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Die Jahrhundert-Champions (Teil 3): Diversifikation in verwandte Geschäftsbereiche

Im August 1824 gründeten 13 Investoren in Aachen eine neue Feuer-Versicherungs-Gesellschaft. Im Laufe der nächsten Jahre konnte sich die Gesellschaft unter der Führung von David Hansemann in einem hart umkämpften Markt etablieren. Viele Versicherungen verzögerten damals im Schadensfall Zahlungen. Die Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft hingegen bekundete die eigene Einstellung schon indem sie sich verpflichtete 50% des Gewinns gemeinnützigen Zwecken zur Verfügung zu stellen. 1842 zahlte das Unternehmen nach dem ‚Großen Brand‘ in Hamburg rasch 320.000 Taler aus. Obwohl man damit der Insolvenz gefährlich nahe kam, war das der richtige Weg. Die Prämieneinnahmen stiegen danach rapide an, da Kunden klar erkannten, dass auf die Aachener Feuer-Versicherungs-Gesellschaft Verlaß war.

Kurzum, der Laden lief. Dennoch erreichte das Unternehmen nie den selben Status wie Jahrhundert-Champion Allianz Versicherung. Warum?

Das Problem war die grundlegende Ausrichtung der seit der Expansion nach Bayern als Aachener und Münchener bekannten Gesellschaft. Über Jahrzehnte hinweg konzentrierte sich das Unternehmen auf Feuerversicherungen. Selbst die ersten zaghaften Versuche einer Verbreiterung der Produktpalette zielte auf das enge landwirtschaftliche Kundensegment. Erst 99 Jahre nach der Gründung kam es zu ernsthaften Diversifizierungsversuchen. Damit wurde die bisher größte Gelegenheit für die Versicherungsbranche verpasst: die Industrialisierung! Ganz anders die Allianz. 1890 startete Carl Thieme mit Transportversicherungen, nutzte die Profite aber nicht nur zum Ausbau dieses Geschäftszweiges, sondern stieg sehr bald in die Anlagenversicherung ein. Dabei wurde auf bereits bestehende Kundenkontakte aufgebaut. Weitere Expansion erfolgte mit Produkten wie der Versicherung von Produktionsausfällen. Doch die Allianz ging auch auf neue Kundenkreise zu. Mit zunehmenden Wohlstand wurden Lebensversicherungen immer populärer. Die Allianz versuchte es zunächst mit einem Partner mit einschlägiger Erfahrung. Als dies scheiterte konnte das neu gewonnene Wissen genutzt werden und mit viel Erfolg die Allianz Lebensversicherung durchstarten.

Das Muster der Allianz spiegelt den Ansatz der Jahrhundert-Champions insgesamt wieder. Erfolgreiche Unternehmen verbreitern ihr Geschäft Schritt für Schritt, indem sie in verwandte Produkte und Märkte expandieren. Damit können bestehende Ressourcen besser zum Einsatz gebracht und Einbrüche in einem Segment austariert werden. Die Vergleichsunternehmen definieren ihr Kerngeschäft vielfach zu eng oder verfallen in das andere Extrem: Diversifizierung in Branchen die sie nicht verstehen.

Machen Sie sich regelmäßig Gedanken, wie ihr Wissen und ihre Erfahrung auch in anderen Geschäftszweigen gewinnbringend zum Einsatz gebracht werden können? Sind Sie mit ihrem Unternehmen vielleicht schon einen Schritt zu weit gegangen und rudern jetzt zurück?

Mehr Infos zu den Autoren:

Christian Stadler ist Associate Professor für Strategisches Management an der Warwick Business School, England. Philip Wältermann ist in München als Unternehmensberater, Business Angel und Entrepreneur tätig. In ihrem neuen Buch ‚Die Jahrhundert-Champions‘ beschreiben Sie wie Unternehmen langfristig erfolgreich sein können. Regelmäßige Updates finden sie unter http://www.jahrhundertchampions.de/, http://www.facebook.com/Jahrhundertchampions und https://twitter.com/EnduringSuccess.

One Response to Die Jahrhundert-Champions (Teil 3): Diversifikation in verwandte Geschäftsbereiche

  1. Geraldine sagt:

    An dem Thema Diversifizierung kommt wohl keiner mehr dran vorbei, dafür ist der Wettbewerb in dem meisten Branchen zu dynamisch geworden.

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