In Serie "Geschäftsideen finden"

Neue Geschäftsideen finden (32): Vom Berater zum Unternehmer

Ein Job in der Unternehmensberatung stellt für viele Uniabsolventen eine gute Basis dar, um anschließend bei einem der Mandanten den nächsten Karriereschritt zu gehen. In der Unternehmensberatung lernt man, Märkte und Wettbewerber zu analysieren, Business Pläne und Zukunftstratgien zu entwickeln. Das ist nicht nur ein gutes Rüstzeug für den nächsten Managerjob zum Beispiel in einem Industrieunternehmen, sondern auch, um sich selbständig zu machen.

Und genau deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass einige angestellte Berater sich entscheiden, im nächsten Schritt selbständig zu machen. Dabei starten sie entweder komplett neu durch oder übernehmen das Unternehmen, das sie vorher beraten oder im Rahmen einer Konkurrenzanalyse kennengelernt haben. In diesem Ratgeber-Special präsentieren wir einige Beispiele aus der Praxis „vom Berater zum Unternehmer“.

Deutsche See wurde dank eines Beraters wieder „wachgeküsst“
Der ehemalige Boston Consulting Berater Peter Dill übernahm nach einem Beratungsmandat mit Peter Miebach und mit Hilfe von Investoren und Banken die bis dahin „dümpelnde“ Deutsche See Fischmanufaktur und machte sie wieder zu einem Schmuckstück der Branche. Das Erfolgsrezept der Selfmade-Unternehmer bestand darin, fast alle Ratschläge aus der Branche zu ignorieren. Die Deutsche See ist heute mit Hauptsitz in Bremerhaven in Deutschland die Nummer eins bei der Herstellung und Vermarktung von Fisch und Meeresfrüchten. In bundesweit 20 Niederlassungen und Bremerhaven beschäftigt das Unternehmen über 1.700 Mitarbeiter und beliefert mehr als 35.000 Kunden vom Lebensmitteleinzelhandel, der Gastronomie und Top-Gastronomie über Caterer bis hin zur Betriebs- und Sozialgastronomie. Via ECommerce wurde auch das Endkundengeschäft erschlossen. Seit 2003 gehört die Feinkostmarke BEECK zu Deutsche See. Deutsche See engagiert sich schon lange aktiv für den Erhalt der Fischbestände und den Umweltschutz und wurde dafür 2010 als „Deutschlands nachhaltigtes Unternehmen“ mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Ex-Berater gründen mit statista eines der größten Online-Statistik-Portale der Welt
Friedrich Schwandt und Tim Kröger waren im Rahmen ihrer Karriere u.a. Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group. Im Jahr 2007 gründeten sie die Statista GmbH und schrieben damit eine große Gründer-Erfolgsstory. Sie betreiben mit ihrer Firma eines der größten Online-Portal für Statistik weltweit, das Daten von Markt- und Meinungsforschungsinstitutionen sowie aus Wirtschaft und amtlicher Statistik auf Deutsch und Englisch zugänglich macht. Mittlrweile befinden sich auf der Plattform über 1.000.000 Statistiken zu über 80.000 Themen aus mehr als 18.000 Quellen. Die Statstiken werden graphisch aufbereitet um einfach in Artikel eingebunden zu werden. Ein Erfolgsgeheimnis lag darin, dass ein (kleiner) Teil der Statistiken Journalisten und Blogger kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde. Das Geld verdient Statista mit kostenpflichtigen Abonnements. Zusätzlich bietet Statista mit Statista Research & Analysis einen Recherche- und Analyseservice sowie mit ecommerceDB.com eine Spezialdatenbank als Ausgangspunkt für Marktanalysen, Benchmarkings und Lead-Generierung im E-Commerce. Mittlerweile hat sich Ströer mehrheitlich am Unternehmen beteiligt.

Das Kochhaus erfindet den Einzelhandel neu
Ramin Goo machte während seines BWL-Studiums ein Praktikum in der Unternehmensberatung McKinsey und freute sich über das Angebot, nach dem Studium dort als Mitarbeiter anzufangen. Er genoss die Reisen und Übernachtungen in guten Business Hotels sowie das hohe Gehalt und die vielen Einblicke in anderen Unternehmen. Zweieinhalb Jahre später entschied er sich für den nächsten Schritt. Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die sich anschließend für eine Promotion oder einen gut dotierten Job in der Industrie entschieden, plante er mit seinen zukünftigen Geschäftspartner die Gründung von Kochhaus, um den Einzelhandel neu zu erfinden. Im September 2010 wurde in Berlin das erste Kochhaus in Berlin eröffnet. Es war das erste Lebensmittelgeschäft in Deutschland, das nicht mehr nach Warengruppen, sondern nach Rezepten sortiert Lebensmittel und Kochutensilien präsentiert. Mittlerweile wächst das Kochhaus auch dank eines wachsenden Onlinegeschäfts.

Mehr zu der Ratgeber-Serie „Neue Geschäftsideen finden“:
Damit es in Zukunft nicht mehr dem Zufall überlassen ist, neue Geschäftsideen zu finden, haben wir vor einigen Jahren die Ratgeber-Artikel-Serie „Neue Geschäftsideen finden“ gestartet. Die Besonderheit: In jeder Ausgabe veröffentlichen wir passende Best-Practice-Beispiele. Unser Ziel ist es, einen praxisorientierten Leitfaden zu erstellen, der hinsichtlich Inhalt, Praxisbeispiele und Umfang einmalig ist. Damit Sie die Übersicht behalten, haben wir die Artikelserie im Magazin-Special „Geschäftsideen finden“ zusammengefasst und dort auf die Detailartikel verlinkt. Unser Fazit lautet: Es gibt viele Wege nach Rom.

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