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Spannende StartUp-Story: Gusti-Leder testet viel auch dank Facebook Samples

Christian Pietsch ist während der Semesterferien seines VWL-Studiums viel durch die Welt gereist und erhielt dadurch viele Inspirationen für seine berufliche Zukunft. Im Jahr 2007 rief er “Gusti Leder” ins Leben und verkaufte neben dem Studium nachhaltige Ledertaschen, bevorzugt aus Ziegenleder im Vintage-Design. Im Jahr 2009 machte er seine ersten Online-Gehversuche auf Ebay, Amazon und Co.. Im Jahr 2010 startete der diplomierte Volkswirt mit seinem Onlineshop richtig durch. Mittlerweile hat er neben dem deutschen Shop auch über fünf weitere Ländershops aufgebaut und verkauft damit seine Lederwaren in die ganze Welt. Aktuell verkauft er mehr als 20.000 Taschen und andere Produkte pro Monat, was ihm erlaubt, derzeit mehr als 70 Mitarbeiter zu beschäftigen.

Das klingt nach einer großen Erfolgsstory, ohne damit je im großen Rampenlicht der StartUp-Medien gestanden zu haben. Allerdings gab es auf dem Weg zum Erfolgsunternehmen auch viele Herausforderungen zu meistern. “Wir haben am Anfang den Fehler gemacht, unseren Kunden und Kundinnen ein perfektes Produkt aus Familienherstellung verkaufen zu wollen. Natürlich war es nicht so perfekt wie auf dem Foto. Es ist schließlich alles Handarbeit, aber das erzählten wir so nicht. Es war uns peinlich. So kam es am Anfang zu einer großen Retourenentwicklung”, erinnert sich der Geschäftsführer heute. Mittlerweile erkennt das Unternehmen in dieser anfänglichen Schwäche eine echte Stärke. “Wir verkaufen Taschen, die nicht chemisch gegerbt sind, sondern pflanzlich.” Sehr sympathisch finde ich, wie der Gründer auch über seine Fehltritte in der Öffentlichkeit berichtet.

Wichtig ist dem Gründer, dass sein Team alles frei entscheiden kann: Marketing, Preise, Service und die Produktentwicklung, wobei in letzter Zeit immer häufiger die Hilfe von den Usern eingeholt wird. So beschäftige Gusti-Leder bis vor wenigen Monaten noch ein eigenes Produktteam, bestehend aus vier Leuten, die sich darauf konzentrierten, neue Produkte zu entwickeln. Dieses Team sollte möglichst das Verlustrisiko verringern. Die Produkte wurden in kleiner Stückzahl produziert, wodurch sich die Produktionskosten erheblich erhöhten. Darüber hinaus mussten viele Produkte wieder abgesetzt werden, da sie einfach unfertig waren. Besonders in bestimmten
Nischen fehlte die Expertise.

So entschied Christian Pietsch, dass sich die ProduktmanagerInnen nur noch auf den Kontakt zu den Produzenten in Indien konzentrieren und die Bestellungen überprüfen sollen. Gleichzeitig wurde ein eigenes Sample­Video­Team gegründet. Dieses Team stellt seit acht Monaten regelmäßig auf der Facebook­Seite von Gusti Leder neue Produkte vor und fragt die Community nach ihrer Meinung. Als Anreiz gibt es häufig etwas zu gewinnen. Die Ergebnisse in den Kommentaren überraschten positiv. Die kurzen Clips wurden von den FollowerInnen angenommen und Produkte konnten seitdem mit einer höheren Expertise und geringerem Verlustrisiko (Vermeidung unnötiger Fehlproduktionen) entwickelt werden.

Gusti Leder – Die Story 2015 from Gusti Leder on Vimeo.

Durch gezielte Fragestellungen nach Verschlüssen, Innenfächern, Trageriemen und dem Interiör erhält das Unternehmen auf der einen Seite wertvolle (Experten­)Tipps (insbesondere für Nischenprodukte wie Dampfertaschen und Fahrradtaschen) und kann letztendlich ausgefeiltere Produkte anbieten. Gusti
Leder konnte dadurch einen enormen Zuwachs in ihrer Follower­Zahl (knapp 20.000), Reichweitenzahl, Kommentarzahl (von den aktuell 3.000 Kommentaren pro Monat entfallen ca. 35 – 50 % auf SampleKurzclibs-Beiträge) und Like­Zahl messen. Darüber hinaus stieg die Zahl der Beitragsaufrufe signifikant. So kann Gusti Leder Produkte im Shop anbieten, die selbst in den kleinsten Nischen bestehen können. Diese Produkte können in großer Stückzahl bestellt werden, was Kosten spart.

Die Zahlen sind für ein StartUp sehr beeindruckend. Aber nicht jede Kampagne erfüllt die Erwartungen. So sind Produkthintergrundinformationen (Infos zum Produktionsprozess und Hersteller) eine Nicetoknow, fördern aber weniger die Verkaufszahlen. Umgekehrt können auch eher “unangenehme Themen” mit der Community konstruktiv besprochen werden: Eine Facebook-Umfrage zur Lohnerhöhung für die indischen Produzenten und die damit verbundene Preiserhöhung der Produkte wurde von der Nutzergemeinschaft fast ausschließlich befürwortet. Das liegt vielleicht auch daran, dass die Preise für die Gusti-Leder-Produkte dank der Ausschaltung von Zwischenhändlern und weil Ziegenleder ein “Abfallprodukt” ist immer noch relativ günstig sind. Gusti Leder ist für mich ein Paradebeispiel, wie man seine Kunden und Fans in alle wichtige Themen mit einbindet und auch ein großes Warensortiment als StartUp erfolgreich managen kann.

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