In Idee - Verlag

Yps hat beim Comeback viele Chancen liegen gelassen

Yps war in meiner Jugend die etwas andere Zeitschrift für Jugendliche. Eigentlich war es ein Comicmagazin, aber Kult wurde es, weil fast jedem Heft ein Spielzeug oder Mitmachutensil beilag. Wie bei vielen Magazinen war auch Yps kein deutsches Ideenkind, sondern ein CopyCat (in diesem Fall des französischen Magazins Pif Gadget). Trotzdem traf es auch den deutschen Zeitgeist. Im Jahr 1975 brachte Gruner + Jahr fünf Testausgaben (noch unter anderem Namen) in Hessen heraus, um anschliessend für 25 Jahre das Magazin zu verlegen, dessen Maskottchen das Känguru Yps wurde. In der Spitze konnte ein Auflage von 400.000 Stück erzielt werden.

Das Anfang vom Ende begann, als 1999 der Konkurrenzverlag Egmont Ehapa von Gruner + Jahr die Rechte an Yps kaufte, wie in Wikipedia nachzulesen ist: „Die Erscheinungsweise wurde auf zweiwöchentlich geändert, die Seitenzahl von 48 auf 32 Seiten gesenkt und alle langjährigen Comicserien außer dem Yps-Känguru selber aus dem Heft entfernt. Aufgrund der schlechten Verkaufszahlen wurde das Heft mit Nr. 1253 vorerst eingestellt. Die letzte reguläre Ausgabe erschien am 10. Oktober 2000 – drei Tage vor dem 25. Jubiläum.“

Der Egmont Ehapa Verlag wollte sich dem Schicksal nicht ergeben: „Am 18. August 2005 brachte der Egmont Ehapa Verlag nach fünf Jahren Pause die Nummer 1254 mit einer Auflage von 150.000 Heften heraus. Als Zielgruppe gab der Verlag die 23- bis 32-Jährigen an, das Heft enthielt jedoch außer Lucky Luke und dem Yps-Känguru keine Comicserien aus der alten Zeit. Vom 13. März bis 8. Mai 2006 erschienen drei weitere Testausgaben. Nach Unternehmensangaben reichten die Verkaufszahlen jedoch nicht für ein monatlich erscheinendes Yps-Magazin aus.“ Etwas Geld wurde mit Yps-Apps verdient. Aber nun versucht der Verlag nochmals ein Comeback und zwar dieses Mal als Kombinatation aus einem Comic- und Männermagazin.

Das Magazin richtet sich heute an 30- bis 45-Jährige, die mit dem alten Yps aufgewachsen sind und Kindheitserinnerungen wecken wollen. Die redaktionelle Leitung hat Christian Kallenberg, ehemals Chefredakteur des FHM-Magazins, übernommen. Die erste Ausgabe mit einer Startauflage von 120.000 Exemplaren erschien am 11. Oktober 2012 (dem 37. Jubiläum von Yps) zum Preis von 5,90 Euro. Neben Comics werden die Themen „Mit 35 Jahren noch Geheimagent“, „Helden von einst“ und Stories aus den Bereichen Mode, Automobil und Technik präsentiert, alle mit einem Bezug zu Karos, Kängurus oder Kohl.

Es scheint so, als ob Yps dieses Mal auf der Klaviatur des Knappheits- und Social Media Marketings spielen will. Auf der Facebookseite gibt es unendlich viele Kommentare von Fans, die bisher kein Yps-Magazin der Neuzeit ergattern konnten. Auf Ebay wurde die neue Ausgabe schon für dreistellige Preise versteigert. Das macht Mut auf mehr. Die Zeitschrift soll künftig halbjährlich erscheinen. Die zweite Ausgabe soll im März 2013 folgen. Wenn es nach dem Wunsch vieler der 70.000 Facebook-Fans geht, soll dann aber der Inhalt besser werden. Denn der Inhalt hat viele Leser enttäuscht, wenn man die Kommentare auf der Facebook-Seite nachvollzieht. Yps hat evtl. schon jetzt viele Vorschusslorbeeren verspielt.

Die Zeit wird zeigen, ob Yps mit der Neukonzeptionierung (mit der Zielgruppe gemeinsam älter werden und den Inhalt entsprechend anpassen) nachhaltig Erfolg hat. Ich bin skeptisch, ob es reicht, das alte Konzept mit neuem Inhalt aufzupeppen, um der alten Zielgruppe, die mittlerweile älter geworden ist, zu gefallen. Das ist nicht Fisch, nicht Fleisch. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, dem alten Konzept treu zu bleiben und die heuten Väter und Großväter dafür zu begeistern, das Heft ihren Kindern und Enkeln zu schenken. Mit einem entsprechenden Onlinearchiv hätte man auch die Alten als Käufer in eigener Sache begeistern können und mit AR-Anwendungen die Jugendlichen mitnehmen können.

Und wenn man schon den Rückenwind der Facebook-Community nutzen will, warum hat man z.B. nicht zusammen mit UnserAller die Fans aufgerufen, das neue Heft mit ihnen zusammen zu entwickeln? Wir sind auf dem Weg zu Mitmachmagazinen, warum das Konzept nicht für ein Revival nutzen? Und warum hat man nicht auf kickstarter eine Crowdfundingaktion gestartet, um das Geld für die neue Ausgabe vorher einzusammeln. Es ist keine Schande, wenn einem gute Ideen für ein Revival fehlen. Es ist allerdings eine Schande, die Neuzeit-Hilfsmittel nicht zu nutzen, um einer Kultmarke frischen Wind zu verpassen.

One Response to Yps hat beim Comeback viele Chancen liegen gelassen

  1. […] Neustart eines Produktes bzw. einer Marke durch die Alteigentümer Ein relativ aktuelles Beispiel ist die YPS-Zeitschrift. Es begann 1975 mit einer Copy-Cat-Story. Die Idee wurde von Gruner + Jahr aus Frankreich importiert (das Original hieß Pif Gadget). Nachdem der Höhepunkt überschritten war, verkaufte Gruner + Jahr 1999 die Verlagsrechte an den Verlag Egmont Ehapa. Nachdem dem Magazin eine Schlankheitskur verschrieben wurde, wurde das Magazin im Jahr 2000 eingestellt. Das erste Revival erfolgte 2005, der zweite Neustart 2012 durch den Egmont Ehapa Verlag. Mehr dazu hier im Blog. […]

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