In Geschäftsidee, V - Update

Erste Zwischenbilanz der Beteiligungs-Matchingplattform Venturate

Im Januar 2014 habe ich erstmals hier im Blog über die Beteiligungs-Matchingplattform Venturate berichtet. Gerade eine Show wie “Die Höhle der Löwen” zeigt anschaulich, wie wichtig das Matching zwischen Investoren und StartUps sein kann. Nur wenn die richtigen Parteien zusammen kommen, kann eine Win-Win-Situaton für alle entstehen. Und genau deshalb habe ich jetzt ein Interview mit René Seifert, einem der Mitgründer der Venturate AG, geführt. René begann seine Karriere während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Augsburg als Radiomoderator und Journalist bei den Lokalmedien in München. Nach verschiedenen Stationen schnupperte er als Director Entertainment der Lycos Europe “New Economy Luft”. Die weiteren Stationen werden auf der Webseite wie folgt beschrieben:

“In einem einjährigen Sabbatical bereiste René 2002/2003 die Welt und beschloss anschließend nach Bangalore (Indien) auszuwandern, wo er ein E-Commerce Unternehmen mit dem Vertriebskanal eBay gründete. Zudem führte er mit Level 360 Services Pvt. Ltd. diverse deutsche Unternehmen für Outsourcing-Projekte mit dem richtigen Partner in Indien zusammen. Parallel dazu baute er als Berater Holtzbrinck eLAB auf, einen Inkubator der Verlagsgruppe von Holtzbrinck, aus dem Unternehmen wie gutefrage.net oder Searchmetrics hervorgegangen sind. 2011 war er Mitgründer der Brain Pirates GmbH, einer Social Media-Beratung mit Sitz in München. Außerdem investiert René als Business Angel selbst über das Netzwerk “Mumbai Angels” in frühphasige indische Ventures.”

Wie viele StartUps, Business Angels, VC´s und industrielle Investoren haben sich bei Venturate bisher angemeldet?
René Seifert: Wie haben seit unserem Launch im Januar 327 Start-ups bei uns auf der Plattform sowie 397 aktive Investoren registriert. Letzte müssen gemäß unserer Kriterien in der Lage sein, pro Investment mindestens EUR 25k aufzubringen. Das Gros unserer Investoren sind dabei Business Angels (80 %), der Rest verteilt sich auf VCs, Family- bzw. Innovation-Offices von Unternehmen.

Wie viele Beteiligungen konnten schon über Venturate vermittelt werden und wie viele Anfragen gab es insgesamt bisher?
René Seifert: Bisher wissen wir von zwei Konkreten wie Teamstars und Beach Inspector, bei denen Axel Jockwer aus dem Venturate Expert Circle während seiner Expertenbewertung so viel Gefallen gefunden hat, dass er gleich selbst investiert hat und als Advisor mit an Bord gegangen ist. Ansonsten gehen wir den Beteiligungen nicht aktiv nach, wissen aber dass z.B. ein führender VC in Nordrhein-Westfalen Venturate aktiv nutzt, um die relevanten Gründer per XING/LinkedIn oder telefonisch zu kontaktieren. Für uns ist die Zahl der Kontaktanfragen als Metrik relevant, die pro Monat in einem mittleren 2-stelligen Bereich liegen dürfte. Messen können wir selbstverständlich nur Anfragen, die über die Kontakt-Funktion auf der Plattform erfolgen.

Gibt es Schwerpunkte bei den StartUps (Branche, Finanzierungsphase, etc)?
René Seifert: Es hat sich herauskristallisiert, dass es vorwiegend um die Frühphasenfinanzierung geht, also letztlich um die klassische Angel Runde, wenn z.B. schon ein lauffähiger Prototyp zu sehen ist. Aber auch da ergeben sich bereits ein paar interessante Opportunities auch für die VCs. In Punkto Branche sind wir breit über alles Digitale gestreut, was freilich auch unserem stetig wachsenden Netzwerk, eigenen Anstrengungen im Business Development auf Events sowie den zahlreichen Partnerschaften mit Hochschulen, Acceleratoren, Gründerzentren etc. geschuldet ist.

Wie lange gelten noch die Einführungsangebote (keine Gebühren für StartUps, BA, …)?
René Seifert: Diese kostenlosen Angebote wollen wir noch bis Ende des Jahres aufrechterhalten.

Welche Erwartungen haben sich bisher erfüllt, welche nicht?
René Seifert: Erfüllt hat sich unser Anspruch schnell im Markt anzukommen. Ich denke, das haben wir ganz ordentlich hinbekommen: Unser Bekanntheitsgrad in der Community ist hoch, wir sind wohl gelitten und werden gerne zu Events als Speaker eingeladen oder als Partner auf Augenhöhe behandelt. Ebenso sind wir mit der Anzahl der Registrierungen zufrieden. Wo sich Dinge anders erwartet haben: Wir hätten gedacht, dass sich die Kontaktanfragen einigermaßen gleichverteilt stattfinden. Tatsache ist jedoch, dass es eine Konzentration auf wenige “Stars” gibt (und das obwohl Investoren nicht durch die Information der Kontaktanfrage anderer Investoren beeinflusst werden). Letztlich ist dieser Darwinismus wohl fester Bestandteil des Venture-“Games”.

Für welche StartUps ist ein Listing bei Ihnen nicht geeignet (z.B. No Go Branchen, etc.)?
René Seifert: Wenn wir mal profitable Themen außen vor lassen, die gegen Recht und Gesetz sowie die guten Sitten verstoßen, dann sind wir sehr klar auf Start-ups mit den klassischen Venture-Dynamiken fokussiert. Heißt: Vorfinanzierungsbedarf, Risiko des Totalscheiterns aber Phantasie im Erfolgsfall 20-30 x des Investments zu liefern. Das trifft bei den meisten digitalen Themen zu, bei einem Hundesalon oder einer Stehkneipe – so schöne Geschäfte das auf sein mögen – jedoch nicht.

Wie steht es um die Qualität der Start-ups, die sich bei Ihnen anmelden?
René Seifert: Dazu haben wir auch im Verlauf unseres halbjährigen Bestehens dazu gelernt. Anfangs haben wir alle Start-ups bei uns auf die Plattform zugelassen, inzwischen lehnen wir über die Hälfte ab, weil wir sie als nicht “investable” ansehen. Entweder ist das Produkt noch nicht erkennbar oder die Idee bewegt sich abseits vom Markt auf zu dünnem Eis. Letztlich haben wir verstanden, dass wir mit diesem Vorfilter unseren Investoren mehr Fokus auf die wirklich relevanten Start-ups bieten.

Mehr Infos gewünscht? Hier gibt es ein 30-Minuten-Podcast-Interview mit René Seifert.

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