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Kernaussagen von Don Tapscott, Autor des Buches wikinomics

Der Kanadier Don Tapcsott hat den Begriff „Wikinomics“ geprägt und im Dezember 2006 das Buch Wikinomics. Die Revolution im Netz (Deutsche Übersetzung) veröffentlicht. Begleitet wird die Veröffentlichung durch ein eigenes Wiki und einen Blog. BrandEins hat passend dazu ein spannendes Interview mit Don Tapscott geführt, das aus meiner Sicht zur Pflichtlektüre gehört.

Bevor ich aber auf einige Aussagen aus dem Interview eingehe, will ich kurz die Thesen von Don Tapscott zusammenfassen: Mit dem Wort „Wikinomics“ beschreibt er die neue Form des Wirtschaftsschaftens, in dem Menschen selbstorganisiert ohne Hierachien gemeinsam an Projekten arbeiten. Möglich macht dies das Internet, das die Kosten für Bündelung von Arbeit, Wissen und Kapital auf ein Minimum reduziert. Das Neue an Wikinomics ist, dass erstmalig in der Geschichte der Menschheit auch der Konsument (als Prosument) in den Produktionsprozess eingebunden wird. Charakterisch für die Wikinomics seien die vier Faktoren:

  • freiwillige Zusammenarbeit,
  • Offenheit,
  • eine Kultur des Teilens,
  • globales Handeln

Folgende Aussagen aus dem Interview finde ich besonders beachtenswert:

  • Über alles die Kontrolle haben zu wollen, funktioniert schon lange nicht mehr. Ein Beispiel dafür ist das Verhalten der Musikindustrie auf das Verhalten der Konsumenten, Raubkopien zu verteilen. Anstatt neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, versucht man mit wenig Erfolg, dieses Verhalten komplett zu verbieten.
  • Wie man es richtig macht, zeigen viele Software- und Internetunternehmen, die Ihre Schnittstellen offenlegen.
  • Die Kunst im Wikinomics-Zeitalter besteht darin, ein gemischtes Portfolio von geistigem Eigentum zu entwickeln und zu entscheiden, welche Teile davon offen zugänglich sind.
  • Aus der Sicht von Tapscott gibt es intellektuelles Eigentum, das man auch in Zukunft schützen muss und nicht veröffentlich soll bzw. darf, etwa die Daten seiner Kunden und Mitarbeiter.
  • Häufig kann es auch sinnvoll sein, nur einer begrenzten Zahl von Teilnehmern (z.B. Zulieferern), die nötigen Infos für eine Weiterentwicklung preiszugeben.
  • Clevere Unternehmen des Wikinomics-Zeitalter teilen gezielt Informationen und Ressourcen, um profitabler und erfolgreicher als die Konkurrenz zu bleiben bzw. zu werden.
  • Die „Net-Generation“ lässt sich schon lange nicht mehr mit Ware von der Stange abspeisen.

Folgende Erfolgsbeispiele finde ich besonders einprägsam und zutreffend:

  • Als der CEO der Goldcorp., Rob MeEwen, überlegte, was er noch an Rohstoffen aus einer 50 Jahre alten Goldmine herausholen könnte, entschied er sich für einen Wettbewerb mit einem Preisgeld. Zu diesem Zweck er alle geologischen Daten ins Internet stellte. Mehr als 1.000 Geologen und Hobbyforscher beteiligten sich daran. Die Hälfte der Vorschläge verwiesen auf Stellen, die die hauseigenen Geologen nicht entdeckt hatten. Das Ergebnis war eine Steigerung des Börsenwertes von 100 Mio. USD auf jetzt 18 Mrd. USD.
  • IBM wendet jährlich mehr als 100 Mio. USD für die Weiterentwicklung der Linux-Software auf, ohne Miteigentümer an der Software zu sein. Sie machen das trotzdem, weil sie 900 Millionen Dollar Entwicklungskosten im Jahr sparen und den Konkurrenten Microsoft gleichzeitig damit schwächen.
  • 40 % der neuen Innovationen von Procter & Gamble werden schon nicht mehr durch die hauseigene F&E-Abteilung entwickelt, sondern durch externe Personen, die via Innocentive an entsprechenden Ausschreibungen teilnehmen.
  • Die Patent-Online-Börse, wie Yet2.com, ist ein gutes Beispiel dafür, dass man auch umgekehrt von dem Wikinomics-Trend profitieren kann, indem die Firmen über diese Plattform Patentnutzungsrechte verkaufen, die sie nicht brauchen. Früher war das undenkbar.

4 Responses to Kernaussagen von Don Tapscott, Autor des Buches wikinomics

  1. […] Wer mehr darüber lesen möchte: Das Beispiel wird auch im Buch “Wikinomics” ausführlich diskutiert. Burkhard Schneider hat darüber (natürlich) längst eine Zusammenfassung geschrieben [siehe hier]. Bei Amazon gibt es Wikinomics bislang nur auf Englisch [Link], ab September aber auch in Deutsch [Vorbestellung hier]. Foto: Flickr Jobs und Aufträge für Selbständige und Freelancer Considerati – The Distributed Jobboard […]

  2. […] Eine der Kernaussagen von Don Tapscott, Autor des Buches “Wikinomics” lautet: “Über alles die Kontrolle haben zu wollen, funktioniert schon lange nicht mehr.” Ein Beispiel dafür ist das Verhalten der Musikindustrie auf das Verhalten der Konsumenten, Raubkopien zu verteilen. Anstatt neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, versucht man mit wenig Erfolg, dieses Verhalten komplett zu verbieten. Besonders gefährlich ist das deshalb, weil immer mehr Künstler und Musiker innovative Vertriebswege und Preismodelle entwickeln und damit immer autarker von der Musikindustrie werden. […]

  3. […] Goldcorp., über das ich im Rahmen der Buchbesprechung “Wikinomics” von Don Tapscott berichtet habe. « Erste Drahtseilbahn-Saunakabine mit Panoramablick in Finnland […]

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