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David gegen Goliath: Warum Erfinder häufig ihren „gerechten“ Lohn nicht ernten

Die Deutschen liegen in der Statistik für Patentanmeldungen immer sehr weit vorne. Wir sind eben nicht nur das Land der Dichter und Denker, sonder auch der Tüftler und Erfinder. Doch eine Erfindung ist nur so viel Wert, wie sie erfoglreich umgesetzt wird. Und hier sind wir in Deutschland nicht immer vorne dabei. Deshalb nehmen Erfinder immer wieder beschwerliche und kostspielige Reisen auf sich, um Vermarktungspartner weltweit zu finden, die das Produkt zum Erfolg führen und damit die Lizenzeinnahmen beim Erfinder sprudeln. Doch das ist gar nicht so einfach, wie die Praxis immer wieder zeigt.

BrandEins hat in den letzten Monaten zwei Stories präsentiert, wie Erfinder trotz genialer Patente keine sprudelnde Einnahmequelle generieren konnten. Unter dem Titel „Die Marathon-Männer oder Drei Freunde gegen einen Milliardenkonzern“ berichtet Andreas Molitor von Boris Dalkhani und zwei Feunden, die den „Virtual Trainer“ erfunden haben und am 15.11.2000 zum Patent angemeldet haben. Dabei handelt es sich um einen MP3-Player, der einem zwischendurch Trainingsanweisungen geben kann und dessen Ergebnisse im PC dokumentiert und via Internetcommunity ausgetauscht werden können. Kommt Euch das bekannt vor? Genau! Das klingt doch wie Nike + iPod Sport Kit, über das wir hier im Blog berichtet haben. Für einen langen Rechtsstreit hatten die Erfinder nicht das Geld und den Mut, so dass sie das Patent für 600.000 EUR verkauften. Bei marktüblichen Lizenzverträgen hätten die drei zwei bis dreistellige Millionenbeträge verdienen können.

In der Novemberausgabe 2007 wird von Dieter Kreft berichtet, der 1989 ein Patent für einen Chip angemeldet hat, mit dem z.B. mehrere Zahlungsfunktionen innerhalb eines Chips kombiniert werden können (Achtung: sehr verkürzt dargestellt). Seitdem versucht er mit seiner Erfindung Geld zu verdienen. Doch es ist frustrierend. Obwohl vermutlich mindestens eine Firma genau dieses Patent nutzt (dieser Tatbestand wird gerade gerichtlich verhandelt), hat Dieter Kreft noch keine Lizenzeinnahmen gesehen. Dafür hat er schon viele Konzerne und Gerichtsgebäude von innen gesehen. Hier findet Ihr die ganze Leidensstory des Erfinders.

Es ist nicht einfach, als Erfinder auch den „gerechten“ Lohn für seine Erfindung einzustreichen. Den Kampf „David gegen Goliath“ verlieren häufig genug die kleinen Tüftler, da die meist übermächtigen Gegner häufig den Kampf „finanziell“ aussitzen können und der „Schwache“ früher oder später aufgibt. Wie das funktioniert, wird in den beiden o.g. Stories anschaulich beschrieben. Aber das muss nicht immer so sein. Häufig genug wissen die Großkonzerne, dass kleine, unabhängige Teams meist schneller und kostengünstiger neue Produkte erfinden und positionieren sich als exklusive Vertriebspartner. Je mehr Wettbewerber es gibt, desto größer ist i.d.R. die Chance, dass man mit einem Großen auch partnerschaftlich zusammenarbeitet, da die Wettbewerber schon lauern. Und wenn nicht, dann kann man ab und zu selber ein Großunternehmen aufbauen, wie z.B. die Story von Geox hier im Blog beweist.

Insgesamt hoffe ich, dass es in Zukunft insbesondere mehr Stiftungen und Beteiligungsfonds gibt, die das enorme Potential deutscher Tüftler entdecken und Ihnen das nötige Geld zur Verfügung stellen, um die Ideen auch im Markt umzusetzen bzw. als starke Partner in Verhandlungen mit Großkonzernen einsteigen können. Das würde unserem Land gut tun und de Stiftungen könnten die Erlöse, an denen sie natürlich beteiligt sind, nutzen, um vielen weiteren Tütlern zu helfen. Es ist ein langer Weg. Aber einige Schritte wurden schon gegangen, wie einige Beiträge hier im Blog zeigen.

5 Responses to David gegen Goliath: Warum Erfinder häufig ihren „gerechten“ Lohn nicht ernten

  1. FFD sagt:

    Ich finde die Idee des Virtual Trainers sehr schön, aber dennoch nicht patentwürdig. Weil die Idee ist gut, aber die Technik naheliegend. Wenn man das als Patent zuläßt, fördert man nur die derzeit in den USA zu beobachteten Auswüchse des Patentsystems, wo jeder Button einer Website patent wird. Daran verdienen letztendlich nur die Juristen, und nicht die Boris Dalkhanis dieser Welt – denen wir es ja eigentlich wünschen.

  2. Hallo,

    es ist ein schönes Diskussionsthema, wann ein Schutz durch Patente sinnvoll ist und wann nicht. Ohne einen Patentschutz würden sicherlich die Entwicklungsbudget vieler Unternehmen deutlich reduziert werden, weil sich diese Investitionen ohne Schutz nicht mehr lohnen würden. Und junge Unternehmer hätte noch weniger Möglichkeit, den Durchbruch mit ihrer Erfindung zu schaffen.

    Grundsätzlich gibt es auch aus meiner Sicht immer mehr Verwerfungen im Patentrecht, warum hier klare Grenzen durch Patentämter und Gerichte aufgestellt werden sollten.

  3. FFD sagt:

    Hallo Burkhard,

    aus der Sicht des Jungunternehmers gibt es zwei Seiten, die positive, die du beschrieben hast, und die negative: ich kann nicht realistisch prüfen, ob irgendein Aspekt meines Produkts bereits patentiert bin – bei Marken geht die Prüfung gut, aber bei Patenten ist sie abwegig -, und muß daher immer in Angst leben, den Brief von der juristischen Abteilung von Siemens zu bekommen, die ja einen regen Handel mit Patenten pflegen.

    Es hängt bestimmt vom Einzelfall ab, welche Seite ausschlaggebend ist.

  4. Hallo,

    tatsächlich gibt es bei jeder Regelung ein Pro und Contra und das meist für alle Betroffene.

    Dass das Patentrecht so kompliziert ist, darüber freuen sich auf jeden Fall die Patentanwälte 🙂 Und es bietet auch Chancen für neue Geschäftsideen bzw. Internetangebote.

  5. […] EUR verkauft, weil sie nicht das Geld für langfristige Patentstreitigkeiten hatten. Wir haben hier im Blog darüber berichtet. Ärgerlich ist nicht nur, dass die beiden deutschen Erfinder bei Lizenzierung […]

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