In Crowdsourcing, Internet

Wer profitiert vom Web 2.0?

Wenn es nach der Ansicht von Don Alphonso geht, dann profitieren vom Web 2.0-Trend nur die Betreiber der Web 2.0 Plattformen. Die User dagegen erhielten für ihre Arbeit nichts oder nur einen Hungerlohn. Frank Huber ist anderer Meinung. Er sieht einen ganz anderen Gewinner der Web 2.0 Bewegung: You. Zwei Beispiele für seine These präsentiert er in einem aktuellen Blogbeitag: “Alleine die New York Times verzichtet auf 10 Mio. $ Aboeinnahmen, indem sie ihr Angebot gratis zugänglich macht und die kostenlose Bereitstellung der Washington Post bringt dem Konsumenten einen jährlichen Gewinn von 45 Millionen U$.”

Warum alle anderen Verlierer sind, formuliert er wie folgt: “Ich vertrete die Meinung, dass insbesondere Googles Bevorzugung kostenloser Information, der Verdrängungswettbewerb um die Aufmerksamkeit des Lesers und die gesunkenen Eintrittsbarrieren Ursache der o.g. “Hungerlöhne‹ sind. Die fundamentalen im Web geltenenden ökonomischen Bedingungen machen alle Contentanbieter zu Grenzkostenanbietern, die im Web raum- und zeitunabhängig einer globalen Konkurrenz ausgesetzt sind. Gewinne werden hier nur temporär erwirtschaftet.”

Und wie ist meine Meinung? Erst einmal haben beide Blogger eine ganz wichtige Gruppe vergessen, die derzeit profitiert. Das sind die Programmierer. Ähnlich wie zu New Economy Zeiten verdient diese Berufsgruppe gerade Überrenditen. Auch zu Goldgräberzeiten verdienten die Verkäufer von Sparten meist mehr und insbesondere sicherer Geld als diejenigen, die ein Claim kauften und hofften, den 6er im Lotto gewonnen zu haben. Dann gibt es die Early Movers unter den Unternehmern und Investoren, die antiyzyklisch eingestiegen sind und bereits jetzt schon ganz oder teilweise Kasse gemacht haben. Auch diese Personen haben Überrenditen erzielt. Ähnlich ist es bei den Usern. Wer z.B. frühzeitig Moderator bei XING geworden ist, hat heute zum Teil einen großen Zugriff auf User und kann dadurch sehr gutes Geld verdienen, indem er bei denen Werbung für seine Produkte und Dienstleistungen macht.

Und wer wird aus meiner Sicht in Zukunft neben den Konsumenten und Programmierern gewinnen? Das sind aus meiner Sicht die Web 2.0 Anbieter, die den “Mitmachern” einen Nutzen bieten können, der höher ist als der Aufwand, den sie dafür betreiben. Und wenn es mehrere konkurrierende Anbieter gibt, dann wird aus meiner Sicht der Anbieter die “Nase vorn haben”, der den Mitmachern das bessere Angebot machen kann bzw. die nachhaltigeren Markteintrittsbarrieren aufgebaut hat. Und schliesslich wird die Öffentlichkeit immer genauer hinsehen, wer was verdient. Anbieter, die hier ein zu hohes Ungleichgewicht zu Gunsten des Anbieters haben, sind grundsätzlich am meisten gefährdet, schnell um ihre Überrenditen “beraubt zu werden”. Die Welt ist nun mal sehr transparent geworden. Diese Prognose bitte ich als Diskussionsgrundlage zu verstehen. Deshalb freue ich mich auf Feedback im Kommentarfeld.

3 Responses to Wer profitiert vom Web 2.0?

  1. Ob Web 2.0 oder einfach nur webbasierte-Lösungen, es gibt viele Beteiligte, die einen Nutzen aus der Entwicklung ziehen können. Dass der Hype um das “2.0” in unserer schnelllebigen Zeit über kurz oder lang vorbei sein wird war von vornherein klar.
    Die Hauptgewinner werden die sein, die erkannt haben, dass mobile, kooperative Arbeitsmodelle (die ohne Web-Anwendungen nun mal nicht funktionieren) Zukunftsperspektiven und Existenzmöglichkeiten bieten. Sicher verdienen Betreiber von Plattformen und Programmierer an dem (noch)laufenden Hype.
    An dem Modell “Collaboration collective” sind aber weltweit Mio Menschen beteiligt und entwickeln z.T. erstaunliche Wachstumsgeschwindigkeiten, cooperieren über Gruppen-Firmen-und Ländergrenzen hinweg mit den passenden Partnern. Ob Web 2.0 oder Web 3.0, wen kümmert`s.

  2. Sandra sagt:

    Als ehemalige, mehrjährige Moderatorin einer Xing-Gruppe kann ich aus Erfahrung sagen, dass – zu meiner aktiven Zeit – dort von den Mods kostenlos und “ehrenamtlich” Mehrwert (z.B. durch Userbindung) für den Plattformbetreiber generiert wurde. Waren die Mods Premium-Members, haben sie für ihr Engagement sogar bezahlt. Auf einen gruppeninternen Newsletter, der mit einem Charity-Projekt aufgemacht hatte, gab es in unserer Gruppe sogar eine Abmahnung vom “Business-Beschleuniger” mit der Begründung: “Spam”. Da habe ich mich schon gefragt…

    …und mir auch gleich selbst die Antwort gegeben 😉

  3. […] Mir gefällt der Ansatz sehr. Nicht zuletzt auch deshalb weil Tripr.tv einen Ansatz liefert, die immer öfter gestellte Frage “Wer verdient am Web2.0″ zu beantworten. Die Provisionen werden fair geteilt und das Beispiel zeigt, dass user generated content nicht unbedingt mit Ausbeutung gleichzusetzen ist. […]

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