das Bundeskartellamt hat am 20.12.2013 die weitere Durchführung der Bestpreisklausel von HRS untersagt und dem Unternehmen aufgegeben, die Klausel bis zum 1. März 2014 aus den Verträgen und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu entfernen, soweit sie Hotels in Deutschland betreffen. Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, kommentiert diese Entscheidung in der PM wie folgt:

„Bestpreisklauseln bei Buchungsportalen im Internet sind nur auf den ersten Blick vorteilhaft für den Verbraucher. Letztlich verhindern die Klauseln, dass an anderer Stelle niedrigere Hotelpreise angeboten werden können. Damit beeinträchtigen Bestpreisklauseln den Wettbewerb zwischen bestehenden Portalen. Zudem wird der Marktzutritt neuer Plattformanbieter erheblich erschwert, weil diese aufgrund der Bestpreisklausel Hotelzimmer nicht günstiger anbieten können. Aus diesen Gründen haben wir jetzt auch Verfahren wegen vergleichbarer Bestpreisklauseln in Hotelverträgen gegen die Hotelportale Booking und Expedia eingeleitet.“

Auf die Reaktion von HRS musste man nicht lange warten, denn am selben Tag wurde folge Mitteilung herausgegeben: „Das Hotelportal HRS sieht in der Entscheidung des Bundeskartellamts zur Ratenparität keine Veränderung für seine Hotelpartner und Kunden. Bereits im Februar 2012 hatte HRS die Anwendung der sogenannten Bestpreis-Klausel, eine in der Hotelzimmervermittlung übliche Praxis, ausgesetzt, kurz nachdem die Behörde die Untersuchung aufgenommen hatte. In der nun veröffentlichten Entscheidung fordert das Bundeskartellamt HRS auf, die entsprechenden Vertragsklauseln zur Bestpreis-Garantie aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu entfernen. HRS wird dieser Forderung nachkommen.“

Damit scheint klar zu sein, dass HRS nicht von seiner Möglichkeit Gebraucht machen wird, gegen die Verfügung Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf einzulegen und gegen die sofortige Vollziehbarkeit einstweiligen Rechtsschutz zu beantragen. Aber man erwarte, dass auch die Wettbewerber expedia und booking.com in Zukunft auf ihre Best-Preis-Klauseln in Deutschland verzichten, damit es keine Wettbewerbsverzerrung gäbe. Darauf werde nun der Mittelständler aus Deutschland genau achten. Warum auch nicht?

Etwas überraschender (zumindestens für mich) kommt dann allerdings folgendes Versprechen von HRS: „Unabhängig von der Entscheidung des Bundeskartellamts steht HRS auch zu seinem Leistungsversprechen gegenüber seinen Kunden, über die HRS Plattformen immer das beste Angebot zu vermitteln. Sollte ein Hotelzimmer über ein anderes Online-Buchungsportal günstiger erhältlich sein, wird HRS – wie bisher auch – die Differenz begleichen.“ Das gilt allerdings nicht, wenn das Hotel selbst günstigere Preise anbietet.

Werden nun viele neue Hotelvermittlungsportale an den Start gehen, wie es das Bundeskartellamt erhofft? Ich glaube nicht daran, denn die Platzhirsche haben schon einen sehr großen Vorsprung. Trotzdem sehe ich viele Geschäftschancen, die sich jetzt bieten:

  • Hotels sollten wieder stärker selbst akquirieren. Sie haben jetzt die Chance, den Stammkunden spezielle Rabatte einzuräumen, wenn sie direkt buchen. Schliesslich spart sich das Hotel die bis zu 15 % Vermittlungsgebühren, die die großen Hotelvermittlungsportale verlangen. Trotzdem empfehle ich eher, durch Zusatzleistungen oder spezielle Buchungsformulare, in der die Wünsche der Kunden abgefragt werden und durch Alleinstellungsmerkmale zu punkten. Zudem bietet das Social-Media-Zeitalter viele Möglichkeiten, Kunden gezielt anzusprechen.
  • Spezielle Anbieter und Dienstleister können den Hotels bei der Direktakquise und Einführung von Kundenbindungs- und begeisterungsmaßnahmen helfen. Dieses Investment kann sich schnell amortisieren, wenn man bedenkt, dass sich dabei die Hotels die Vermittlungsgebühr der Hotelvermittlungsportale sparen können. Zudem machen sie sich in Zukunft unabhängiger von den Portalen, falls sie in Zukunft auf andere Art und Weise ihre Marktmacht ausspielen sollten.
  • Rabattportale können verstärkt in die Vermittlung von Hotelübernachtungen einsteigen. Ich denke hier speziell an Groupon und LastMinuteDealz. Denn jetzt haben diese Vermittlungsportale die Möglichkeit, einmalig günstige Preise anzubieten. Gerade im Last-Minute-Segment ergeben sich hier interessante Möglichkeiten. Die Konkurrenz der Zukunft für die etablierten Hotelvermittlungsportale sehe ich nicht im direkten Umfeld, sondern durch Wettbewerber aus ganz anderen Segmenten.
  • Natürlich haben auch StartUps die Möglichkeit, neu in das Geschäft von Hotelvermittlungen einzusteigen. Dann braucht es aber gute Alleinstellungsmerkmale und Ideen, wie z.B. triprebel zeigt (Niedrigpreisgarantie auch nach der Buchung). Alternativ könnte ein neues Hotelvermittlungsportal anbieten, dass man ein bestimmtes Zimmer im Hotel buchen kann. Damit könnte „auf der gesamten Klaviatur der Preisdifferenzierung gespielt werden“. Und der Kunde muss nicht mehr die „Katze im Sack“ kaufen.

Natürlich werden auch die etablierten Hotelvermittlungsportale prüfen, mit welchen Maßnahmen sie ihre Stellung verteidigen und evtl. sogar ausbauen können. Aber Nischenplayer haben immer die Chance, den etablierten Martteilnehmern „einen Stück vom Kuchen“ abzunehmen. Z.B. wäre eine Hotelvermittlungsportal speziell für Hundebesitzer eine lukrative Geschäftsidee. Eine darauf spezialisierte Agentur gibt es bereits. Sind Sie noch auf der Suche nach der passenden Serviceidee oder Alleinstellungsmerkmal. Hier habe ich zahlreiche Ideen dazu veröffentlicht. In der Ideen-Kategorie „Hotel“ gibt es mittlerweile 75 Ideen, von denen Sie sich inspirieren lassen können.

Fotoquelle: Hotel Hanseatin

One Response to Welche Geschäftschancen bietet das Bundeskartellamt-Verbot der HRS-Best-Preis-Klausel?

  1. Tom sagt:

    Hätte, könnte, sollte,….Hoteliers sind in in aller Regel keine Kaufleute, sondern familiengeführte „Herbergen“, die sich Hotel nennen. Sieht man von den Hotelketten ab, wird es dünn im Marketing. Ohne HRS hätten viele Betriebe keine Auslaustung. HRS richtet es schon und für bis zu 18% vom Umsatz werden wenigstens Buchungen generiert. Der Witz ist….Hotelzimmer über den Preis und nur über den Preis und eigentlich immer über den vergleichbaren Preis zu „vermitteln“. Es soll sie geben…die ihren Zimmerpreis nicht verkaufen…in deren Zimmer man unbedingt will….es gibt sie….mehr davon und am besten leicht zu finden…Portal wo bist du ?
    🙂

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