In Serie "Geschäftsideen finden"

Neue Geschäftsideen finden (25): Das „Pimp your Product“-Prinzip

Heute wollen sich viele Menschen von der grauen Masse abgrenzen. Deshalb gibt es viele Anbieter, die Lösungen anbieten, um ein bestimmtes Produkt durch Zubehör aufzuwerten. Fast die gesamte Auto-Tuning-Branche lebt genau von diesem „Pimp your Product“-Trend. Um aus der Masse hervorstechen zu können, kaufen sich die halbstarken Jungs Spoiler, spezielle Auspuffrohre und Co., um doch ein Unikat in der Garage stehen zu haben.

Es geht aber beim „Pimp your Product“ – Prinzip nicht nur darum, Unikate zu erschaffen, sondern bestehende Lösungen aufzuwerten, indem sie nachträglich aufgerüstet werden. Ein gutes Beispiel ist der Smart Home Trend. Heute gibt es viele Nachrüstsätze, die es ermöglichen, ein altes Haus zum Smart Home umzufunktionieren. Auch hier gilt das Prinzip: Statt einer teuren Gesamtlösung kann man mit einer preisgünstigen Teillösung den Wohnkomfort deutlich erhöhen.

Bemz gibt den IKEA-Möbeln einen persönlichen Stil
Alles fing damit an, dass sich die Unternehmerin Lesley Pennington in ihrer neuen Wahlheimat Schweden ein IKEA-Sofa mit abnehmbaren Bezügen kaufte und selbst passende Bezüge in ihrem Lieblingsdesign herstellte. Daraus entstand 2004 das StartUp Bemz. Im Jahr 2009 erweiterte Bemz seine Kollektion auch um Produkte, die keine IKEA-Möbel „aufpimpen“. So kann man heute neben den Bezügen für IKEA-Sofas und -Sessel individuell gefertigte Heimtextilien für das Wohn-, Ess- und Schlafzimmer bestellen, die aus denselben Qualitätstextilien und Produktionsprozessen von Bemz stammen. Alle Heimtextilien sind Sonderanfertigungen und werden erst hergestellt, wenn die Kunden ihr Produkt/Textilkombination ausgewählt und bestellt haben. Ein schönes Beispiel, wie ein Pimp-Your-Up-Unternehmen „erwachsen“ wird.

Die Bauer Homestaging & Interior Design GbR pimpt Häuser vor dem Verkauf auf
Manche Hauseigentümer haben einen außergewöhnlichen Einrichtungsgeschmack oder haben lange nicht mehr renoviert. Das kann sich rächen, wenn sie ihr Haus verkaufen wollen. Denn wenn die Einrichtung nicht den Geschmack der Käufer trifft (oder gar keine Möbel mehr vorhanden sind), können sie entweder Abstand vom Kauf nehmen oder drücken die Verkäufer deutlich im Preis. In diesen Fällen können Firmen helfen, die sich auf das sog. „Homestaging“ spezialisiert haben. Ziel beim Home Staging ist es, Haus oder Wohnung vor einem Besichtigungstermin oder Fototermin zwar geschmackvoll, aber möglichst neutral zu gestalten, sodass sich jeder Betrachter darin wiederfinden kann. Im Durchschnitt ist dadurch ein bis zu 15 Prozent höherer Verkaufspreis und ein bis zu dreimal so schneller Verkauf möglich.

Luckies of London bietet Bastelsetz an, um Geschenkverpackungen aufzuwerten
Auf die Verpackung kommt es an. Das gilt vor allem für Geschenke. Deshalb bietet Luckies of London (Anbieter kreativer Geschenke) Geschenkverpackungen an, die anders sind als andere. Mit Hilfe des mitgelieferten Materials wird aus der Geschenkpackung ein Eisbär, Elefant, Tiger, Pinguin, Kaninchen, Waschbär, Löwe, Kuh, Fledermaus, Maus oder Fuchs. Für £ 9,95 erhält der Kunde acht Aufkleber-Blätter, fünf Bastelbögen und sechs Blatt Packpapier in verschiedenen Farben. Mitgeliefert wird einen Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie man insgesamt 24 Tiere „erschaffen“ kann. Eine clevere Idee, ein bestehendes Produkt (Geschenkverpackung) aufzupimpen.

Mit dem Copenhagen Wheel rüstet man ein Fahrrad zum EBike auf
Das Copenhagen Wheel ist eine Erfindung des Massachusetts Institute of Technology SENSEable City Laboratory. Dieses Rad hat den Elektromotor in den Speichen integriert. Die Erfinder versprechen, dass damit die meisten Fahrräder aufgerüstet werden könnten. Und das Fahrrad müsse auch nicht jeden Abend an die Steckdose gesteckt werden, um dem Fahrer elektrische Power zur Verfügung zu stellen. Vielmehr wird die Kraft beim Bremsen des Fahrrades gewonnen. So soll eine Reichweite von 15 km ermöglicht werden. Und die elektrische Unterstützung wird nur und automatisch zur Verfügung gestellt, wenn der Fahrer wirklich Unterstützung braucht. Siehe Bild oben.

COBI macht aus dem Fahrrad ein Connected Bike
Für das Fahrrad gibt es mittlerweile viele elektronische Hilfssysteme, wie z.B. Navigationssysteme, Fitness-Tracker, Alarmanlagen, Tracking-Systeme etc. Damit kann das Fahrrad zum High-Tech-Vehikel hochgerüstet werden. Andreas Gahlert, ehemals Gründer und CEO der Multimediaagentur „Neue Digitale“, geht mit seinem StartUp COBI einen Schritt weiter, indem es das erste voll vernetzte, integrierte System der Welt anbietet, das jedes Rad mit über 100 Funktionen ausstattet. Alles kann über eine neue, einfache, elegante und spielerische Benutzeroberfläche auf dem Smartphone gesteuert werden.

Das „Pimp your Produkt – Prinzip“ weist eine Verwandtschaft mit dem „Mehrwertkonzept“ und der „Rückenwind-Methode“ auf.

Mehr zu der Ratgeber-Serie „Neue Geschäftsideen finden“:
Damit es in Zukunft nicht mehr dem Zufall überlassen ist, neue Geschäftsideen zu finden, haben wir vor einigen Jahren die Ratgeber-Artikel-Serie „Neue Geschäftsideen finden“ gestartet. Die Besonderheit: In jeder Ausgabe veröffentlichen wir passende Best-Practice-Beispiele. Unser Ziel ist es, einen praxisorientierten Leitfaden zu erstellen, der hinsichtlich Inhalt, Praxisbeispiele und Umfang einmalig ist. Damit Sie die Übersicht behalten, haben wir die Artikelserie im Magazin-Special „Geschäftsideen finden“ zusammengefasst und dort auf die Detailartikel verlinkt. Unser Fazit lautet: Es gibt viele Wege nach Rom.

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