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Twitter als Geburtshelfer für einen Belletristik-TopSeller: “Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker”

Buchreport vermeldet aktuell, dass das Buch Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker: Eine Online-Omi sagt, wie’s ist im Taschenbuch-Verkaufsranking als höchster Neueinsteiger auf Platz 15 gelandet ist. Diese Tatsache alleine klingt nicht spektakulär, die Story dahinter sehr wohl. Denn der Geburtshelfer dieser Erfolgsstory ist der Kurznachrichtendienst Twitter. Wie konnte es dazu kommen?

Torsten Rohde, der in Sachsen-Anhalt lebt, ist im “wahren” Leben Controller und suchte zu seinem Berufsalltag einen “kreativen” Ausgleich. Die Inspiration zu seinem Twitter-Kanal bekam er auf einer Weihnachtsfeier vor eineinhalb Jahren. Er hörte den Omas und Tanten bei ihrem “Tratsch” zu und war schon nach zehn Minuten genervt. Nach einem Austausch mit einem Freund über Whatsapp und Beobachtungen in den nächsten Tagen beim Bäcker, Friseur und Arzt kam er zu der Einsicht, dass fast alle älteren Damen “ähnlich ticken” würden. Und damit war die Idee geboren, einen Twitter-Kanal unter dem Pseudonym “Renate Bergmann” zu starten und los zu schnattern.

Der Erfolg kann sich sehen lassen. Mittlerweile hat der Twitterkanal mehr als 22.000 Follower. Das liegt an der amüsanten und leicht verdaulichen Kost, die uns Renate Bergmann täglich präsentiert. Hilfreich war auch, dass über viele Monate gerätselt wurde, wer hinter dem Pseudonym stecken würde. Und als die Moderatorin und Autorin Sarah Kuttner die Oma Bergmann auch noch via Twitter “adoptierte” bzw. als ihre Oma ausgab, bekam der Hype um die twitternde Oma neue Ausmaße.

Und jetzt ist Torsten Rohde Buchautor fast wider Willen, auf jeden Fall ohne ursprünglichen Masterplan. Er twitterte ursprünglich nur aus Spaß an der Freud. Doch eines Tages kam eine Literatur-Agentur auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht ein Buch schreiben. Bei der großen Zahl an Fans, die alle potentielle Buchkäufer sind, war es wohl auch nicht schwer, den Rowohlt-Verlag dafür zu begeistern, das Buch zu verlegen. Und jetzt erobert die Oma Bergmann nach Twitter und Facebook auch die Welt der Buchleser. So einfach kann es gehen 🙂

Noch nicht überzeugt? Dann gibt es hier den Teaser-Text zum Buch: “Deutschlands bekannteste Twitter-Omi.» (Bild) hat Zucker (Diabetes, Anmerkung der Redaktion) und «Ossiporose», schläft unter einer Heizdecke und hat den Krieg nicht überlebt, um Kunstfleisch aus Soja zu essen: Renate Bergmann 82, aus Berlin. Ihre Männer liegen in Berlin auf vier Friedhöfe verteilt, das Gießen dauert immer einen halben Tag. Und à propos tot, Renate und ihre beste Freundin Gertrud haben ein schönes Hobby: Die beiden suchen sich in der Zeitung eine nette Beerdigung raus, ziehen was Schwarzes an, und dann geht es los. Zwei alte Damen mehr oder weniger am Buffet – da schaut keiner so genau hin.”

Bleibt nur die Frage: “Was kommt als Nächstes?” Vielleicht ein weiterer Roman. Oder gleich ein Kinofilm, der via Crowdfunding finanziert wird? Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Allerdings ist ein passender Kinofilm zum Thema leider schon heraus gekommen: “Paulette – Die etwas andere Oma”. Kein Problem, dann spielen einfach die beiden Autoren gemeinsam Bande, indem sie sich via Twitter oder anderer Kanäle gegenseitig die Bälle zuspielen. Und vielleicht besucht Oma Bergmann auch Paulette und berichtet darüber via Twitter.

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