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Online-Supermarkt Getnow investiert in Menschen, nicht in Logistik

Auch im Jahr 2019 wird es Konsumenten in vielen Städten wie z.B. Frankfurt nicht leicht gemacht, Lebensmittel online einzukaufen. Entweder überzeugt das Angebot nicht oder es werden Liefergebühren verlangt oder der Lieferservice ist in der betreffenden Stadt oder Region gar nicht verfügbar. Und genau solange ist der Markt (noch) offen für neue Anbieter. Auch, weil sich schon viele Wettbewerber wieder zurückgezogen haben, auch aus Gründen der Rentabilität.

Insofern ist es aus unserer Sicht sehr wichtig, dass ein Online-Supermarkt-Startup mit „sehr spitzem Bleistift“ rechnet. Und genau solch einen Ansatz hat das Startup Getnow gewählt, nachdem es zu Beginn auch erst den richtigen Weg gesucht hat, sich in diesem hart umkämpften Markt so zu positionieren, so dass die Kunden das Angebot auch gerne und in großer Zahl annehmen. In den ersten Jahren stand eher im Mittelpunkt, schnell zu liefern (Nomen est Omen). Auch heute bietet Getnow noch einen schnellen Lieferservice (Lieferung innerhalb von 90 Minuten nach Bestellung) gegen Aufpreis an, aber dieser Service scheint nicht mehr im Mittelpunkt der nächsten Expansionsschritte zu stehen

Anstatt mit sehr viel Kapitaleinsatz eine eigene Lagerlogistik zu errichten, kooperiert Getnow mit der Metro-Großhandelskette. So kann Getnow mittlerweile den Kunden mehr als 15.000 Produkte anbieten und dabei die ganze Bandbreite eines gut sortierten Supermarktes um die Ecke anbieten. Da Metro in ganz Deutschland vertreten ist, kann Getnow zudem sehr schnell expandieren. Diese Tatsache sollte nicht unterschätzt werden. So begeistert uns zwar die Logstikidee von Picnic, aber dieses Startup liefert leider noch nicht im Frankfurter Raum aus.

Zurück zur Funktionsweise von Getnow. Wenn der Kunde seine Waren im Onlineshop bestellt hat, beginnt die Arbeit von den speziell ausgebildeten Einkäufern von Getnow im Metro-Markt. Keine Maschine, kein anonymes Zentrallager, sondern geschulte Facheinkäufer führen jeden Einkauf persönlich aus. Ausgestattet mit dem Kundenauftrag, picken sie Artikel für Artikel im regionalen METRO-Markt. Sollte mal die bestellte Erdbeermarmelade ausverkauft sein, ruft der Einkäufer den Kunden wunschgemäß an und schlägt ihm eine Ersatzmarmelade vor oder storniert den Artikel.

Die Einkäufer von Getnow sollen dabei, so das Versprechen, mit größter Sorgfalt bei der Auswahl vorgehen, damit der Kunde nur die beste und topfrische Ware nach Hause geliefert bekommt. Deshalb wählen sie das Obst und Gemüse von Hand aus und achten darauf, dass keine Dellen oder Makel vorhanden sind. Darüber hinaus wählen sie an der Meerestheke die besten Fische persönlich aus und alles wird ultrafrisch auf Eis und in spezielle Thermoboxen verpackt.

Der geschulte Einkäufer vor Ort ist damit der „verlängerte Arm“ des Kunden. Er wählt die besten Produkte aus, ohne das der Kunde selbst vor Ort sein muss. Mit Stolz nennt Getnow diesen persönlichen Kundenservice das „Rückgrat des Unternehmens“, da ihre Einkäufer laut Werbebotschaft jeden Tag die besten und frischesten Artikel mit viel Liebe und Sorgfalt zusammenstellen.

Getnow „zieht damit eine Trumpfkarte“, die nicht zu unterschätzten ist: Kundenbindung. Viele Einkäufer von Getnow haben inzwischen schon Dauerkunden gewonnen und kennen deren Einkaufswünsche fast auswendig. Dies deckt sich mit dem Ziel von Getnow Kunden, die gerne immer wieder bei ihrem persönlichen Einkäufer bestellen und zufrieden sind, langfristig zu binden. Genau mit dieser Kundenbindung könnte Getnow einen „Burggraben“ ziehen und es anderen Wettbewerbern erschweren, Getnow Kunden abzujagen.

Eine weitere Trumpfkarte besteht darin, dass Getnow dank einer Zusammenarbeit mit DHL nicht nur in Stadtzentren liefern kann, sondern auch in die angrenzenden Regionen. Mit diesem Modell möchte sich getnow von seinen Mitbewerbern maßgeblich abheben und sowohl Kunden in ländlichen Gebieten, als auch in Großstädten individuell beliefern.

Fazit: Die Rechnung von Getnow könnte dank der oben beschriebenen Serviceangebote aufgehen. Es hängt allerdings sehr von der Qualität der persönlichen Einkäufer in den Metro-Märkten ab. Und hier liegt der Haken: Denn Top-Einkäufer sind nicht beliebig skalierbar. Aber Erfolgsunternehmen wie Mc Donalds und Co. leben davon, dass überall (auf der Welt) gleich Qualität und Service geboten werden.

Zudem hängt der Erfolg von Getnow davon ab, ob die Investoren den Weg lange genug mitgehen, bis Getnow schwarze Zahlen schreibt. Dafür muss sich Getnow aus unserer Sicht noch Gedanken über alternative Einnahmemodelle machen, da Getnow ab einem Wareneinkaufswert von 40 Euro keine Versandgebühren verlangt und auch keinen Preisaufschlag im Vergleich zum Ladenpreis erhebt. Letztlich kann Getnow nicht darauf hoffen, dass die Kunden versteckte Preiserhöhungen oder zusätzliche Lieferkosten, die nachträglich erhoben werden, wenn Getnow groß genug ist, akzeptieren werden.

Weiteres Fazit: Es gibt verschiedene Wege nach Rom. Amazon Fresh will mit einer riesigen Auswahl bei den Kunden „punkten“. Zudem hat Amazon schon eine sehr große Zahl an Kunden und kann aufgrund der Mischkakulation auch mit agressiven Preisen oder Cross-Selling-Angeboten oder Zusatzdienstleisten (für Prime Kunden) „punkten“. Zudem kann Amazon auf fast unbegrenzte Finanzmittel zurückgreifen, um schnell zu expandieren.

Picnic dagegen kann mit seinem Logistikkonzept (Milchmann-Konzept) „punkten“. Damit hält Picnic nicht nur die Lieferkosten im Griff, sondern kann gerade auch mit zusätzlichen Serviceleistungen auf der letzten Meile überzeugen (z.B.kostenlose Annahme von Paketretouren). Ähnlich wie bei Getnow kann auch bei Picnic der Mensch den Unterschied machen, in diesem Fall aber nicht beim Einkauf vor Ort, sondern bei der Auslieferung.

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