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MINDS-Medical behebt mit künstlicher Intelligenz einen Engpass in Krankhäusern und bei Krankenversicherungen

Alleine in deutschen Krankenhäusern werden jedes Jahr etwa 20 Millionen Patienten stationär behandelt. Für jede Behandlung wird anschließend eine Rechnung erstellt. Diese Rechnung muss spezielle Herausforderungen erfüllen und u.a. auf Grundlage der G-DGR-Standards erstellt werden. Es braucht sehr viel Spezial-Know how, um aus den ca. 30.000 Codier-Codes immer den Passenden auszuwählen (Experten schätzen, dass sich die Kosten für diese Rechnungsstellung in deutschen Krankenhäusern auf ca 1. Mrd. Euro beläuft). Hieraus ergeben sich zwei wesentliche Probleme:

Erstens gibt es zu wenige erfahrende Spezialisten in Krankenhäusern, wie z.B. Medizincontroller, die diese Arbeit mit einer geringen Fehlerquote verrichten können. Das liegt u.a. daran, dass es in diesem Segment sehr viele offene Stellen gibt und zudem diese Stellen in Krankenhäusern unterdurchschnittlich gut bezahlt werden. Als Folge müssen häufig Mediziner in Krankenhäusern die Arbeit verrichten und fehlen damit an anderer Stellen. Zweitens wählen auch erfahrene Spezialisten häufiger die falschen Codes, was zu hohen Folgekosten aufgrund falscher Abrechnungen führt.

Und genau hier setzt die Lösung eines Frankfurter Startups an. MINDS-Medical bietet eine Software, die mithilfe einer künstlichen Intelligenz und auf Grundlage von historischen Daten neue Abrechnungsfälle selbstständig kodieren kann. Schon jetzt kann rund die Hälfte aller Patientenfälle so automatisch kodiert werden. So kann die Kodierqualität in Krankenhäusern sehr deutlich verbessert werden. Krankenhäuser brauchen ab sofort weniger Kodierfachkräfte bzw. die Kodierkräfte können sich stattdessen auf die Vervollständigung der Patientendokumentation konzentrieren. Und Ärzte können sich wieder verstärkt um die Behandlung der Patienten kümmern.

Nach langjähriger Entwicklung ist es dem Startup im November 2017 gelungen, das erste Krankenhaus als Kunden zu gewinnen. Jetzt erwarten die Gründer schnell weitere Erfolge im Vertrieb, auch weil der Kundennutzen quantifiziert werden kann und die Einsparungen (auf mittlere Sicht) sehr viel höher sind als die Einführungskosten für das neue System. Hinzu kommt, dass mit dieser Softwarelösung auch dem Fachkräftemangel in der Administration von Krankenhäusern entgegengewirkt werden kann. Das sind schlagkräftige Argumente, die dem Vertrieb den Markteinstieg deutlich erleichtern sollte.

Als ob dieser Markt nicht schon attraktiv genug wäre, hat Digital Minds für seine Softwarelösung noch eine weitere lukrative Zielgruppe entdeckt, die Krankenversicherungen. Denn die Aufnahme neuer Kunden stellt Versicherungen vor die Herausforderung, Kunden auf Grundlage von Gesundheitsfragen zu evaluieren. Diese Evaluierung wird meist von Versicherungsmaklern ohne medizinische Vorkenntnisse durchgeführt, was häufig schlechte Einschätzungen gepaart mit unnötigen Ablehnungen oder Fehlkategorisierungen von Kunden zur Folge hat. Die Kosten für medizinische Risikoevaluierungen und Maklervertriebe belaufen sich jährlich auf rund 10 Milliarden Euro – trotzdem bleiben viele
Menschen ohne Versicherung oder fallen in unangemessene Prämienklassen.

Und auch hier kann MINDS-Medical helfen. Deren Software wird zur Risikoanalyse von Versicherungen genutzt – die Tarifvergabe läuft hierbei datenbasiert auf Grundlage von eingereichten Arztbriefen automatisiert ab. Die darin enthaltenen Diagnosen werden in ICD-10 Kodes umgewandelt und so mit den eigens definierten Gesundheitsfragen abgeglichen. Hierdurch ist mit Einsparungen von rund 30% zu rechnen. Und tatsächlich konnte auch in diesem Bereich mit der Deutschen Familienversicherung mit Sitz in Frankfurt der erste wichtige Kunde gewonnen werden. Somit ist es insgesamt nicht verwunderlich, dass DIGITAL MINDS schon im ersten operativen Jahr 2017 sechsstellige Umsätze generieren konnte und die Chancen sehr gut stehen, dass dieses Startup auch bald die Millionengrenze im jährlichen Umsatz durchbrechen wird.

Aber nicht im operativen Geschäft und Vertrieb läuft es bei dem Startup rund. Es konnte auch schon mehrere Preise einheimsen. Gestern ist mit dem ersten Preis des Frankfurter Gründerpreises 2018 und 10.000 Euro Preisgeld ein weiterer Preis mit Renommee dazugekommen, den die Gründer persönlich in Empfang nehmen konnten. Die Jurybegründung lautete: „Die Gründer von MINDS-Medical, Matthias Bay und Lukas Naab haben mit ihrer selbstlernenden Software, also mit einer Anwendung der Künstlichen Intelligenz, sowohl für den Krankenhaus- als auch für den Versicherungsmarkt eine Lösung gefunden, die in einem riesigen Umfang Zeit und Kosten spart.“

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass nicht nur Fintech-Startups aus Frankfurt die Märkte „aufrollen“ können. Wie innovativ und vielfältig die Startup-Szene FrankfurtRheinMain ist, zeigen wir jährlich auf der Leitmesse der Region, der AUFSCHWUNG-Messe für Existenzgründer und junge Unternehmen. Hier präsentierten sich im Jahr 2018 mehr als 50 Startups, z.B. die Zweitplatzierten des Frankfurter Gründerpreises 2018 (Meshcloud) im Rahmen der Jobmesse und die Drittplatzierten (Oatsome) im Startup-Parcours. Im Best-Practice-Special „Startups Frankfurt“ und „Startups Rhein-Main“ präsentieren wir weitere Startups, die nicht nur in FrankfurtRheinMain Spuren hinterlassen haben.

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