In Idee - Web, Internet

Weniger ist mehr. Diese Grundregel gilt auch im Internet.


„Ich sehe was, was Du nicht siehst“ from Thorsten Biedenkapp on Vimeo.

Thorsten Biedenkapp, einer der Mitorganisatoren des Webmontags Frankfurts, hat mit mehreren Mitstreitern einen interessanten Versuch unternommen. Er hat am Opernplatz in Frankfurt zahlreiche Menschen interviewt, die ihre Lieblingswebseite beschreiben sollten und erzählen, was ihnen an ihrer präferierten Webseite besonders gut gefällt. Am Ende jeden Interviews gibt es dann die Auflösung. Das ist ein nettes Videoquiz. Ich gebe zu, nicht einmal 50 % der Lösungen erraten zu haben. Aber daraus kann man auch viele wertvolle Erkenntnisse zum Thema Webusibilty ziehen, wie Thorsten Biedenkapp auf seinem Blog feststellt. Besonders interessant finde ich folgende Aussage:

„Was für jedes reale Unternehmen gilt, gilt auch für virtuelle Unternehmungen: Nur wenn man sich auf eine EINZIGEN Geschäftsbereich spezialisiert wird man richtig erfolgreich sein können. Freemailanbieter, die neben dem Kerngeschäft, nämlich der kostenlosen Bereitstellung von E-Mailadressen, noch Promi-News-Verteiler und DSL-Anschluss-Verkäufer sind werden mit diesen Nebengeschäften nicht sehr erfolgreich am Markt bestehen können. Es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass die Nutzer die Site aus irgendeinem anderen Grund aufgesucht haben, als eine kostenlose E-Mailadresse zu ergattern. Ein kurzer Blick auf das Alexa-Ranking reicht aus, um zu erkennen, dass in den Top 10 überdurchschnittlich viele Sites zu finden sind, die genau ein einziges Geschäftsfeld bedienen. Ich sehe es als Herausforderung des Web 2.0 an dem Nutzer reduzierte Angebote zu machen, die trotz alledem erfolgreich sein können.“

Fallen Euch auch gleich Erfolgsbeispiele für o.g. These ein? Richtig. Google ist durch das Einfachheitsprinzip unglaublich erfolgreich geworden. Ich kenne keine andere so spartanische Startseite. Ein anderes Beispiel ist Woot.com. Eigentlich eine Frechheit, dass dieser E-Commerce-Player nur ein Produkt pro Tag anbietet, oder? Der Erfolg ist atemberaubend. Laut der Inc.5000-Liste ist Woot das am schnellsten wachsende Handelsunternehmen aus den USA. Ach ja, noch eine kleine Anmerkung am Rande. Vor wenigen Tagen erschien das obige Video bereits auf basicthinking. Ich habe es ehrlich gesagt überlesen. Aber heute habe ich Thorsten in einem Workshop persönlich kennengelernt. Er hat mir ganz begeistert über die Interviewprojekt und die Aussagen dahinter berichtet. Tja, manchmal ist das persönliche Gespräch auch nicht schlecht für die Vermarktung eigener Projekte 🙂

5 Responses to Weniger ist mehr. Diese Grundregel gilt auch im Internet.

  1. Tobias sagt:

    Hm, mich reizt es immer ein bisschen, wenn strittige Meinungen als Tatsachen verkauft werden. Die Frage Spezialisierung vs. Diversifikation ist ja im Bereich des Wirtschaftens eine regelrechte Glaubenslehre geworden – je nach Mode mit mehr Anhängern auf der einen oder anderen Seite. Könnte da einen polemischen Aufsatz drüber schreiben, verkneife mir das aber grade mühsam 😉
    Diese Frage speziell in Bezug auf „virtuelle Unternehmungen“ zu stellen hat aber sicher seinen Reiz. Auch da bin ich mir aber nicht sicher. Natürlich gibt es überzeugende Einzelbeispiele für „keep it simple“, aber auf Beispiele wie woot.com antwortet der Freund eines diversifizierteren Portfolios eben mit Amazon. Und Yahoo (auf Platz 1 und 10 bei Alexa) kann man nicht auf Freemail reduzieren. Zwei weitere Alexa Top Tenner, Myspace und Facebook, erweitern ihren Bauchladen immer mehr und entwickeln sich zum Social Hub inkl. Social Shopping…

    Das zeigt mir, dass es eben auf den Einzelfall ankommt, ob Spezialisierung richtig ist oder nicht. Pauschalisierende sweeping gestures wie „für reale Unternehmen gilt: Nur wenn man sich auf eine EINZIGEN Geschäftsbereich spezialisiert wird man richtig erfolgreich sein können.“ finde ich nicht so spannend.

  2. Stefan sagt:

    Hallo Burkhard,

    ich schaffe den Übergang von diesem Blogeintrag zu dem was ich eigentlich sagen möchte nicht ganz. Neben den vielen großartigen Themen die wir hier lesen und berichten dürfen solletn wir deinen großen Tag nicht vergessen.

    Alles Gute und Happy BIG DAY zu deinem Geburtstag. Ich wünsche dir alles Gute und uns weiterhin viele spannende Themen von dir.

    Herzliche Grüße
    Stefan

  3. […] kein internet. da is schon wida son junger Spund, der nicht mitbekommen hat, dass der wirklich auf breiter Front akzeptierte Dienst im INet das Mailen ist. Meiner Erfahrung nach ließen sich mit dem […]

  4. @Tobias: Dein Statement, dass sowohl die eine als auch die andere Seite mal „gewinnt“ sehe ich genauso. Dennoch: Fast alle Internet-Multis haben mal mit genau einer einzigen Idee angefangen. Amazon mit Büchern, Yahoo mit Suche, … die Liste liesse sich beliebig fortsetzen. Dass man im Rahmen von erhöhter Popularität dann auch andere Geschäftsbereiche versucht zu erschliessen ist natürlich und im Rahmen von Wachstum zu verstehen. Allerdings haben die beiden o.g. Unternehmen auch schon über 12 Jahre I-Net auf dem Buckel 😉 Ich verfluche nicht die Diversifikation, ich denke nur, dass manchmal dem Nutzer etwas viel abverlangt wird. Polemisch/Ironisch gesagt: Zu viel Auswahl macht depressiv!

    Ich habe bis heute noch viel Kontakt mit Endnutzern ohne viel IT-Erfahrung. Die sind leider häufig überfordert, selbst mit Freemailern und wissen nicht, wohin sie bei dem Überangebot klicken sollen. Häufig geben sie frustriert auf. Weniger wäre da mehr gewesen 🙂

    Aus rein wirtschaftlicher Sicht ist Diversifikation sicher ein legitimes und auch lohnendes Ziel. Aber aus Nutzersicht ist dies häufig verwirrend und frustrierend. Das war einer der Schlüsse, die ich aus dem Film gezogen habe. Mehr nicht und nicht weniger.

    Trotzdem danke für Dein Feedback, ich freue mich, dass unser Video zur Diskussion anregt! 🙂

  5. […] die Frankfurter Innenstadt gelaufen und hat Leute darum gebeten, ihre Lieblingswebseite verbal zu beschreiben. Die Quintessenz: Einfachheit ist Trumpf. Torsten hat sich aufgrund der Erkenntnis zu folgender […]

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