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Beim Online-Supermarkt „myEnso“ bestimmen die Kunden, was sie einkaufen können

Viele bekannte Handelsunternehmen aber auch Quereinsteiger versuchen derzeit, den Milliardenmarkt für den Lebensmittel-Onlinehandel zu erobern. Allerdings scheinen die meisten Kunden noch nicht überzeugt zu sein. Nur ca. ein Prozent des Lebensmittelhandels wird derzeit online abgewickelt. Woran liegt das? Mit dieser zentralen Frage hat sich die Enso eCommerce GmbH aus Bremen gemeinsam mit Kantar TNS ein Jahr lang beschäftigt. Entstanden ist ein Konzept für den Online-Supermarkt der Zukunft: myEnso.

Die wichtigste Erkenntnisse der Marktrecherche waren: Die derzeitigen Online-Supermärkte sind lediglich Produktkataloge, sie bieten keinerlei Inspiration und Kauferlebnis und spiegeln nicht die Art und Weise wider, wie Konsumenten einkaufen wollen – nämlich anlassbezogen. Zudem bestimmen heute Die Einkaufskonditionen und Vorgaben des Handels überwiegend, welche Produkte in den Supermärkten überhaupt gelistet werden und was wir konsumieren. Und genau das will das neue Start-Up „myEnso“ ändern.

Ein 100-prozentiger Kundenfokus soll dem Online-Lebensmittelhandel zum Durchbruch in Deutschland verhelfen. Zentrales Element des myEnso-Konzepts ist daher der „Wünsch-dir-was-Button. Der Kunde kann sich Produkte wünschen, die sich noch nicht im Sortiment befinden. Bei 1.000 Likes sollen Produkte dann tatsächlich im Sortiment landen. Aufgrund dieser Erfahrungen sollen auch ganz neue Produkte mit den Herstellern entwickelt und getestet werden. Dadurch soll das Angebot systematisch erweitert werden und die Floprate bei Einführung neuer Produkte signifikant reduziert werden.

Kundenfokus bedeutet bei myEnso auch die unmittelbare Beteiligung an dem Unternehmen. Ein Genossenschaftsmodell soll allen eine direkte Teilhabe erlauben. Jeder kann für einmalig 100 Euro einen Anteil an myEnso erwerben und kommt sofort in den Genuss eines Vorteilsprogramms. Dies Genossen sollen darüber hinaus einen Geschäftsführer stellen und auch einen Sitz im Beirat von myEnso erhalten. Somit handelt es sich bei myenso um ein Mitmach-Supermarktkonzept. Es will sich von allen Zwängen traditioneller Handelsunternehmen befreien.

Das Genossenschaftsmodell dient aber nur bedingt als Finanzierungsmodell. Denn der Investitionsbedarf beläuft sich nach Schätzungen der Gründer bis Ende 2019 auf 95 Millionen Euro. Investoren von myEnso sind die beiden Gründer sowie zahlreiche Industrie- und Logistikpartner, die das Konzept über individuelle Partnerverträge unterstützen. So testen seit Mai 2017 45 Pflegeeinrichtungen der Convivo Unternehmensgruppe Sortiment und Lieferung von myEnso. Insofern fungieren die Partner nicht nur als Investoren, sondern auch als Testpartner.

Vor kurzem hat myEnso die nächste Testphase gestartet. In Bremen werden seit Anfang Oktober die ersten Testkunden beliefert. Später im Jahr sollen auch Hamburg und Hannover als Testmärkte dazukommen. Im Frühjahr 2018 soll dann der bundesweite Rollout von myEnso beginnen. myEnso will das Sortiment von ungefähr 30.000 Produkten im Frühjahr 2018 bis Ende 2019 auf etwa 100.000 Produkte nach und nach ausbauen – bestehend aus einem Basissortiment und regionalen- sowie Spezial-Produkten.

Das Logistikzentrum von myEnso ist der Speicherhof in der Hansestadt Bremen, der derzeit gemeinsam mit der Bremer Firma Vollers, BLG Logistics sowie der Grenzebach Maschinen GmbH revitalisiert und ausgebaut wird. Das historische Lagergebäude mit über 100.000 m² eignet sich besonders für ein modernes Logistik-Konzept, bei dem die Ware per Roboter zum Packer kommt und nicht umgekehrt. Das soll Kosten sparen und und die Belieferung in der Lebensmittelbranche erstmals kosteneffizient machen.

Von Bremen aus sollen die Pakete per DHL in ganz Deutschland ausgeliefert werden. Aber myEnso soll es nicht nur online geben. Lieferwagen in der Stadt und auf dem Land, myEnso-Botschafter in der Nachbarschaft und Pop-up-Stores sollen den direkten Kontakt zu den Kunden ermöglichen. Denn die Kunden wollen auch heute noch mit Menschen sprechen und nicht nur mit Sprachrobotern. Wir sind gespannt, wie sich dieses Zukunftsprojekt entwickeln wird. Wir empfehlen den Gründern auf jeden Fall auch, nach den Niederlanden zu schauen.

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