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Jonathan Heimes kämpft, denn es ist noch nichts verloren

Jonathan Heimes, genannt Johnny, war ein hoffnungsvoller Tennisnachwuchsspieler aus Darmstadt, als er im Jahr 2004 mit erst vierzehn Jahren die schreckliche Nachricht erhielt, dass er eine Hirntumor hätte. Er fiel nach der Operation für zwei Wochen ins Koma und überlebte trotzdem die schwierige Operation. Nach der OP und Chemo-Therapie musste er alles wieder neu lernen, sprechen, essen, trinken, gehen lernen. Doch er kämpfte sich dank seines Willen wieder zurück ins leben.

Fünf Jahre vergehen, keine neue Metastasen. Er gilt als geheilt. Doch dann schlägt der Krebs ein zweites Mal zu: Metastasen an der Wirbelsäule. Wieder muss er eine OP über sich ergehen lassen und es ereilt ihn ein nächster Schickssalsschlag, vor der er sich immer gefürchtet hat: Querschnittslähmung.

Am Abend liegt er im Krankenhausbett und liest eine SMS, die ihm sein alter Tennisfreund und Mentor Jo von Keussler aufs Handy schickt: “4:6, 4:5, 15:40. Zwei Matchbälle gegen dich. DU MUSST KÄMPFEN! Es ist noch nichts verloren. Ist es nicht so, dass man die größten Siege aus scheinbar hoffnungsloser Position erringt? Im Sport und genauso im Leben?”

Auf der Krebsstation schwört sich Johnny, weiter zu kämpfen. Und er beginnt, nachts sein Leben aufzuschreiben. Kurz nach Weihnachten 2012 erscheint sein Buch “Comebacks – mein Leben”. Das Vorwort hat die Weltklassespielerin Andrea Petkovic geschrieben, mit der sie in seinen guten Zeiten zusammen trainierte (ihr Vater war sein Trainer).

Johnny hat zu dieser Zeit einundzwanzig Chemos hinter sich. Das MRT zeigt keine Auffälligkeiten, die Metastasen im Rücken sind besiegt. Johnny beginnt sein drittes Leben. Am 19. Februar 2013 wird Jonathan 23 Jahre alt. Eine paar Tage zuvor haben sie in Frankfurt wieder ein MRT gemacht. Rücken und Kopf. Und sie haben wieder etwas gefunden. Metastasen im Kopf. Alles geht wieder von vorn los. Kinderkrebsstation, Chemos, MTX.

Obwohl spätestens jetzt die meisten aufgegeben hätten, will Johnny nicht nur weiterkämpfen, sondern auch Vorbild für alle anderen betroffenen krebskranken Kindern sein und der Kinderkrebsstation in Frankfurt, in der er so viele Wochen schon verbracht hat, etwas zurückgeben. Die Einnahmen aus seinem Buch werden an die Kinderkrebsstation gespendet. Das aber reicht Johnny nicht. Er verkauft Armbändchen mit seiner Durchhalteparole „DU MUSST KÄMPFEN! Es ist noch nichts verloren“.

Berühmt wurden die Bändchen über Darmstadt hinaus, als sich im Sommer 2014 das Märchen vom SV Darmstadt 98 ereignete. Im Relegationsspiel um den Aufstieg in die 2. Liga verloren die Darmstädter im eigenen Stadion das Hinspiel mit 1:3. Trotzdem kämpften Sie im Rückspiel bis zuletzt, schafften das 3:1 in der regulären Spielzeit und siegten in der Verlängerung mit 4:2. Das Märchen war geschehen. Und was hatten alle Spieler der Darmstädter Lilien gemeinsam? Sie trugen alle das Bändchen von Johnny. Und ein Jahr später stiegen sie in die 1. Fussball-Bundesliga auf. Und wer feierte auf der Aufstiegsparty auf der Tribüne mit? Johnny, wer sonst?

Im Februar 2015 gründet er an der Seite von Andrea Petkovic die gemeinnützige Gesellschaft „DU MUSST KÄMPFEN! Es ist noch nicht verloren“. Einnahmen sollen nicht nur mit dem Verkauf der Bändchen, Bücher und Spenden erzielt werden, sondern auch dank gemeinnütziger Sportevents, z.B. einer jährlich stattfindenden Tennis-Trophy.

Vor Weihnachten konnte Johnny feiern, dass durch seine Aktivitäten 300.000 EUR Spenden generiert werden konnten. Diese Feier musste leider wieder in der Kinderkrebsstation stattfinden, weil es Johnny auch vor Weihnachten 2015 wieder schlechter gegangen ist. Aber Johnny will weiterkämpfen, weil es sich nicht nur für ihn lohnt. Mit den Spendeneinnahmen seiner gemeinnützigen Gesellschaft in diesem Jahr konnten zwei Sporttherapeuten eingestellt werden, die Kindern auf der Kinderkrebsstation dabei betreuen, sich sportlich zu betätigen. Das erhöht die Stimmung und die Immunkräfte. Johnny hat eben sein Leben dem Sport gewidmet, auch wenn er selbst nicht aktiv Sport treiben kann. Johnny, go!

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