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Wie eine Buchautorin ihr Buch verschenkt und (danach) trotzdem gute Einnahmen erzielt hat

Newcomer-Buchautoren haben es schwer. Sie können sich (auf den ersten Blick) glücklich schätzen, wenn sie überhaupt einen Verlag finden, der ihr Buch verlegt. Aber selbst wenn dies gelingt, ist der Verkaufserfolg i.d.R. sehr bescheiden und die Einnahmen reichen nicht aus, um den Kühlschrank zu Hause zu füllen. Das liegt zum einen daran, dass man als Newcomer-Autor noch keine große Fangruppe besitzt und sich auch noch keinen Namen in der Branche und bei den Lesern gemacht hat. Leider helfen auch die Verlage selten dabei, das zu ändern. Die Autorin Petra von Cronenburg kann „ein Lied davon singen“, wie ich im neunetz-Blog lesen konnte. Sie hat im Jahr 2006 mit einem Verlag zusammen ihr Erslingswerk Lavendelblues als Taschenbuch zu einem Preis von 7,95 EUR herausgebracht. Das Ergebnis war mehr als bescheiden, wie sie in einem Blogbeitrag im April 2011 anschaulicht berichtet:

„Als TB einer Newcomerin auf den Markt geknallt ohne jede Werbung. Die Pressearbeit, die überhaupt möglich war, besorgte ich selbst. Ich sorgte auch selbst für Veranstalter und Auftritte. Einmal bekam ich ein Plakätchen mit dem Cover und dem Veranstaltungsort nebst Datum aus dem Laserdrucker dafür geschenkt, einmal saß ich bei der wichtigsten Lesung meines Lebens, zwei Monate im Voraus angekündigt, gänzlich ohne Bücher da. Trotz heftiger Kämpfe der Agentur waren meine Romane am Zielpublikum vorbeiplatziert. Im ersten Jahr erlebte ich trotz allem anständigen Abverkauf, dann das Dümpeln bei einer Jahresauflage von maximal 1500 Stück. Zu wenig für einen Verlag, und auch das Imprint wurde aufgegeben – das Buch verramscht. Keine schlechten Bedingungen – einfach die ganz üblichen in einem Konzernverlag, wenn man nicht den Spitzentitel bekommt und noch keinen Namen hat.“

Petra von Cronenburg wollte sich allerdings diesem Schicksal, das viele unbekannte Buchautoren ereilt, nicht ergeben. Sie brachte Ihr Erstlingswerk Anfang März 2012 dann als Neuauflage als Kindle-E-Book im Self Publishing zu einem Preis von 4,99 EUR heraus. Der Verdienst pro Buch mit 3,38 EUR war deutlich besser als vorher, als sie für jedes verkaufte Taschenbuch 44 Cent erhielt. Sie machte schnell eine Vergleichsrechnung: „Um 1000 Euro zu erwirtschaften, muss ich 2500 Taschenbücher im Verlag verkaufen, aber nur 303 E-Books im Self Publishing.“ Allerdings wusste sie selber, dass diese Vergleichsrechnung hinkte: „Allerdings muss ich, um mich nicht zu betrügen, eigentlich wie ein Verlag kalkulieren – ich zahle dann nämlich Cover, Herstellung, Lektorat etc. selbst aus eigener Tasche. Wie gesagt – ich habe das diesmal selbst gemacht und damit Arbeitszeit vergeudet, aber keine Realausgaben gehabt.“

Zu Beginn schien es, dass sich der ganze Aufwand nicht gelohnt hätte. Nachdem die Autorin Werbung in ihrem Blog und bei ihren Facebook-Fans gemacht hatte, konnten gerade 15 EBooks verkauft werden. Es schien ein Fiasko zu werden und den ganzen Aufwand nicht gelohnt zu haben, den sie sich gemacht hatte. Dann kam sie allerdings auf die Idee, ihr EBook für einen Tag zu verschenken. Eine Freundin warnte sie davor, aber was hatte sie eigentlich zu verlieren? Und zum Glück gab es nicht nur Warnungen, sondern auch konkrete Hilfe. Ein befreundeter Autor hatte ihr EBook auf einer Webseite eingetragen, auf der nur kostenlose EBooks vorgestellt werden. Durch diese Aktion sowie Weiterempfehlungen von Lesern via Social Media und Aufnahmen in den Top-Ranking-Listen konnte sie einen enormen Erfolg verzeichnen, indem sie mehr als 1.000 Bücher an diesem einen Tag verschenken konnte. Folgende Bilanz konnte sie ziehen:

