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Was der Blick hinter den Kulissen mit Mundpropaganda zu tun hat

Frankfurt ist nicht nur der Verkehrsknotenpunkt Europas (zu Lande, zu Luft und unter der Erde – Stichwort Datenleitungen -) und die Bankenhauptstadt Deutschlands, sondern auch die Hochburg des Apfelweins, oder wie wir sagen würden, des Äbbelwois. Das Stöffche, wie wir dazu auch sagen, ist viel besser als sein Ruf. Das gilt nicht nur für den Äppelwoi selber, sondern auch für DIE Kelterei in Frankfurt, nämlich Possmann. Obwohl sie mittlerweile weit über die Grenzen Hessens die Kunden beliefern und sogar nach Amerika und Japan exportieren, haben sie gerade hier in der Region nicht das beste Image. Das liegt u.a. daran, dass Possmann mehr als Industrieunternehmen angesehen wird, das ein Standardprodukt abliefert.

Die große Frage für die Possmann-Familie ist, wie man dieses Image verbessern kann. Seit Jahren sammelt man Prämierungen und beste Ergebnisse bei Stiftung Warentest. Das liegt u.a. daran, dass man die Äpfel vor der Verarbeitung sortiert und je nach Eigenschaften für die Apfelsaft- oder Apfelweinproduktion verwenden. Viele andere Keltereien werfen „alles zusammen“. Um diese Qualtität, die von unabhängigen Dritten immer wieder bestätigt und ausgezeichnet wird, zu verdeutlichen, wird bei allen Werbematerialien auf diese Auszeichnungen hingewiesen. Zudem präsentiert man sich als Innovationsführer, um nicht nur jugendlicher zu wirken, sondern auch die junge Generation für das besondere Getränk zu begeistern. Somit wird jetzt auch ein besonders milder Apfelwein in der trendigen, durchsichtigen 0,33 l Flasche verkauft, um die jungen Frankfurter Mädels anzusprechen. Und es gibt sogar ein Apfelwein-Cola-Gemisch, wofür man früher erschalgen worden wäre 🙂

Eine Werbemaßnahme stellt sich allerdings seit Jahrzehnten als am wirksamsten heraus. Es sind die Betriebsbesichtigungen für Schuklassen, Einheimische und Touristen. Denn innerhalb dieser mehrstündigen Besichtigungen erfährt man extrem viel Hintergrundinfos. So habe ich gestern im Rahmen solch einer Veranstaltung erfahren, dass Äppelwoi-Kneipen, die selber keltern, bei Engpässen zu Possmann gehen und im Rahmen einer Verkostung genau den Apfelwein wählen, der ihrem selbstgekelterten vom Geschmack am nächsten kommt. Die Gäste erkennen nicht den Unterschied und erklären immer wieder ganz überzeugt, dass ihnen der selbstgekelterte Äbbelwoi viel besser als der von Possmann schmecken würde. So kann man sich täuschen 🙂

Im Rahmen dieser Betriebsbesichtigungen machen die Guides immer eins: Storytelling. Sie wollen, dass die Geschichten im Gedächtnis hängenbleiben und weiter erzählt werden. So funktioniert effektive Mundpropaganda. Und das es funktioniert, beweist mein Bericht. WOM-Marketing ist in keinster Weise neu, sondern gibt es seit Jahrzehnten. Ich finde es immer wieder spannend, wie viele von WOM als neue Marketingform sprechen. Wie bei der Mode gibt es nichts wirklich Neues. Und deshalb ist auch sehr effektiv, die Unternehmen ausfindig zu machen, die schon seit Jahrzehnten erfolgreiche WOM-Marketiers sind. Denn die haben Erfahrungswerte, von denen man nur lernen kann.

3 Responses to Was der Blick hinter den Kulissen mit Mundpropaganda zu tun hat

  1. Veit schenk sagt:

    Sie heben sehr schön hervor, was viele in Ihrem Marketing immer wieder übersehen: die potentiellen Kunden sind auch Menschen, und für Menschen gibt es fast nichts interessanteres als gut erzählte Geschichten.

    Schöner Artikel und Prosit

    Veit Schenk

    http://www.MarketingCentral.de Marketing speziell für den Mittelstand

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