In Internet, V - Existenzgründung

Warum wir uns doch in einer Web 2.0-Bubble befinden

Sebastian Matthes, gründerraum-Blogger und Journalist bei der WiWo, hat vor einigen Monaten in seinem WiWo-Artikel „neue deutsche Gründerwelle“ die Unterschiede zur letzten Internet-Hype im Rahmen der New Economy aus seiner Sicht herausgearbeitet:

  • Die Gründer haben bessere Geschäftsmodelle.
  • Der Markt ist gereift und hat sich zugunsten von High-Tech-Startups entwickelt.
  • Die Investoren wählen ihre Investments besser und gezielter aus.
  • Die Gründer sind professioneller
    • Die Gründer holen sich Tipps bei den erfahrenenen Gründern der ersten Welle.
    • Sie holen sich Ihre Vorbilder als Investoren ins Unternehmen.
    • Die Gründer sind erfahrener, weil sie sich ihr Know How nicht durch ein Mc Kinsey Praktikum erwerben, sondern durch Berufserfahrung in Start Ups.

Das mag ja für die ersten Gründungen im Web 2.0 Umfeld gegolten haben. Aber mittlerweile gehen doch immer mehr Unternehmen an den Start, die o.g. Kriterien nicht oder nur sehr eingeschränkt erfüllen. Deshalb glaube ich, dass die Blase derzeit wieder sehr propper wird. Folgende Anzeichen sehe ich noch für eine Bubble:

  • Internetmedien, wie z.B. Gründerblogs, erleben eine Hype und suchen sogar hauptamtliche Redakteure
  • Nichtssagende Pressemitteilungen flattern im Überfluß in meinen Mailbriefkasten
  • Für jeden Mist wird ein Social Net gegründet und gut laufende Portale werden vielfach (zum Teil blind) kopiert
  • Das Argument „Diesmal ist alles anders“ wird mir zu häufig gebracht und blind nachgeplappert
  • Kostenvoranschläge von Programmierern explodieren wieder. Hier wollen wieder zu viele den Rahm abschöpfen
  • Gute Programmierer werden wieder knapp
  • Die Preise für den Einnahmekanal Nr. 1 (Werbung) sind in den letzten Jahren enorm gesunken (von TKP 20 EUR auf unter 2 EUR)
  • Die StartUps bauen wieder einen enormen Personal- und Fixkostenapparat auf
  • Die StartUps stecken wieder viel Geld in Werbung, um aus der Masse noch hervorzuheben und schalten sogar wieder massenhaft Fernsehwerbung
  • Start Ups ohne Profit werden für ein heiden Geld verkauft oder es beteiligen sich VC´s zu Unsummen
  • Gründer werden umso mehr hochgejubellt, umso kürzer sie gebraucht haben, um ihr StartUp teuer zu verkaufen

Ich will jetzt nicht den Guru spielen und prognostizieren, wann die Blase platzt. Aber dass sie platzen wird, wird immer wahrscheinlicher. Nur den Zeitpunkt zu erraten ist auch meiner Sicht ein Job für den Hellseher mit der Glaskugel. Die sollen ja auch nicht arbeitslos werden:-)

Vielmehr finde ich es spannend, sich damit jetzt schon zu beschäftigen, wie man schadlos durchkommt, wenn die Blase wirklich platzt. Und ganau das hat Karl Friedrich Weiland vor 14 Tagen im enable-Blog „Web-Unternehmer“ mit der Überschrift „Wie man die Web-2.0-Blase überlebt“ getan. Ich greife seine Thesen auf und erweitere sie um meine Ideen:

  • Sammelt Geld als Rücklage ein und verfeuert diese Rücklagen nicht unnötig. Investoren, die Euch keine Bildung von Rücklagen gewähren, solltet Ihr erst gar nicht reinlassen bzw. gleich darauf verzichten.
  • Baut flexible Kostenstrukturen auf, um auch in Zukunft profitabel zu arbeiten, in dem ihr Kostenballast schnell abwerfen könnt, wenn es nötig ist.
  • Berücksichtigt immer die Wünsche Eurer Leadkunden, aber nur, wenn das profitabel ist.
  • Überprüft Eure Strategie regelmäßig und passt es den Gegebenheiten an, wenn es nötig ist, ohne einen Zickzackkurs zu fahren
  • Setzt bei Eurem Revenuedell oder Geschäftsstrategie nicht alles auf eine Karte, um immer handlungsfähig zu bleiben

2 Responses to Warum wir uns doch in einer Web 2.0-Bubble befinden

  1. […] Schrecken besser wäre, als ein langes, schreckliches Ende.  Weiterempfehlen |  Drucken |  Kommentar schreiben   Ähnliche Artikel | zum Archiv ÄhnlicheArtikel […]

  2. Paolo Pinkel sagt:

    Als ich das Plazes-Büro am Hackeschen Markt mit seinen mehr als einem Dutzend Mitarbeiter sah, musste ich unweigerlich an die Dotcom-Blase denken. Ich verstehe nicht mal, wie die überhaupt Geld verdienen. Eine hochprofitable und um längen größere Seite wie plentyoffish kommt mit 2 Mitarbeitern aus und die haben 12 oder sogar noch mehr!

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