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Warum Bernd seine letzte Amazon-Rezension geschrieben hat

Das Internet und insbesondere ausgewählte Webseite machen es möglich, dass jeder Leser seine Meinung über Produkte, Dienstleistungen etc. äußern kann. Doch wie zuverlässig und aussagekräftig sind diese Statements? Ich habe aufgrund folgender drei Aspekte meine Zweifel:

  1. Man kann sich hinter einem Pseudonym perfekt verstecken
    Ich persönlich finde es ein Unding, dass man bei den meisten Kundenmeinungen gar nicht weiß, wer dahinter steckt, weil nicht der echte Name sondern ein Pseudonym verwendet wird. Solche Statements sind für mich i.d.R. überhaupt nichts wert. Denn wer nicht den Mut hat, seine Reputation durch falsche oder schlechte Aussagen zu riskieren, der ist für mich persönlich einfach nicht glaubwürdig. Außerdem will ich wissen, welche Qualifikation der “Tester” hat, um seine Aussagen auch richtig einordnen zu können.
  2. Geringe Zahl an Testberichten und Kundenmeinungen
    Viele Kundenmeinungen und Produktbeschreibungen und -kommentare durch Privatpersonen sind sehr subjektiv. Deshalb sind Kundenrezensionen meist nur sinnvoll, wenn es eine große Zahl pro Produkt gibt. Doch daranf fehlt es meistens. Häufig lese ich auch Produktkommentare von Käufern, die das Produkt erst vor kurzem gekauft haben. Wie will ich da herausbekommen, wie lange das Produkt wohl halten wird.
  3. Kundenrezensionen können häufig verändert oder sogar gelöscht werden
    Ganz heikel finde ich folgende Regelung, die in den AGB´s von Amazon steckt und auf die mich Bernd Röthlingshöfer aufmerksam gemacht hat: “Amazon.de behält sich vor, eine Rezension nicht oder nur für einen begrenzten Zeitraum auf der Website anzuzeigen sowie sie zu kürzen oder zu ändern.” Dass dies nicht nur eine theoretische Klausel ist, die nie angewendet wird, beweist dieser Bericht eines Amazonrezensenten.

Bernd hat aufgrund seiner Erfahrungen mit Amazon seine Konsequenzen gezogen und zieht sich als Rezensent bei Amazon zurück. Ich bin mir sicher, er ist nicht der einzige. Doch er kann auf jeden Fall durch seine Äußerungen mehr Personen dafür sensibilisieren.

Durch das Aufkommen von Social Networks besteht die Hoffnung, dass alles etwas persönlicher und zuverlässiger wird. Aber so lange auch die Betreiber dieser Netzwerke mit meinen Äußerungen machen dürfen, was sie wollen, weil sie das so in den AGB´s regeln, dann habe ich auch darin kein Vertrauen. Es wird wohl Zeit, dass es Social Networks gibt, die nur auf andere Seiten verlinken. Ach ja, mit dem Blog gibt es da ja schon ein geniales Tool 🙂

Es ist also noch ein langer Weg, bis wir uns auf die Kundenbewertungen im Internet wirklich verlassen können. Stiftung Warentest und Ökotest werden sich freuen, dass die Schwarmintelligenz noch nicht überall zugeschlagen hat 🙂

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4 Responses to Warum Bernd seine letzte Amazon-Rezension geschrieben hat

  1. Hagen sagt:

    Statement 2 kann ich absolut gar nicht nachvollziehen. Hier ist von “Subjektivität” die Rede… Es ist aus meiner Sicht IMMER alles Subjektiv. Aus konstruktivistischer Sicht gibt es keine objektive Wahrheit, da alles, was gesagt wird, durch einen Beobachter gesagt wird – also immer mit der persönlichen individuellen Geschichte, Erfahrungen, etc. verbunden ist. Eine höhere Fallzahl macht dies auch nicht besser. Ob mir ein Buch gefällt bzw. etwas bringt oder nicht hängt letztenendes nie von der Meinung anderer ab – egal, wieviele Rezensionen es gibt. Jede individuelle Person ist immer n=1, weshalb hier statistisch brauchbarere Größenordnungen keinen Nutzen haben.
    Auch wenn hier von “Privatpersonen” die Rede ist, dann sind diese doch oftmals die größeren Experten zu bestimmten Themen und haben ein ganz anderes Involvement zu dem Thema und Buch, über das sie schreiben. Wer definiert “Experte” (eine solche Definition ist lediglich eine Konvention und nebenbei gesagt auch schon wieder subjektiv) und wodurch zeichnet sich ein “Experte” aus und wer bestimmt, dass sich ein “Experte” so auszeichnet? Wenn man der Meinung von sogenannten “Experten” immer Glauben schenken würde, dann hätten sich bspw. Computer, Telefon, Strumpfhosen, Handys usw. nie verbreiten dürfen…

    Welche Meinung wäre denn hier für die Kaufentscheidung und dafür, ob mir das Buch etc. persönlich gefällt, relevanter?

  2. Hallo Hagen,

    mein zweiter Punkt bezieht sich eher auf Produkttests und -bewertungen. Im Gegensatz zu Stiftung Warentest, die doch sehr systematisch vorgehen, picken viele Privatpersonen nur einzelnen Aspekte heraus.

  3. Malte sagt:

    Bei Bewertungen auf großen anonymen Portalen wie Amazon habe ich auch immer meine Zweifel.

    Aber Bewertungen von bekannten Community-Mitglieder (um deren Reputation zu beurteilen muss man natürlich selbst auf der entsprechenden Seite aktiv sein) und auf unabhängigen Seiten (meist Blogs) auf denen der Autor auch über sich selbst berichtet (About) und einen guten Eindruck hinterlässt nehme ich durchaus ernst.

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