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Mit individuellen Verpackungen senken Onlineshops die Retourenquote

Stellen Sie sich vor, es ist Weihnachten – und unterm Baum stehen nur braune Pappkartons. Kein Schleifchen, kein buntes Papier und keine persönliche Weihnachtskarte weit und breit. Dieses Gefühl der Ernüchterung kennen Online-Shopper zu genüge – schließlich müssen sie das bestellte Produkt, das sie doch freudig erwartet haben, in der Regel aus genau so einem unpersönlichen Versandkarton fischen, meistens nur begleitet von einer automatisierten Rechnung und einem Haufen uninteressanter Paketbeilagen, die oft sofort in den Papierkorb wandern.

Das geht auch anders, dank einer personalisierten Verpackung. Denn eine hochwertige, personalisierte Verpackung erfreut den Kunden nicht nur und macht den Moment des Auspackens besonders – sie bindet den Empfänger auch psychologisch an das Paket. Denn es fällt Menschen viel leichter, sich von einem neutralen Gegenstand wieder zu trennen als von einer Sache, mit der sie sich persönlich identifizieren. Durch eine schöne Verpackung und individuelle Beileger wird aus irgendeinem Paket beinahe ein persönliches Geschenk – und wer gibt schon Geschenke wieder zurück?

Dieser psychologische Effekt wirkt sich ganz greifbar auf die nüchternen Kennzahlen des Verkäufers aus – denn er senkt die Retourenquote. Das bestätigen viele Online-Händler, die bereits auf individuelle Umverpackungen setzen – so wie shoepassion, einer Marke für handgefertigte Schuhe und Accessoires, sowie Kunde von Adnymics. „Auf das Versandpaket legen wir besonderen Wert. Unsere Kunden erhalten Versand- und Schuhkartons, die aus hochwertigen, nachhaltigen Materialen bestehen“, berichtet Simon Kronseder, Head of Marketing bei shoepassion.

Das Paket stellt im digitalen Handel den einzigen physischen Kontakt zwischen Händler und Kunde dar – und der sollte positive Emotionen auslösen. „Das Paket kann viel mehr sein als nur ein notwendiges Übel“, betont Daniel Kirin, Head of Marketing bei Adnymics. „Es ist ein zusätzlicher Kanal für Branding, Bestandskundenmarketing und persönliche Beratung.“ Das Münchner Unternehmen hat sich auf individuelle Paketbeilagen spezialisiert.

„Das Paket ist die Visitenkarte des Online-Shops und beeinflusst die Produkt- und Unternehmenswahrnehmung immens“, bestätigt printmate-Gründer Julian Jost. Die printmate GmbH ist ein im März 2015 gegründetes Start-up aus Berlin, das sich dem Onlinedruck von Versandverpackungen im kundenindividuellen Design verschrieben hat. Hauptzielgruppe ist der Onlinehandel, den printmate in Auflagen ab 100 Exemplaren beliefert.

Foto: Meine Spielzeugkiste. Wir haben hier darüber gebloggt, wie aus einer Versandbox eine Spielzeugkiste werden kann. Mehr innovative Verpackungs-Ideen finden Sie hier.

6 Responses to Mit individuellen Verpackungen senken Onlineshops die Retourenquote

  1. Ronny sagt:

    Dem kann ich nur beipflichten. Und ganz ehrlich ich kann nicht verstehen, warum die meisten Onlinehändler nicht damit anfangen ihre Verpackungen zu individualisieren.

    Mir ist dies zum ersten Mal bewusst aufgefallen, als ich in Tokio war. Dort hatten die meisten Händler (offline nicht online) individuelle Verpackungen für ihre Produkte. Diese waren zum Teil so aufwendig gestaltet, dass man die Verpackungen und damit auch das Produkt nicht zurückgeben wollte (man hat darüber nicht einmal nachgedacht)

  2. Ansgar sagt:

    Das liegt wirklich auf der Hand. In jedem stationären Geschäft sind die Produktpositionierung und -präsentation ein wichtiges Thema. Der PoS ist bietet so viele wichtige Faktoren für die Vermarktung. Und bei Internetkäufen ist es eben nicht (nur) der Onlineshop, welcher ansprechend gestaltet werden sollte. Auch der erste physische Kontakt des Kunden mit dem Produkt sollte genutzt werden.

  3. Sascha Woll sagt:

    Ich bin manchmal richtig erstaunt wie schön einige Versandverpackungen sind. Durch den wertigeren Eindruck ist es tatsächlich so das ich eher von einer Retoure absehe. Ich verstehe gar nicht das nicht alle Hersteller und Verkäufer sich diese Mühe machen… kosten Retouren doch eine riesige Menge an Geld.

  4. Jochen W. sagt:

    Dieser Artikel spricht ein sehr wichtiges und vor allem spannendes Thema an! Und ich kann die im Artikel erwähnten Argumente und Stickpunkte genauso unterschreiben. Ich bin der gleichen Meinung, dass das Design einer Verpackung einen erheblichen Einfluss auf den Kunden hat. Sowohl im Geschäft als auch in der Versandwelt. Oft entscheidet man sich für ein bestimmtes Produkt aufgrund der Verpackung. Man überträgt die Qualität des Designs auf das Produkt. Deshalb unterstütze ich diese Aussage, dass individuelle Verpackungen die Retourenquote senken kann.

    Weihnachten steht auch vor der Tür und ich gehöre auch zu den Menschen, die viele Geschenke über das Internet kaufen. Auch wenn es am Ende nicht für mich ist, glaube ich schon daran, dass eine schöne Verpackung auf meinen Verhalten hat!
    Und dieses Jahr bin ich sogar recht pünktlich fertig geworden alle Geschenke einzukaufen. Mir habe ich auch schon ein Weihnachtsgeschenk gemacht. Und zwar habe ich mir ein neues Smartphone mit LTE Datentarif geschenkt. Ich finde, dass man sich auch mal was gönnen darf.

    Vielen Dank für den interessanten Artikel und allen einen schönen 4. Advent!

  5. Danke Ronny für den Hinweis, dass man mit individuellen Verpackungen auch im Offline-Handel die Umtauschquote reduzieren kann.

    Mehr Ideen, die Retourenquote von Onlinehändlern zu reduzieren, habe ich unter http://www.best-practice-business.de/?s=retoure aufgelistet.

  6. Danke für diesen wirklich interessanten Beitrag. Das beschriebene Phänomen kenne ich nur zu gut – beruflich wie privat. Der psychologische Kunstgriff ist so genial wie logisch: Eine besonders hochwertige, coole, originelle oder einfach nur richtig schöne Versand- oder Produktverpackung hat schließlich den Charakter eines Geschenks. Und zack, schon greift das Naturgesetz der Gegenseitigkeit (von Kennern auch Reziprozität genannt). Wer sich beschenkt fühlt, möchte zwanghaft etwas zurückgeben (bzw. in diesem speziellen Fall eben gerade nicht ;-). Dann blendet man auch gerne mal aus, dass die im Onlineshop bestellte Bluse nicht sooo optimal sitzt.

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