„Einen Tag lang habe ich mein E-Book verschenkt. Und war platt. Mein Verlust an Tantiemen an diesem Tag beläuft sich auf knapp 3500 Euro. Denn es gingen 1056 E-Books umsonst über den Ladentisch – an einem einzigen Tag. Traumwerte. Ich konnte stündlich beobachten, wie das Buch, das sonst auf Rang 2000+ dümpelte, auf Rang 375 stieg und sich in der Sparte Gegenwartsliteratur noch schneller hocharbeitete. Um 18 Uhr war es dort auf Platz 1. Und am Tag danach stand ich in der Bestsellerliste der Gratisbücher auf Platz 2. Am Gratistag überholte ich sogar Charlotte Link, was dem Ego bekanntlich wohltut. Aber vom Ego kann man nicht abbeißen. Hatte ich wirklich 3500 Euro in den Sand gesetzt? So darf man natürlich nicht rechnen! Im Leben nicht, nicht mit der besten Werbeaktion (die ja auch Geld kostet), hätte ich so viele Bücher verkauft.“

Danach konnte sie ihre „Ernte einfahren“: „Die große Überraschung kam danach. Eine kurze Zeit bleibt das Buch in der Gratis-Bestsellerliste (Zeitverschiebung zu USA), hat aber bereits schon wieder einen Verkaufspreis. Und das hat die ersten Käufer absolut nicht abhalten können! Im Gegenteil. Durch die Aktion, trotz der Feiertage, haben sich meine Verkäufe verneunfacht. Diese Beliebtheitskurve wird womöglich abfallen, es ist noch zu früh für langfristige Aussagen. Dem muss ich gegensteuern: mit mehr Büchern. Vielleicht mit noch schlaueren Aktionen. All das macht Arbeit und verlangt ein wenig Raffinesse. Aber zum ersten Mal wird etwas greifbar, was ich im Self Publishing nicht für möglich hielt: Ich kann mir eine kleine monatliche Lebensgrundlage erwirtschaften, die ich bei Verlagen nur dank der Garantiesummen hatte (solche Garantiesummen werden selten).“

Das Fazit: Immer mehr Autoren erkennen, dass sie selber zum Unternehmer und Selbstverleger werden müssen, um genug Geld verdienen zu können, damit der Kühlschrank wieder gefüllt werden kann. Petra von Cronenburg hat es vorgemacht und was besonders lobenswert ist, ausführlich darüber in ihrem Blog berichtet. Das hilft anderen Autoren, sich davon inspirieren zu lassen und ebenfalls erfolgreicher Selbstverleger zu werden. In der Rubrik „Idee – Verlag“ habe ich viele weitere Erfolgsbeispiele von Self-Publishern aufgelistet und weitere Ideen aufgelistet, die einem als Selbstverleger helfen können.

Für die Vorbereitungsphase hätte ich z.B. folgende Tipps:

  1. Ich würde eine Beta-Testphase voranstellen, um Fehler im Buch durch die Crowds zu korrigieren
  2. Ich würde hinsichtlich der Festlegung des Buchtitels einen Markttest via Google-Adwords anstellen
  3. Auch beim Pricing wäre ich experimentierfreudiger und würde in einer Testphase entweder verschiedene Preise (je nach Besucherherkunft) antesten bzw. Testleser den Preis festlegen lassen.
  4. Als nicht so bekannter Buchautor würde ich mir Partner suchen, die dabei helfen, den Medienbuzz zu entfachen.
  5. Ich würde zudem über ein breites Preisdifferenzierungsmodell nachdenken (nicht nur für EBooks sondern für die gesamte Vermarktung des EBooks)

One Response to Wie eine Buchautorin ihr Buch verschenkt und (danach) trotzdem gute Einnahmen erzielt hat

  1. […] wir im letzten Artikel aufgezeigt haben, muss ein Buchautor viele Vorleistungen erbringen, ohne hinterher zu wissen, ob […]

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