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Feedly plant eine Anschubfinanzierung durch Angebot einer lebenslangen Premium-Mitgliedschaft

Im Juni 2013 habe ich meinen Lesern folgende Frage gestellt: „Wann bieten Sie Ihren Fans eine lebenslange Mitgliedschaft an?“. Anlass war das Angebot von Eintracht Frankturt, seinen Fans eine lebenslange Mitgliedschaft für 1.899 EUR (Jahresmitgliedsgebühr beträgt derzeit 76 EUR) anzubieten. Davon haben sich wohl auch die Macher der Google-Reader-Alternative Feedly inspirieren lassen und bieten jetzt den ersten 5.000 Nutzern eine lebenslange Pro-Mitgliedschaft für einmalig 99 USD an. Das klingt nach einem Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass die normale Jahresmitgliedschaft für Pro-Nutzer in Zukunft 45 USD pro Jahr oder 5 USD pro Monat kosten soll. Und die Kunden endgültig von der lebenslangen Mitgliedschaft zu überzeugen, wird nur diese Buchungsmöglichkeit angeboten. Später soll auch die Buchung von Monats- oder Jahresmitgliedschaften möglich.

Es fällt sofort auf, dass der Kunde mit allen Mitteln von der lebenslangen Pro-Mitgliedschaft überredet werden soll, im wahrsten Sinne des Wortes derzeit alternativlos. Auch wirtschaftlich scheint die lebenslange Mitgliedschaft ein Schnäppchen zu sein, letztlich hat sie sich schon nach zwei Jahren amortisiert. Und rechnet sich das überhaupt für Feedly, solch ein Angebot zu machen? Natürlich, denn das Leistungsversprechen ist derzeit überschaubar: Nutzung einer verschlüsselten Verbindung (https), Suche innerhalb der Artikel, eine Einbindung von Evernote und ein „Premium Support“. Wenn man bedenkt, dass das Basisangebot von Feedly kostenfrei ist, dann lohnt sich das Angebot der lebenslangen Premium-Mitgliedschaft für 99 USD auch für Feedly. So könnten in kürzester Zeit knapp 500.000 USD in die Kassen von Feedly fliessen. Und das ist wohl auch nötig, um mit den vielen ehemaligen Google-Reader-Kunden jetzt auch Geld zu verdienen, wenn auch die Markteinführungskosten dank der Google-Reader-Schliessung sehr gering waren.

Letztlich sollte sich jeder Webdienst überlegen, den Kunden Preemium-Dienste anzubieten, um nicht allein von Werbeeinnahmen abhängig zu sein (siehe mein Artikel „Better than free“). Erfolgsbeispiele sind XING und LinkedIn, was auch von den Börsianern honoriert wird. Biz Stone, der Co-Gründer von Twitter, machte vor wenigen Wochen solch einen Vorschlag für Facebook und löste damit eine sehr hitzige und kontroverse Diskussion aus. Aus meiner Sicht kommt es darauf an, welche Mehrwerte man den Nutzern für solch eine Premium-Mitgliedschaft anbietet und ob aus Kundensicht der Preis deutlich niedriger als der Mehrwert dafür ist. Bei Angebot einer lebenslangen Mitgliedschaft sollte man allerdings sehr genau durchrechnen, ob man sich bei diesem Angebot nicht langfristig mehr Kosten als Nutzen aufbürdet. Auf jeden Fall sollte das Angebot zeitlich und zahlenmäßig begrenzt sein. Als erste Anschubfinanzierung kann es tatsächlich dienen. Dann muss aber auch klar sein, wir man nachhaltig weitere Einnahmen generieren kann, um seinen Dienst auch nachhaltig und wirtschaftlich erfolgreich anbieten zu können.

Achtung: Deutschen StartUps empfehle ich eine rechtliche Beratung, bevor solch ein Angebot unterbreitet werden sollte. Denn ich sehe hier Abmahngefahr von Verbraucherschützern, denn wie will ein StartUp lebenslang ein Angebot für Kunden garantieren und gewährleisten? Viele ECommerce-Experten kennen diese Diskussion in einem verwandten Bereich, der sog. lebenslangen Garantie. An dieser Stelle weise ich gerne darauf hin, dass gerade auf Pioniere rechtliche Risiken und Hürden warten. Das ist der große Nachteil, erster zu sein. Natürlich könnte es auch Kalkül von StartUps sein, verklagt zu werden, um das marketingtechnisch auszuschlachten. Aber auf jeden Fall sollte man genug Rückstellungen bilden, um in solch einem Fall auch den nötigen finanziellen Atem zu haben.

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