In Crowdfunding, Geschäftsidee, Idee - Verlag

Perspective Daily will mit konstruktivem Journalismus mindestens 12.000 Crowdfunding-Abonnenten anziehen

Das Abo-Crowdfunding-Journalismus-Projekt „De Correpondent“ aus den Niederlanden sorgte in 2013 für viel Furore, weil es in kurzer Zeit mehr als 19.000 Crowdfunding-Abonnenten gewinnen konnte, die jeweils 60 EUR pro Jahr im Voraus bezahlten, um das Projekt ins Rollen zu bringen. Zwei Monate nach dem Start konnten dann schon 24.000 Abonnenten gezählt werden. Und momentan sind es sogar mehr als 40.000 Abonnnenten. Da war es logisch, dass auch in Deutschland schnell Copy Cats auf den Markt kommen würden.

Und tatsächlich startete ungefähr ein Jahr später Krautreporter ein ähnliches Projekt und konnte ganz zum Schluss die Zielmarke von 15.000 Abonnenten (identische Zielmarke wie bei De Correspondent) vermelden. Die Medienhype um das Projekt war groß. Die Umsetzung enttäuschte dann aber viele Beobachter. Als nach einem Jahr sogar die „Trittbrettfahrer“ ausgesperrt wurden und nur Mitglieder die Artikel lesen durften, war es um die Begeisterung des Projektes in der Öffentlichkeit komplett vorbei.

Und genau jetzt, wo fast alle (in Deutschland) ernüchtert sind, starten drei Wissenschaftler mit Erfahrung als Journalisten den Versuch, zu zeigen, wie es (besser) gehen kann. Ihr Projekt heißt „Perspektive Daily“. Vor wenigen Monaten hieß das Projekt noch „Positive Daily“. Denn die Gründer wollen zusammen mit einem Journalistenteam konstruktiven Journalismus betreiben (mehr zum Thema gibt es bei Wikipedia nachzulesen). Klingt konzeptstark, weil unter den drei Gründern auch ein Innovationsberater ist, der sich damit auskennt, Neues zu wagen. In einer PM erläutern sie ihren Ansatz wie folgt:

„Viele Menschen haben nachweislich ein viel zu negatives Weltbild, da sie immer nur die negativen Seiten der weltweiten Entwicklungen präsentiert bekommen. Mit einer ausgewogeneren Berichterstattung, die auch langfristige positive Entwicklungen berücksichtigt, will Perspective Daily ein realistischeres Weltbild schaffen. Dabei geht es nicht um rein positive Wohlfühl-Nachrichten: Die drei Gründer wollen sich vor allem mit zukunftsrelevanten Themen, darunter auch aktuelle Herausforderungen wie Flüchtlingskrise, Klimawandel und der Zusammenhalt der Europäischen Union, beschäftigen. Aber eben konstruktiv. Es geht darum, über das Problem selbst hinauszublicken und mögliche Lösungen zu entwickeln, Wir wollen nicht nur das ‚Wieso?‘ zeigen, sondern auch die Frage stellen Wie kann es besser werden?.“

Klingt gut, wenn es dazu auch schon verschiedene Projekte in Deutschland und der Welt gibt (siehe WIKIPEDIA-Artikel). Warum nicht in dieser Kategorie eine Abo-Crowdfunding-Aktion starten? Gedacht, getan. Seit 17. Januar 2016 können jetzt alle ein Abo zeichnen, für 42 EUR pro Jahr. Bis zum 21. Februar 2016 sollen mindestens 12.000 Abonnenten zusammenkommen, damit das Projekt im April 2016 starten kann. Klingt ganz nach dem Motto: „Von allem ein bisschen weniger.“ Sprich 42 statt 60 EUR Abogebühr, 12.000 statt 15.000 Abonnenten als Mindestziel (im Vergleich zu Krautreporter). Mmmmh, reicht das? Und braucht es wirklich 500.000 EUR Startkapital? Das Themenspektrum ist leider auch genauso breit wie bei Krautreporter. Das Tappen in die Beliebigkeitsfalle könnte auch hier wieder geschehen. Und ähnlich wie bei der Krautreporter-Crowdfundingaktion wird den potentiellen Abonnenten keine Kostprobe präsentiert, was zu ein großen Enttäuschung (wie bei Krautreporter) führen kann. Aber die Gründer erläutern dieses Vorgehen wie folgt:

„Wir bieten keine Beispiel-Artikel an, da unsere redaktionelle Arbeit erst nach einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne starten kann. Wir sind ein unabhängiges Start-Up, hinter uns steht kein großer Verleger. Das bedeutet auch, dass wir nicht die Ressourcen haben, um eine Reihe von fertigen Beiträgen anzufertigen und anzubieten. Genau dafür ist die Crowdfunding-Kampagne da: Um uns zu ermöglichen, Perspective Daily täglich mit Inhalt zu füllen, um weitere Mitglieder für Perspective Daily zu gewinnen und unser Angebot stetig zu erweitern. Hinzu kommt, dass unsere Berichterstattung sich an den Anregungen und Wünschen der Mitglieder orientiert. Wer Beispiele für Konstruktiven und lösungsorientierten Journalismus sucht, kann englische Beispiele hier lesen: De Correspondent bietet einige Beispielartikel in englischer Sprache an, die Kolumne „Fixes“ in der New York Times und zahlreiche Artikel auf der amerikanischen Website vox.com.“

Ebenfalls mutig ist, nicht die Power einer etablierten Crowdfundingplattform zu nutzen, sondern eine Selfmade-Crowdfundingaktion auf der eigenen Seite durchzuführen. Erklärt wird das damit, dass es sich ja um eine Abomodell handele und man deshalb die direkten Kontaktdaten der Nutzer bräuchte. O.K. Aber warum wird dann die Chance nicht genutzt, im Rahmen des Onlineanmeldeprozesses nicht noch weitere Informationen zu erlangen (Themeninteressen, know how, journalistische Erfahrung, etc.)? Aber immerhin wird an anderer Stelle um Themenvorschläge gebeten. Und noch was ist Besonders. Seit 15. Januar sind sie auf Deutschlandtournee unterwegs, um ihr Projekt vorzustellen (gestartet sind sie in Münster, dem Gründerstandort dieses Projektes). Das könnte ein Grund sein, warum sie in etwas mehr als einer Woche schon 2.000 Abonnenten gewinnen konnten. Ein guter Start. Und das „Bewerbungsvideo ist auch ganz lustig und zeigt, dass das Projekt schon prominente Unterstützer gewinnen konnte:

Schreibe einen Kommentar