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The Graide Network vermittelt Studenten, die für Lehrer Klassenarbeiten korrigieren

Für Unternehmen ist es fast selbstverständlich geworden, verschiedene Tätigkeiten auszulagern. Spätestens seit dem Buch „Kopf schlägt Kapital“, in dem Prof. Faltin seine Strategie „Gründen in Komponenten“ ausführlich erläutert, ist auch Outsourcing für Gründer in aller Munde. Aber selbstverständlich nutzen auch Privatpersonen zahlreiche Outsourcing-Möglichkeiten (Wäscherei-Service, Handyman-Service, Putzfrau, etc). Angestellte Personen kommen bisher dagegen noch selten auf die Idee, bestimmte Tätigkeiten an externe Dienstleister outzusourcen.

Das will jetzt aber zum Beispiel das US-Start-Up „The Graide Network“ ändern. Lehrer können dank der Plattform die Korrekturarbeiten von Klassenarbeiten an Lehramtsstudenten (für ca. 10 USD pro Stunde) auslagern. Dafür lädt der Lehrer die Klassenarbeiten online hoch, nennt Schwerpunkte der Korrekturen und verrät die Lösungshinweise. Darauf hin sucht The Graide Network den passenden Lehramtsstudenten, der in ca. 3 – 4 Tagen die Korrekturen inkl. Feedback und Erläuterungen online (via Scan) dem Lehrer zur Verfügung stellt.

Ende Mai 2016 hat die Junglehrererin Nina Toll diese Geschäftsidee in einem Blogbeitrag vorgestellt und sich darüber Gedanken gemacht, ob es ihr als verbeamtete Lehrerin erlaubt wäre, diesen Outsourcing-Service in Anspruch zu nehmen. Spiegel Online hat diese Diskussion aufgegriffen und sich ebenfalls mit dieser Fragestellung beschäftigt. Laut Interview mit einem Experten gäbe es in Deutschland Probleme mit dem Datenschutz. Zudem sei es eine Kernleistung des Lehrers. Nach Veröffentlichung dieses Beitrages gab es eine hitzige Diskussion über angeblich faule Lehrer etc. Nina sah sich in einem weiteren Blogpost genötigt, dazu ausführlich Stellung zu nehmen.

Dieses Beispiel zeigt mir, dass Ideen aus anderen Ländern meist nicht 1:1 übernommen werden können, sondern die rechtlichen, kulturellen und moralischen Unterschiede berücksichtigt werden müssen, weshalb die Ideen entsprechend angepasst werden müssen. Die Gründer aus den USA erkennen diese Problematik nicht und glauben deshalb, auch den deutschen Markt genau mit diesem Angebot erobern zu können. Ich vermute allerdings, dass ein deutsches Copy Cat, das die Idee anpasst, hier mehr Erfolg haben könnte.

Und die Markteintrittsstrategie wäre sehr einfach: Via Konfliktmarketingkampagne könnte das Start-Up hier schnell erfolgreich werden (siehe die hitzige Diskussion bei Spiegel-Online). Oder Sie nutzen das Angebot nur als sog. Trojaner, und im zweiten Schritt ganz anderen Leistungen und Produkte an Lehrer zu verkaufen. Zudem könnten sich findige Gründer überlegen, welche Outsourcingdienstleistungen sie zudem Angestellten und anderen Zielgruppen anbieten könnten.

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