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Nur wenige Wochen nach Start wird Teenie-App „tbh“ von Facebook für viel Geld gekauft

Die Nachricht schlug vor wenigen Tagen wie eine Bombe ein. Es wurde vermeldet, dass Facebook die App tbh (steht für „To be Honest)“ für einen hohen zweistelligen Millionenbetrag gekauft hat. Warum überraschte diese Meldung, schließlich kauft Facebook ständig neue Unternehmen? Aber in diesem Fall hat scheinbar ein kleines StartUp in wenigen Wochen ein „neues Märchen“ geschrieben. Denn erst im Sommer 2017 kam die tbh-App an den Markt. Sie funktioniert nur auf Apple-Geräten und ist noch nicht einmal flächendeckend in den USA erhältlich, geschweige denn im Rest der Welt.

Trotzdem wurde die App schon mehr als fünf Millionen Mal heruntergeladen. Gemessen an der Zahl der Downloads überholte damit die App Ende September Konkurrenten wie Instagram, Whatsapp und Co. Mehr als 2,5 Mio. vorrangig junge Menschen nutzen die App täglich. Und mehr als 1 Mrd. Interaktionen konnten schon gezählt werden. Diese Zahlen machte Facebook hellhörig. Und da Facebook noch eine junge, hippe App im Portfolio fehlte, wurde die Firma dahinter einfach schnell gekauft, bevor der Kauf zu teuer oder ein anderer Konkurrent auf die Idee gekommen wäre.

Was macht die App nun so attraktiv bei den Nutzern? Mit ihr kann man anonymisiert Komplimente an andere Nutzer in der Kontaktliste senden. Das Wichtigste: Es gibt nur geschlossene Fragen. Damit soll sichergestellt werden (im Gegensatz zu einigen anderen vergleichbaren Apps), dass tatsächlich nur positive Botschaften verschickt werden es keine Möglichkeit gibt, dass die App für Cyber-Mobbing genutzt wird. Und genau damit unterscheidet sich „tbh“ von vielen vergleichbaren Apps. Eine gutes Beispiel, wie hier das „Zahnrädchen“ nur um einen Zacken weiter gedreht wurde und sich der Erfolg einstellte.

Im Gegensatz zu anderen Akquisitionen von Facebook sollen die Macher hinter dieser App nicht alleine gelassen werden, sondern als Facebook-Mitarbeiter eng in den Facebook-Kosmos eingebunden werden. Denn die Herausforderungen sind groß, damit die Zahl der App-Downloads weiterhin hoch bleibt. Hierfür muss nicht nur sichergestellt werden, dass möglichst nicht nur in den USA alle App-Nutzer Zugang erhalten können. Es müssen auch neue Funktionen eingebaut werden, ohne den „Kern der Idee“ zu zerstören. Eine neue Idee ist, dass die Personen, die ein Kompliment erhalten haben, dem anonymen Absender eine Nachricht schicken können. Dieser hat daraufhin die Möglichkeit, seine Identität preiszugeben.

Auf den ersten Blick klingt alles wie ein modernes Märchen. Da haben vier junge Menschen eine gute Idee, bringen die App an den Markt, die App sprengt in wenigen Wochen fast alle Hitlisten, die Firma dahinter wird dann sofort für viel Geld von Facebook gekauft, die Erfinder sind über Nacht Multimillionäre und können mit einem großen Expertenteam ihre App weiter entwickeln. ABER: Bei der Berichterstattung über dieses moderne Märchen wird fast immer nicht erwähnt, dass das Unternehmen hinter der tbh-App, die Firma Midnight Labs, schon sieben Jahre alt ist. Die Gründer haben schon viele Apps auf den Markt gebraucht (Finanz-App, Persönlichkeitstest-App, Chat-App, etc). Aber erst jetzt kam der Durchbruch.

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