In V - Erfolgsfaktoren, V - Strategie

Wie würde Ryan-Air-Chef Michael O’Leary das Miniatur-Wunderland auf Expansionskurs schicken?

Vor kurzem haben wir anlässlich des 10. Geburtstages einen Rückblick auf die Erfolgsstory Miniatur-Wunderland Hamburg gewagt. Es ist schon beeindruckend, wie die Gebrüder Baum eine der größten Touristenattraktionen in Hamburg aufgebaut haben und dabei auch noch gute Gewinne machen, ohne große Fördertöpfe angezapft zu haben. Geht da eigentlich noch mehr? Was würde z.B. Ryan-Air-Chef Michael O´Leary machen, wenn er die Geschäftsführung des kleinen, beschaulichen Unternehmens in Hamburg übernehmen würde. Das wären die möglichen Szenarien:

  1. Einbindung der Tourismusverantwortlichen in die Expansionsstrategie
    Michael O´Leary würde natürlich wachsen wollen, indem er neue Standorte in anderen Städten in Deutschland und der Rest der Welt aufbauen würde. Um dieses Wachstum zu finanzieren, würde er mit den Tourismusverantwortlichen der Zielstädte verhandeln und von ihnen Zuschüssen in Millionenhöhe einsammeln. Am Rechenbeispiel Hamburg würde er aufzeigen, wie groß die Mehrwerte für die Tourismusindustrie pro Jahr sind.

  2. Auf der ganzen Klaviatur der Preisdifferenzierung spielen
    O´Leary würde die Eintrittspreise je nach Wochentag und Uhrzeit des Besuches und Zeitpunkt der Buchung differenzieren. Die Stornokosten lägen bei 100 %. O´Leary würde für alle Extras Geld verlangen, z.B. Garderrobe, Toilette, Aufzug, etc. Es gäbe einen Aufschlag, wenn man an den Schlangen vorbei Eintritt erhalten will. Es gäbe beim Stromkostensteigerungen auch einen entsprechenden Aufschlag.

  3. Zusätzliche Provisionseinnahmen erschliessen
    Natürlich könnte man sein gesamtes Ausflugs- oder Urlaubspaket auf der Webseite des Miniatur-Wunderlandes buchen, von Zugreise, über Hotelaufenthalt bis hin zum Besuch anderer Attraktionen in Hamburg und Umgebung. Selbstverständlich könnte man alle Produkte, die man im Miniatur-Wunderland bestaunen kann, in einem Onlineshop käuflich erwerben.

  4. Zusätzliche Marketingeinnahmen generieren
    Natürlich würde sich O´Leary möglichst das gesamte Inventar von den Ausrüstern sponsoren lassen, von Märklin bis Co. Er würde auch Werbeflächen vermieten und sich Produkt-Placement bezahlen lassen. Weiterhin würde er Namenssponsoringeinnahmen generieren.

  5. Aufreger-Marketingaktionen wären an der Tagesordnung
    O´Leary würde sich ständig neue provokative Werbeaktionen einfallen lassen. So würde er z.B. verkünden, dass man in der Themenregion Las Vegas ab sofort Roulette spielen könnte. Er würde verkünden, Märklin zu kaufen, um den Spaß für Kinder für alle Generationen zu garantieren. Es gäbe kein 1. April, den er nicht nutzen würde.

Es macht richtig Spaß, wenn man mal eine mögliche Zukunftsstrategie mit der “Brille” eines anderen betrachtet. Und genau das sollte jeder Unternehmer regelmäßig machen, nämlich sich die Fragen stellen: Was würde eigentlich XYZ an meiner Stelle machen? Längst nicht alle Ideen passen zur eigenen Unternehmensvision oder Unternehmenswerten. Aber vielleicht entstehen doch viele neue Ideen, die man zumindest mal austesten könnte. Ein Perspektivenwechsel schadet nur dem, der ihn nicht ausprobiert. Ich glaube, dass auch Mitarbeitern solche Rollenspiele gefallen könnten.

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