In Serie "Geschäftsideen finden"

Neue Geschäftsideen finden (20): Schlüsselressourcen und -partner einmalig kombinieren

Ein Geschäftsidee bzw. Geschäftsmodell muss nicht nicht in allen Punkten besser sein als die Konkurrenz, sondern nur bei wesentlichen Aspekten. Dazu gehören häufig die sog. Schlüsselressourcen, die nötig sind, um den Kunden ein besonderes Angebot machen zu können, das sie nicht ablehnen können. Nach Osterwalder und Pigneur können die „Schlüsselressourcen physischer, finanzieller, intellektueller oder menschlicher Natur sein … und im Besitz der Firma sein, geleast oder von Schlüsselpartnern erworben werden.“

Zu den physischen Ressourcen gehen zum Beispiel Lager, Produktionsanlagen, Fuhrpark etc. Nehmen wir als Beispiel MyMuesli, die eine eigene Mix-Maschine entwickeln ließen, um grammgenau alle Zutaten zuführen und mischen zu können. Oder nehmen wir Einzelhändler, Gastronomen oder Hotels, die an einem einzigartigen Standort sitzen, um die sie alle Konkurrenten beneiden. Weiterhin gibt es intellektuelle Ressourcen, wie z.B. Copyright, Marken, Lizenzen, Patente oder Kundendatenbanken. Gerade für Forschungsunternehmen und Dienstleister kann die Ressource Mensch den Unterschied machen. Und letztlich gibt es auch finanzielle Ressourcen, die gerade bei kaptialintensiven Geschäftsideen den Unterschied aus machen können.

Sprout wächst dank Lieferantenkredite dynamisch und baut mit einem Patent Markeintrittsbarrieren auf
Nicht immer muss man der Erfinder eines Produktes sein, um nachaltig Erfolg zu haben. So erwarb der Däne Michael Stausholm im Jahr 2013 von drei Ingenieur-Studenten des Massachusetts Institute of Technology die Vertriebsrechte (für Europa) für einen Bleistift, aus dem eine Kräuterpflanze sprießt. Da er zu Beginn keine Banken und Investoren fand, entschied er sich, mit Hilfe von Lieferantenkrediten und Vorauskasse der Kunden zu finanzieren. Not macht eben erfinderisch. Spätestens, als der italienische Energieriese Enel 400.000 Stifte bestellte, dämmerte dem Entrepreneur, auf welcher „Goldader“ er saß. Schnell entschied er sich, die Patente von den Studenten (im Jahr 2014) abzukaufen, um die „Ernte“ komplett einfahren zu können. Mittlerweile verkauft Sprout ca. 500.000 Bleistifte pro Monate. Dabei spielte der Gründer auf einer breiten Klaviatur der Schlüsselressourcen.

Sprout

ENIO baut dank Crowdpartner ein europaweites E-Tankstellen-Netz auf
Nicht selbst aufbauen, sondern bestehende Ressourcen in ein neues Konzept einbinden. Das ist das Geheimnis vieler Sharing-Geschäftsideen. Ein schönes Beispiel ist ENIO: Vor sechs Jahren hatten die Wiener Friedrich Vogel und Franz Schodl die Idee, mit einer Software-as-a-Service-Lösung, Ladestellen für Elektroautos europaweit zu vernetzen. 2013 gründeten sie das StartUp ENIO. Wenige Jahre später betreiben sie schon (dank der Kooperation mit starken Partnern) 1.500 Ladepunkte im deutschsprachigen Raum. Jetzt soll das E-Tankstellen-Netzwerk dank der Einbindung privater Crowdpartner in den nächsten Jahren auf 90.000 erhöht werden. Durch Installation einer ENIO-Ladestation an der eigenen Hauswand können jetzt Privatpersonen das Grundstück zur E-Tankstelle werden lassen und so nicht nur erneuerbare Energien fördern, sondern auch Geld mit der eigenen Ladestelle verdienen.

Trekking-Ausstatter Globetrotter punktet durch Verkäufer mit besonderer Leidenschaft
1979 wurde in Hamburg-Wandsbek „Norddeutschlands erstes Spezialgeschäft für Expeditionen, Safaris, Survival, Trekking“ gegründet. Der Name war „Globetrotter“. Bis heute wächst der Einzelhändler sehr dynamisch. Konnten im ersten Geschäftsjahr ein Umsatz von 2,5 Mio. EUR realisiert werden, waren es im Geschäftsjahr 2013/2014 schon mehr als 200 Mio. EUR. Was war nun der Erfolgsgarant für dieses Wachstum? Alles begann damit, dass die Gründer, alles begeisterte Globetrotter, ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht haben. Und das galt auch für die Mitarbeiter. Nahezu alle Verkäufer waren zu Beginn der Globetrotter-Erfolgsstory Quereinsteiger und haben ihr Hobby (Bergsteigen, Kanufahren) „zum Beruf gemacht“. Diese Begeisterung der Mitarbeiter übertrug sich auf die Kunden und später in die Bilanz.

Ehemaliger Autoverkäufer verkauft seit Jahrzehnten eine neu erschlossene Ressource: Mondgrundstücke
Dennis Hope wurde reich damit, eine ganz neue Ressource zu erschließen. Seit knapp 20 Jahren verkauft er Mondgrundstrücke. Damit hat er schon mehr als 10 Mio USD umgesetzt. Möglich macht das eine Lücke des “Outer Space Treaty” – Gesetzes, das 1967 von den Vereinten Nationen verabschiedet wurde. Dieses Gesetz besagt, dass keine Regierung Besitzansprüche an extraterrestrischen Grundstücken (wie z.B. auf Mond oder Mars) erheben darf. Allerdings haben die Vereinten Nationen vergessen, Privatpersonen und Firmen mit einzuschließen. 1980 entdeckte der Autoverkäufer Dennis Hope diese Gesetzeslücke und ließ sich für seine Firma Luna Embassy die Eigentumsrechte am Mond im Grundbuchamt von San Francisco eintragen. Da es im vorgegeben Zeitraum keine Einsprüche gab, kann Hope seitdem Mondgründstücke verkaufen und das sehr erfolgreich.

lunarembassy

AfriDiva erhält günstige Einkaufskonditionen und exklusive Vermarktungsrechte dank Gründercoaching
Von Aldi ist bekannt, dass Aldi-Mitarbeiter die Lieferanten darin beraten, kostengünstiger Produkte herzustellen, um als Gegenleistung günstigere Einkaufskonditionen zu erhalten. Damit bietet Aldi den Lieferanten einen Mehrwert. Und da die meisten Lieferanten auch noch andere Kunden haben, profitieren sie in diesen Fällen sogar von Kosteneinsparungen, ohne die an die anderen Kunden weitergeben zu müssen. Das könnte man als Win-Win-Win-Situation bezeichnen. Ähnlich agiert Marissa Brendel. Sie coacht afrikanische Künstlerin und erwirbt dafür deren Kunststücke zu einem besonders günstigen Einstandpreis und erwirbt zudem die exklusiven Vermarktungsrechte für Europa. Von solch einem Geschäftsmodell könnten sich andere Unternehmer auch inspirieren lassen.

Die komplette Serie „Neue Geschäftsideen finden“ können Sie hier lesen.

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