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Auf freitag.de können Nutzer die Werbung manuell ausschalten

Es ist schon eine Crux. Die Abo- und Verkaufszahlen vieler Zeitungen und Zeitschriften gehen kontinuierlich zurück, weil immer mehr Leser ins Internet „auswandern“, um dort Artikel kostenlos zu lesen. Einige Verlage reagieren darauf, indem sie Paywall-Modelle entwickeln. Andere Verlage stellen weiterhin ihren ganzen Online-Content den Lesern kostenfrei zur Verfügung und versuchen, durch Online-Banner etc. genug Werbeeinnahmen zu generieren. Hier übertreiben es aber viele Median (aus Sicht der Leser), so dass immer mehr Leser sog. Adblocker verwenden. Somit droht vielen Medien, dass auch diese (nicht sehr üppige) Einnahmequelle auch noch versiegt. Deshalb riefen vor einigen Wochen renommierte Verlage ihre Leser dazu auf, die Adblocker auszuschalten, wie z.B. SPON:

„Gegenwärtig verweigern etliche Nutzer Nachrichtenseiten wie SPIEGEL ONLINE ihre wichtigste Einnahmequelle: die Anzeigen. Adblocker verhindern bei rund 25 Prozent aller Seitenaufrufe, dass Werbung ausgeliefert wird. Adblocker sind Programme oder Programmzusätze zu Internetbrowsern wie Firefox, Chrome oder Opera, mit denen sich Werbung unterdrücken lässt. SPIEGEL ONLINE weist mit Einblendungen auf diesen Umstand hin – genauso wie weitere Qualitätsmedien: sueddeutsche.de, faz.net, zeit.de, Golem.de und RPOnline. Es ist ein Appell an die Solidarität der Leser und das Anliegen, eine Basis dafür zu schaffen, möglichst große Teile der Qualitätsangebote kostenfrei halten zu können.“ Adblock Plus, einer der Top-Anbieter im Segment Adblocker, wollte nicht als Bad Guy „im Regen stehen“ und verteidigte sich im Rahmen einer ausführlichen Stellungnahme:

„Wir sind uns vollkommen bewusst, dass Qualitätsjournalismus durch Werbung finanziert wird. Daher haben wir bereits im Jahr 2011 die Acceptable-Ads-Initiative ins Leben gerufen, um einen Kompromiss zwischen Internetnutzern und Verlagen zu finden. Werbung, die unaufdringlich gestaltet ist und von der Adblock Plus Community als „akzeptabel“ zertifiziert wurde, wird in den Standardeinstellungen des Werbeblockers nicht blockiert. Der Demokratiegedanke kommt bei unserer Community zum Tragen: Die Richtlinien für akzeptable Werbung legt diese selbst fest. Diese entscheidet, welche Anzeigen unaufdringlich und informativ sind und den Nutzern von Adblock Plus beim Surfen eingeblendet werden. Zertifizierte Werbung erreicht eine größere Reichweite und durchschnittlich 15 bis 20 Prozent mehr Klicks als die übliche, effekthaschende Online-Werbung in dieser Zielgruppe.“

Gestern hat sich dazu Jakob Augstein, Verleger der Wochenzeitung „Der Freitag“, zu Wort gemeldet. Er kommt mit einem Kompromissvorschlag „um die Ecke“: „Die Kollegen aus dem Online-Büro haben für uns also folgenden Weg vorgeschlagen: Wir geben unseren Nutzern die Möglichkeit, die Werbung durch einen Klick selbst abzuschalten. Das bedeutet, Sie können Ihren Adblocker für freitag.de deaktivieren und die Anzeigen wieder zulassen. Aber wenn eine Anzeige Sie beim Lesen stört, schalten Sie diese Anzeige einfach ab.“ Dieser Vorschlag entfachte ein großes Medienecho. Augstein hat damit erfolgreich PR in eigener Sache gemacht, indem er das Grundproblem erkannt und eine Lösung dazu anbietet. Allerdings muss o.g. Button bei Besuch jeder Seite des freitag.de-Onlineauftritts manuell ausgeschaltet werden. Hier bedarf es also noch Feinjustierung oder das Angebot wird nicht angenommen. Mehr Infos dazu auf turi2.de, kress.de, meedia.de, basicthinking.org.

Im Rahmen o.g. Diskussion haben einige Leser wieder einmal den Vorschlag unterbreitet, freiwillig Geld zu spenden (TAZ-Modell). Aber die Erfahrungen zeigen, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein darstellt. Es braucht ganz neue Geschäfts- und Einnahmemodelle, um den sog. „Qualitätsjournalismus“ zu erhalten. Pro Publica hat z.B. Stiftungen als neue Geld- und Einnahmequelle entdeckt. Für aufwendige Recherche-Projekte könnte auch über kickstarter & Co. Geld eingesammelt werden. Weiterhin könnten Whitelabel-Modelle entwickelt werden. Es könnten auch einzelnen Reportagen gegen Geld angeboten werden, wie das „Der Aktionär“ erfolgreich zeigt. Und letztlich können sich die Verlage darauf konzentrieren, nur noch Unique Content zu erstellen, wie das z.B. Brand Eins relativ gut gelingt. Jetzt zeigt es sich, ob Verleger auch innovative Unternehmer sind oder nur in der Lage sind, über andere Innovationen zu berichten.

2 Responses to Auf freitag.de können Nutzer die Werbung manuell ausschalten

  1. […] Ob es nutzt, die Leser aufzurufen, solche AdBlocker nicht zu verwenden, ist fraglich. Auch das Angebot von freitag.de, Werbung manuell abschalten zu können, wird die meisten AdBlock-Nutzer nicht überzeugen. Was […]

  2. Johann sagt:

    Ob freiwillige Spenden mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein werden, hat man ja selber in der Hand. Bei Spenden kann ich ja den Spendenbetrag selber wählen. Überlasse ich das den Besuchern, werden schon viele Besucher nicht spenden. Desweiteren muß sich ein Spenden-Feature auch der Website anpassen, damit es nicht wie Werbung im Kopf ausgeblendet wird.

    Ich fände es besser, wenn mehr Websites den Traffic mit Spenden monetarisieren würden. Ich hatte mal eine Website auf Spenden umgestellt und Benutzer spenden, wenn es leicht ist und man die Spendenrate ständig optimiert. Aus meiner privaten Lösung hab ich inwzischen ein Produkt gemacht (unter http://eaio.com/de/ zu finden).

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